Martin Sellner: „Ami Go Home!“ und „Remigration“ kombinieren

Am 4. November 2023 referierte Martin Sellner auf der Compact-Konferenz „Frieden mit Russland“ in Magdeburg über die Aufgaben europäischer Patrioten. FREILICH sprach mit dem österreichischen Aktivisten auf der Konferenz in Magdeburg über die „Melonisierung des Abendlandes“, die NATO und Russland.

Interview von
10.11.2023
/
5 Minuten Lesezeit
Martin Sellner: „Ami Go Home!“ und „Remigration“ kombinieren
© Compact

FREILICH: Italien wird derzeit trotz einer rechten Regierung von Migranten überrannt. Du machst dafür die „Melonisierung des Abendlandes“ verantwortlich. Wie kann in Deutschland verhindert werden, dass eines Tages eine AfD-Regierung genauso einknickt wie Giorgia Melonis Fratelli d’Italia?

Martin Sellner: Diese Massenmigration nach Italien wiegt doppelt schwer, weil uns eine Rechtspolitikerin ihr Ende versprochen hat. Dieses gebrochene Versprechen wirft die Frage auf, ob es überhaupt noch eine parlamentarische Lösung der Einwanderungsfrage gibt, ob man Massenmigration wegwählen kann. Das ist eine große Gefahr. Wenn die Antwort „nein“ lautet, wäre es katastrophal für den rechten, patriotischen Widerstand. Insofern verstehe ich unter „Melonisierung des Abendlandes“, die Regierungsübernahme von Rechtsparteien, die aber nicht in der Lage oder nicht gewillt sind, die Ersetzungsmigration wirklich zu beenden. Stattdessen machen sie auf transatlantischer Ebene bei der westlichen Außenpolitik mit.

Das Thema der heutigen Veranstaltung lautet „Raus aus der NATO!“. Du fügst dem noch zwei weitere Themen hinzu, und zwar „Ami Go Home“ und „Remigration“. Nimmst du dir da nicht ein bisschen zu viel auf einmal vor?

„Ami Go Home“ und „Remigration“ sind Zielrichtungen unserer Außenpolitik. Dies sind kühne Ziele, die nicht in zwei, drei oder fünf, sondern eher in dreißig oder fünfzig Jahren umgesetzt werden können. Neben einer Normalisierung der Demografie in Europa ist auch die europäische Unabhängigkeit ein langfristiges Ziel. Raus aus der NATO bedeutet nicht, morgen alle amerikanischen Soldaten herauszukicken, auch wenn sich das viele wünschen würden, sondern das bedeutet: Schritt für Schritt in Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern und insbesondere Frankreich, das hier auch die stärksten Visionen hat, Europa strategisch souverän zu machen, sodass Europa im Konzert der Weltmächte auch eine eigene Geige spielen kann.

Angenommen, die USA sind tatsächlich für die Sabotage von Nord Stream verantwortlich: Wie soll das funktionieren, wenn europäische Staaten den USA sogar noch dabei helfen, unsere Nord-Stream-Pipelines zu zerstören?

Ein ganz wichtiger Punkt ist die Frage, wie wir eine Europakonzeption schaffen, die unterbindet, dass kleinere Staaten wie Polen oder Rumänien aus Angst vor den größeren Staaten in die Arme fremder Großmächte getrieben werden. Es kann also kein französisch-germanisch oder polnisch dominiertes Europa sein. Sondern es muss ein Europa sein, dessen Idee über diesen Nationalstaaten steht, eine Föderation, in der auch ein Schutzrecht, ein Erhaltungsrecht, ein Mitspracherecht für die kleinen Nationen besteht. Ansonsten treibt man diese kleinen Nationen in die Arme fremder Großmächte. Ganz gleich, ob die China, Amerika oder sonst wie heißen.

Wie sollte man sich zu diesen Großmächten verhalten, die in der entstehenden multipolaren Weltordnung eine immer wichtigere Rolle spielen? Insbesondere China und Russland?

Man sollte selbst zu einer werden. Um eine zu werden, brauchen wir eine geschickte Schaukelpolitik zwischen China, Russland und Amerika. Dafür ist Europa im Unterschied etwa zu Armenien auch groß, stark und stabil genug. Sprich, man braucht eine Gesprächsbasis, man braucht eine Beziehung. Man muss aber aufpassen, gerade aufgrund der erhöhten Sensibilität im deutschsprachigen Raum und in Westeuropa einen transparenten und sauberen Ablauf zu gewährleisten. Langfristig brauchen wir aber als Europäer militärpolitisch, wirtschaftspolitisch, diplomatisch die offene Wahloption zwischen drei Angeboten: Russland, China oder Amerika. Dann können wir uns fürs Beste entscheiden.


