Berlin. – Während der Debatte über den Haushalt des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer kam es im Bundestag jüngst zu einer Auseinandersetzung. Auslöser war die Behauptung einer SPD-Abgeordneten, der AfD-Abgeordnete Matthias Helferich habe sich selbst als „freundliches Gesicht des Nationalsozialismus“ bezeichnet. Diese Aussage führte zu einer persönlichen Erklärung Helferichs und später zu einem Verweis auf das frühe lyrische Werk des Kulturstaatsministers.
Helferich weist Vorwurf zurück
Helferich nutzte das Wort, um die Darstellung der SPD-Rednerin öffentlich zurückzuweisen. Er erklärte, er habe sich einst selbst als „freundliches Gesicht des Rechtspopulismus“ bezeichnet. Linke Kommentatoren hätten dies damals ironisch weitergedreht und geschrieben, er sei „höchstens das freundliche Gesicht des Nationalsozialismus“. Diese Verdrehung nun im Parlament zu verwenden, sei „lächerlich“, so der AfD-Abgeordnete. Um zu zeigen, wie wenig ihn der Vorwurf inzwischen berührt, zitierte er anschließend den Autor Akif Pirinçci: „Ob Sie mich Nazi oder Klobürste nennen, ist mir herzlich egal bei der Lage des Landes.“
Gedichte des Kulturstaatsministers aufgegriffen
Im weiteren Verlauf seiner Erklärung weitete Helferich seine Kritik aus und verwies auf künstlerische Arbeiten aus Weimers Jugend. Der Kulturstaatsminister hatte in den 1980er-Jahren einen Lyrikband mit dem Titel „Kopfpilz” im Eigenverlag veröffentlicht. Dieses Werk erlangte jüngst durch Zufallsfunde und mediale Berichte erneut Aufmerksamkeit. Der Journalist Knut Cordsen hatte das Buch bereits im Frühjahr öffentlich erwähnt, ohne daraus zu zitieren. Dies holten später die Satiriker Dax Werner und Moritz Hürtgen im Podcast „Bohniger Wachmacher“ nach, nachdem Hürtgen das Buch eigenen Angaben zufolge in einem Münchner Bücherschrank entdeckt hatte.
Die teils expressiven, teils drastischen Verse sorgten in Kulturkreisen für Diskussionen. Insbesondere das Gedicht „Unglück“, das Helferich nun auch im Bundestag vortrug, rückte erneut in den Fokus der Debatte. Mit Verweis auf vermeintliche Jugendsünden sagte er: „Und dass Menschen Fehler machen, auch in ihrer Jugend, und manchmal ironische Fremdzuschreibungen auch übernehmen, das zeigt auch das Schaffenswerk unseres Kulturstaatsministers.“ Daraufhin zitierte er aus Weimers Gedicht: „Überwuchert mit Eiterbeulen / nötigt er die Schwangere / zum Fleischreiben / sein Pech / dass sein Schwanz platzt / ihr Pech / dass warmer Eiter ihren Unterleib / überflutet / und das Kind ersäuft“. Helferich schloss seine Erklärung mit den Worten: „Wir machen also alle mal Fehler.“


Kommentare
Sei der Erste, der einen Kommentar hinterlässt!