Freilich #35: Und tschüss!

Hörsaalgeflüster (6) – Trumps Kampf gegen das akademische System

Harvard, Columbia und die University of California: die Liste der Hochschulen, welche mit der Regierung Trump aneinandergeraten sind, wächst. Was bedeutet der aggressive Kurs des amerikanischen Präsidenten – und gibt es von diesem vielleicht etwas zu lernen?

Kommentar von
31.8.2025
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3 Minuten Lesezeit
Hörsaalgeflüster (6) – Trumps Kampf gegen das akademische System

In seiner zweiten Amtszeit nimmt US-Präsident Trump die Eliteuniversitäten des Landes besonders ins Visier.

© IMAGO / MediaPunch

Eines scheint Donald Trump aus seiner ersten, an langfristigen Erfolgen für die patriotische Sache äußerst dürftigen Amtszeit gelernt zu haben: Es gilt, sich der Universitäten anzunehmen. Und so kann als Außenstehender konstatiert werden, dass vermutlich kein anderes innenpolitisches Thema in Amerika mehr polarisiert als Trumps Auseinandersetzung mit den höheren Lehranstalten. Obgleich es sich hier um eine Angelegenheit handelt, die angesichts des spektakulären, von atomaren Bombern begleiteten Empfanges des russischen Präsidenten Wladimir Putin durchaus verblassen kann, gilt es dennoch, Trumps Politik einmal nachzuvollziehen und zu fragen, ob es hier nicht sinnvolle Ansätze gibt, die auch für AfD und FPÖ interessant sein könnten.

Trump lässt die Muskeln spielen

Tatsächlich hat Trump fast unmittelbar nach Amtsantritt damit begonnen, der linksliberalen Professorenschaft der amerikanischen Eliteuniversitäten das Besteck zu zeigen. Da ausländische Studenten über ihre hohen Studiengebühren seit jeher einen beträchtlichen Anteil der Geldmittel des amerikanischen Hochschulsystems besorgt haben, wurde dieses zunächst durch die von Trump eingeführte, mitunter drastische Erhöhung der Anforderung an studentische Visa in finanzielle Bedrängnis gebracht. Darauf folgte eine medienwirksame Auseinandersetzung mit der vermutlich berühmtesten Hochschule der Welt: so forderte Trump im April dieses Jahres die Harvard Universität auf, unter anderem auf die Einstellung von Lehrenden und die Zulassung von Studenten nach Diversitätskriterien zu verzichten. Die an amerikanischen Hochschulen seit vielen Jahren gängige Zulassungspraxis, welche Studenten etwa aus ethnischen Minderheiten in der Platzvergabe bevorzugt, ist damit erstmals grundlegend in Frage gestellt worden.

Würde Harvard den Forderungen nicht nachkommen, sollen die vom amerikanischen Staat für die Universität bereitgestellten Fördergelder in Milliardenhöhe drastisch gekürzt werden. Längst hat Harvard gegen die amerikanische Regierung geklagt, weshalb noch nicht absehbar ist, wie diese Konfrontation ausgehen wird – obgleich ein erstes Einlenken der Lehranstalt in Sicht zu sein scheint.

Trumps Klagewelle gegen US-Eliteuniversitäten

Derweil droht aber auch Trump munter mit Klagen, und zwar der UCLA California, einer der renommiertesten Akademien der amerikanischen Westküste. Der Vorwurf lautet, dass die Universität es unterlassen hätte, während einer Welle von pro-palästinensischen Demonstrationen und Ausschreitungen auf dem Campus der Hochschule antisemitische Straftaten adäquat zu unterbinden. Die avisierte Forderung Trumps für eine außergerichtliche Einigung: Zahlungen in Höhe von über einer Milliarde Euro. Was für europäische Beobachter völlig unmöglich klingt, scheint Trump zu gelingen: neuere Berichte weisen darauf hin, dass die Leitung der UCLA tatsächlich Interesse daran hat, der Klage durch einen Vergleich zu entgehen. Mit einem ähnlichen Vorgehen konnte Trump zuletzt gegen die Columbia Universität – ihres Zeichens Mitglied der elitären Ivy-League – in New York Erfolge erzielen. Auch hier wurden Fördergelder zunächst eingefroren, weil die Universität sich weigerte, Vorgaben der Regierung zu befolgen. Seit der Einigung fließen diese nun wieder, jedoch sicherte sich die Trump-Administration einen Einfluss auf die Zulassungspraxis der Universität und setzte Strafzahlungen in Höhe von 221 Millionen Dollar durch.

Feind der Demokratie und Wissenschafsfreiheit?

Während das gängige Medienecho der bundesrepublikanischen Presse ein autoritäres Vorgehen gegen die Wissenschaftsfreiheit und letztlich – darunter geht es bekanntlich nicht, wenn linke Strukturen zur Disposition gestellt werden – die amerikanische Demokratie auszumachen meint, setzt Trump seinen Kurs unbeeindruckt fort. Der AfD hingegen sollte Trumps Umgang mit der linksliberalen akademischen Elite durchaus als Anschauungsmaterial dienen. Denn wenngleich es fragwürdig bleibt, ob ein so rigoroses Vorgehen in der föderalen Bundesrepublik möglich wäre, so gibt Trump vor allem der Erfolg recht. Und um dies anzuerkennen braucht man gar nicht die tatsächlich fragwürdige juristische Praxis der Regierung Trump gutzuheißen; basiert diese schließlich mit dem Antisemitismusvorwurf auf einem jener schillernden Anwürfe, welche eigentlich zum Arsenal der woken Linken gehören.

Lektionen für AfD und FPÖ

Dennoch steht letztlich nur wenig einer rechten Diskurswende in den deutschen Landen so vehement entgegen wie die umfassend alimentierte und die Köpfe der kommenden akademischen Generation maßgeblich beeinflussende linke Meinungshoheit an den Universitäten. Insbesondere könnte man von Trump hier lernen, dass es, um diese Diskurshoheit zu brechen, einen entschlossenen politischen Willen braucht, das Hochschulsystem dort zu treffen, wo es wehtut: nämlich beim Geld.

In diesem Sinne könnte pointiert zusammengefasst werden, dass auch in Deutschland und Österreich linksliberale Kulturkämpfer in Professorenwürde, die trotz Neutralitätsgebot ihren hochschulpolitischen Einfluss dazu missbrauchen, um gegen AfD, FPÖ und Vorfeld vorzugehen, sich in dem Moment zu verhandlungsbereiten Leisetreter wandeln werden, in welchem die Finanzierung ihrer akademischen Projekte glaubhaft in Frage gestellt wird. Inwiefern dies einer potenziellen AfD- oder FPÖ-Regierung gelingt, ist nichts weniger als entscheidend für einen nachhaltigen Wandel der politischen Kultur in Deutschland und Österreich.

Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten geben ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der Freilich-Redaktion.
Über den Autor

Marc Brunner

Marc Brunner wurde 1997 in Westdeutschland geboren. Der studierte Philosoph interessiert sich für das griechische Denken und antike Geschichtsschreibung.

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