Mittlerweile leben über acht Milliarden Menschen auf der Erde und in den nächsten 50 Jahren wird ihre Zahl voraussichtlich auf zehn Milliarden steigen. Vor allem in Afrika und Asien wächst die Bevölkerung rasch an, während Europa nach wie vor mit einer niedrigen Geburtenrate zu kämpfen hat. Statt die eigene Kinderzahl zu erhöhen, versuchen viele europäische Regierungen, dies durch Einwanderung auszugleichen. In der neuen FREILICH-Ausgabe zeigen wir, was diese Entwicklung für unsere Zukunft bedeutet.

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Tobias Fritschel hat im Magazin Recherche Dresden die These aufgestellt, dass ein Kontinentalblock die Unabhängigkeit von den Amerikanern von der unipolaren Weltordnung ermöglichen könnte. Dabei würde Deutschland das Gehirn, den Innovator spielen. Russland würde die Ressourcen und China das Kapital liefern. Ist das machbar?

Ich halte die eurasianischen Theorien eines großen Kontinentalblocks, eines Landhandels von der Bagdadbahn über die Seidenstraße für sehr interessant. Ich glaube aber, dass solche wirtschaftlichen Kooperationen nicht zu einem Zusammenschmelzen oder zu einem großen imperialen Verband führen können, weil hierfür die unterschiedlichen Kulturen, die Ziele zu groß, zu unterschiedlich sind.

Nicht umsonst spricht man auch, obwohl es sich um eine Landmasse handelt, von unterschiedlichen Kontinenten. Denn die kulturelle Grenze, das geht auch zurück bis zu Griechen und Persern, ist einfach zu stark. Ich bin aber auf jeden Fall für eine starke kontinentale Zusammenarbeit der Landmächte und eine Sprengung der Blockade der Thalassokratie (Eine Thalassokratie ist ein maritim-kommerziell ausgerichteter Staat, Anm.d.Red.). Hier braucht es aber auch eine nüchterne, sachliche Zusammenarbeit und keine geschichtsmetaphysischen Träume.

Könnte man sich mit unseren muslimischen Neubürgern verbünden, um dem amerikanischen Militär ein Hausverbot in Deutschland zu erteilen?

Dem widerspreche ich sehr scharf. Ich glaube nicht, dass man die Transatlantiker loswerden kann, indem man sich mit der Islamisierung verbündet. Im Gegenteil, der Unterschied zwischen der transatlantischen Einflussnahme und der Islamisierung besteht darin, dass die Islamisierung mit dem Bevölkerungsaustausch irreversibel wird.

Unser Land hatte schon extrem viele geopolitische Abhängigkeiten. Englischer Einfluss, französischer Einfluss, auch immer wieder russischer Einfluss, Teile Europas standen unter osmanischen Einfluss. So etwas kann sich ändern, ein fremdes Joch kann man abwerfen. Aber einen Bevölkerungsaustausch kann man nie wieder loswerden. Und daher darf diese Ersetzungsmigration niemals normalisiert werden und Menschen, die eine fremde Identität haben, eine fremde Kultur haben und im Zuge einer Landnahme in unserem Gebiet Raum gewinnen, können keine Partner sein. Egal, in welcher Sache.

Eine Folge des Bevölkerungsaustausches sind Demonstrationen für Palästina und Israel nach dem Hamas-Angriff auf Israel nach dem 7. Oktober 2023. Wollen wir so etwas auf deutschen Straßen haben?

Nein, wollen wir nicht. Fremde Konflikte dürfen in unserem öffentlichen Raum nicht ausgetragen werden. Diese Demonstrationen sind für mich ein absoluter Bruch eines Assimilationsvertrags, der eigentlich hinter jeder Vergabe einer Staatsbürgerschaft stehen sollte. Wer zu uns kommt, hat zu brechen mit seinen heißgeliebten ethnoreligiösen Überzeugungen. Ansonsten kann er von uns auch nicht verlangen, dass wir ihm vertrauen und ihn als einen von uns behandeln.

Gilt das auch für prorussische Demonstrationen?

Ich bin der Ansicht, dass alle fremden, nationalistischen Demonstrationen in Europa, egal, wem sie dienen, zurückgeschraubt werden sollten. Sie sollten in dieser Form auf deutschem Boden nicht stattfinden. Ich verstehe natürlich, dass die Russlanddeutschen als gewachsene Minderheit in Deutschland, die aber ethnisch und kulturell deutsch ist, auch in diesem Krieg auf die Straße gehen möchte. Ich denke aber, dass wir eher eine deutsche Außenpolitik anstreben sollten, die verhindert, dass die Notwendigkeit für solche Demonstrationen überhaupt erst entsteht. Denn im Unterschied zu den importierten, den kulturfremden Minderheiten, den der Bevölkerungsaustausch ins Land geholt hat, stellen die Russlanddeutschen eine gewachsene, eine organische Minderheit dar. Mit dieser Minderheit werden wir langfristig zusammenleben.


Zur Person:

Martin Sellner wurde 1989 in Wien geboren und war Co-Leiter der Identitären Bewegung Österreich. Sellner hat mehrere Bücher veröffentlicht und ist für verschiedene rechte Publikationen als regelmäßiger Autor tätig.

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