EKD fordert schnellere Aufnahme afghanischer Ortskräfte
In Pakistan warten nach wie vor Tausende afghanische Ortskräfte mit einer Aufnahmezusage auf ihre Einreise nach Deutschland. Die EKD fordert, dass ihnen diese zügig ermöglicht wird.
Ankunft einer Maschine am Flughafen Leipzig/Halle im April dieses Jahres. An Bord befanden sich auch sogenannte Ortskräfte aus Afghanistan.
© IMAGO / Future ImageDie Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erhöht den Druck auf die Bundesregierung, gefährdete Afghanen mit einer Aufnahmezusage endlich nach Deutschland zu holen. Viele der Betroffenen befinden sich weiterhin in Pakistan und warten auf ihre Einreise nach Deutschland.
EKD warnt vor Gefahr durch Abschiebungen
„Angesichts der laufenden Abschiebungen von Pakistan nach Afghanistan zählt buchstäblich jeder Tag, diese Menschen so schnell wie möglich zu evakuieren und vor den Taliban zu retten“, erklärte der stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende und sächsische Landesbischof Tobias Bilz am Mittwoch, wie die Plattform Domradio berichtet. Die Kirche verweist auf die besondere Verantwortung Deutschlands. Viele Afghanen hätten über Jahre hinweg für die Bundeswehr und deutsche Organisationen gearbeitet und dabei ihr Leben riskiert. Ihnen sei Schutz zugesagt worden.
Erste Afghanen dürfen bald einreisen
Die Bundesregierung hat ihren monatelangen Aufnahmestopp Anfang dieser Woche beendet – nicht zuletzt aufgrund juristischen Drucks. „Es ist eine gute Nachricht, dass nach gerichtlichem Druck erste afghanische Ortskräfte mit ihren Familien nach Deutschland kommen werden“, sagte Bilz. Nach Einschätzung der EKD reicht dies jedoch nicht aus. „Als evangelische Kirche halten wir es für essenziell, dass die Bundesregierung auch alle übrigen rund 2.300 Ortskräfte mit Aufnahmezusage in Sicherheit bringt.“
Regierung verspricht „sukzessive“ Aufnahme
Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bekräftigte am Mittwoch in Berlin, dass die Afghanen „sukzessive“ nach Deutschland ausreisen könnten, sobald eine rechtsverbindliche Aufnahmezusage vorliege und die Sicherheitsüberprüfung abgeschlossen sei. Laut einem Bericht der Welt sollen bereits in den kommenden Tagen die ersten afghanischen Familien per Linienflug eintreffen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es jedoch bisher nicht.
Auch das Auswärtige Amt ist involviert. Eine Sprecherin erklärte, ein Dienstleister der Bundesregierung stehe sowohl in Pakistan als auch in Afghanistan mit den Betroffenen in Kontakt. Zudem sei eine nach Pakistan entsandte Task Force damit beauftragt, weitere Abschiebungen von Afghanen nach Afghanistan zu verhindern.
Aufnahmezusage nach Taliban-Machtübernahme
Nach der Machtübernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan vor vier Jahren hat die Bundesregierung besonders gefährdeten Gruppen, darunter sogenannte Ortskräfte, Menschenrechtler und Journalisten, eine Aufnahme zugesichert. Derzeit warten noch etwa 2.000 Afghanen in Pakistan auf ihre Ausreise.