FREILICH-Wahlanalyse

Landtagswahl in Niederösterreich 2023

Die Landtagswahl in Niederösterreich war ein großer Erfolg für das patriotische Lager: Die FPÖ konnte mit 24,2 Prozent ihr Ergebnis im Vergleich zur vorherigen Wahl um fast zehn Prozentpunkte steigern. Doch woraus besteht der Erfolg der FPÖ? Und wie verhält es sich mit der Konkurrenz?

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Landtagswahl in Niederösterreich 2023
Landhaus St. Pölten© NLK Reinberger, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Niederösterreich hat zwar keine Großstadt, aber umfasst das gesamte Umland von Wien. Die Gemeinden, die an der Grenze zu Wien gelegen sind, weisen die schlechtesten FPÖ-Ergebnisse auf, die sich zumeist im Rahmen von 10-20 Prozent bewegen. Anders sieht es bei den Städten mittlerer Größe aus. In der Landeshauptstadt St. Pölten (56.000 Einwohner) erzielte die FPÖ 22,4 Prozent, in der zweitgrößten Stadt des Landes, Wiener Neustadt (47.000 Einwohner), sogar 28,2 Prozent. Festzustellen ist, dass die Ergebnisse der FPÖ immer besser werden, je weiter sich der Ort von Wien entfernt befindet. In nahezu sämtlichen Gemeinden außerhalb des Wiener Dunstkreises errang die FPÖ mindestens 20 Prozent, wobei die besten Ergebnisse in den eher strukturschwachen Regionen im Westen von Wald- und Mostviertel sowie im Süden des Industrieviertels heraussprangen. Gleichmäßig knapp über 20 Prozent und damit unter dem Schnitt blieb die FPÖ in weiten Teilen des Weinviertels.

Einen teilweisen Zusammenhang gibt es zwischen den Ergebnissen von FPÖ und ÖVP, die ihre Hochburgen ebenfalls im ländlichen Bereich hat, allerdings vor allem im Norden Niederösterreichs. Bei der SPÖ gibt es den umgekehrten Effekt: Dort wo die SPÖ stark ist, ist die FPÖ schwach und umgekehrt. Noch deutlicher fällt die negative Korrelation zwischen FPÖ und Grünen sowie zwischen FPÖ und NEOS aus. Anhand dieser Daten ist festzustellen, dass gewinnbringende Faktoren für die FPÖ in Niederösterreich sowohl eine wirtschaftliche Schwäche im Wohnort als auch eine konservative Grundhaltung ist, die durch die positive Korrelation zwischen FPÖ und ÖVP abgebildet wird.

Wählerströme

Die FPÖ konnte im Vergleich zur letzten Wahl von 134.000 auf 218.000 abgegebene Stimmen zulegen, ein Plus von starken 62,7 Prozent. Von diesen 218.000 Wählern haben gerade einmal 92.000 bereits 2018 die FPÖ gewählt, also gerade einmal 42,2 Prozent der aktuellen FPÖ-Wähler. Massiv abziehen konnte die FPÖ bei der ÖVP, die 72.000 Wähler (33,0 Prozent aller heutigen FPÖ-Wähler) an die Freiheitlichen abgegeben hat. Von der SPÖ konnte die FPÖ 29.000 neue Wähler (13,3 Prozent der FPÖ-Wähler) überzeugen. Nicht so drastisch fällt der Zustrom der einstigen Nichtwähler aus, der bei 23.000 Stimmen (10,6 Prozent der FPÖ-Wähler) liegt. Grüne und NEOS spielen bei den Wählerwanderungen hin zur FPÖ keine Rolle. Die meisten Wähler hat die FPÖ im Vergleich zu 2018 an die SPÖ verloren, die Wählerwanderung hielt sich mit 14.000 Abgängern jedoch in Grenzen. In ähnlichen Dimensionen bewegen sich die Verluste an die Nichtwähler (13.000) und die ÖVP (11.000). Die FPÖ hat es geschafft, bei diesen Landtagswahlen die Stammwählerklientel nahezu vollständig zu mobilisieren und gleichzeitig die sehr wichtigen konservativen Stimmen bei der ÖVP einzusammeln. Das ist eine Bestätigung für den aktuellen Kurs der Freiheitlichen, die mit klaren Positionen gerade im ländlichen, konservativen Bereich viele Wähler abholen konnten.

Wahlverhalten nach Alter und Geschlecht

Blickt man auf die Daten aufgeschlüsselt nach Geschlechtern, sind bei den Beliebtheitswerten bei SPÖ, Grünen und NEOS kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen festzustellen. Anders bei ÖVP und FPÖ: Die Volkspartei schneidet bei Frauen mit 45 Prozent deutlich über, bei Männern mit 34 Prozent deutlich unter dem Landesschnitt ab. Im Gegenzug punktet die FPÖ bei Männern, wo sie 29 Prozent errungen hat, der Anteil der weiblichen FPÖ-Wähler beträgt gerade einmal 22 Prozent:

Geschlechterübergreifend erzielt die FPÖ in den Altersklassen 18-29 (29 Prozent) und 30-59 (32 Prozent) sehr gute Werte, jeweils auf ÖVP-Niveau. Wahlentscheidend war jedoch die Gruppe der Wähler in der Alterskategorie 60+, in der die ÖVP 56 Prozent Zustimmung errungen hat, die FPÖ aber nur schwache 16 Prozent, sogar schwächer als die SPÖ.
Schlüsselt man die Daten nach Alter und Geschlecht auf, so ergibt sich das Bild, dass die Freiheitlichen gerade in der Wählergruppe männlich/unter 45 Jahre massiv abgeräumt haben: Mit 38 Prozent liegt die FPÖ klar auf Platz eins vor ÖVP (24 Prozent) und SPÖ (22 Prozent). Bei den Männern ab 45 liegt die FPÖ mit 24 Prozent zwar knapp vor der SPÖ (22 Prozent) auf dem zweiten Platz, aber 16 Prozent hinter der ÖVP. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Frauen: Bei den Frauen unter 45 hat die Volkspartei mit 35 Prozent elf Prozent Vorsprung vor der FPÖ, auf dem dritten Platz folgen mit 22 Prozent die Sozialdemokraten. Gerade bei den Frauen ab 45 konnte die ÖVP mit 51 Prozent massiv punkten, FPÖ (zehn Prozent) und SPÖ (18 Prozent) hatten deutlich das Nachsehen.

Damit lässt sich der typische FPÖ-Wähler wie folgt charakterisieren: Jung bis mittelalt und männlich (dies trifft übrigens auch auf Wähler der NEOS zu). ÖVP-Wähler sind typischerweise alt und weiblich (und Grüne-Wähler jung und weiblich), während eine Typisierung der SPÖ-Wähler anhand der Datenlage nur schwer vorgenommen werden kann.

Wahlverhalten nach Erwerbstätigkeit, Bildung und sozialem Status

Unter Erwerbstätigen teilen sich ÖVP und FPÖ den ersten Platz mit jeweils 30 Prozent, acht Prozentpunkte vor der SPÖ. Unter Pensionisten ergibt sich ein völlig anderes Bild: Da erreicht die Volkspartei mit 57 Prozent eine absolute Mehrheit, der FPÖ bleibt hinter der SPÖ (20 Prozent) mit 16 Prozent nur der dritte Platz. Auch dieser Fakt belegt die starke Bindung der Generation U60 an die FPÖ, während für die ÖVP die Stimmen der Rentner wahlentscheidend waren.

Betrachtet man den Bildungsstand der Wähler, ergeben sich völlig unterschiedliche Bilder. Bei Wählern ohne Matura weist die ÖVP den höchsten Wert mit 40 Prozent auf, die FPÖ folgt dahinter mit starken 31 Prozent. Die SPÖ folgt mit 22 Prozent auf dem dritten Platz, Grüne, NEOS und andere Parteien sind nicht stärker als drei Prozent. Die Lage bei Wählern, die mindestens maturiert sind, sieht völlig anders aus. Zwar bewegt sich die ÖVP mit 39 Prozent auf ähnlichem Niveau wie bei Nichtmaturierten, den zweiten Platz belegt jedoch die SPÖ (18 Prozent) vor den Grünen (17 Prozent). Der FPÖ bleibt gemeinsam mit den NEOS nur der vierte Platz mit 13 Prozent.

Männer ohne Matura wählen bevorzugt ÖVP und FPÖ (jeweils 35 Prozent), die SPÖ erzielt in dieser Klasse 23 Prozent der Stimmen, die restlichen Parteien sind irrelevant. Bei Frauen ohne Matura ergibt sich ein leicht anderes Bild, hier schneidet die ÖVP stärker ab (46 Prozent), die FPÖ folgt mit 27 Prozent auf dem zweiten Platz, dahinter liegt die SPÖ mit 20 Prozent. Dem entgegen stehen schlechte Ergebnisse der FPÖ bei Wählern, die mindestens die absolvierte Matura vorweisen können. Bei Männern mit Matura erreicht die FPÖ sogar nur den fünften Platz mit 15 Prozent hinter ÖVP (34 Prozent) und SPÖ, Grünen und NEOS (16-18 Prozent). Bei maturierten Frauen erringt die FPÖ auch nur den vierten Platz (11 Prozent) hinter ÖVP (43 Prozent), SPÖ (19 Prozent) und Grünen (17 Prozent).

Einen absoluten Spitzenwert erreicht die FPÖ bei Erwerbstätigen ohne Matura, von denen sich 40 Prozent für die FPÖ entschieden haben. In dieser Wählergruppe hat die FPÖ anderthalbmal so viele Wähler wie die ÖVP. Bei maturierten Erwerbstätigen hat die FPÖ jedoch nur den fünften Platz mit 13 Prozent inne. Alles in allem ist die FPÖ der Vertreter des einfachen und arbeitenden Volks, womit sie den Ruf als Volkspartei untermauert. Genau diese Tatsache kann dadurch belegt werden, dass 45 Prozent aller Wähler, die die Meinung vertreten, mit ihrem Einkommen schlecht auszukommen, der FPÖ ihr Vertrauen geschenkt haben (weit vor der SPÖ mit 23 Prozent und der ÖVP mit 21 Prozent). Dahingegen wählten diejenigen, die der Auffassung waren, gut mit ihrem Einkommen leben zu können, bevorzugt ÖVP (46 Prozent). Die SPÖ (20 Prozent) und die FPÖ (19 Prozent) folgten auf den Plätzen.

Motive für die Wahlentscheidung zugunsten der FPÖ

Bei der Frage, welches Kriterium das wahlentscheidende war, gaben die meisten FPÖ-Wähler (36 Prozent) an, dass die inhaltliche Ausrichtung der Partei am stärksten die Entscheidung zugunsten der FPÖ beeinflusst hat. Auf dem zweiten Platz folgt mit deutlichem Abstand (zehn Prozent) die bisherige Arbeit der Freiheitlichen. Erst auf Platz drei folgt mit acht Prozent ein klassisches Argument von Protestwählern, dass keine andere Partei wählbar war. Jeweils sieben Prozent der Wähler sagten, dass sie FPÖ gewählt haben, weil sich etwas ändern solle (was auch unter Protestwahl subsumiert werden kann), die FPÖ Missstände aufdecke und kontrolliere, die Mehrheit der ÖVP brechen möge (auch ein Protestwahlargument) und die Haltung in der Corona-Krise die korrekte gewesen sei.

Dementsprechend hat sich die FPÖ von ihrem alten Ruf als Protest- und Dagegenpartei emanzipiert und gilt nun als inhaltlich und personell seriös. Der Sprung der FPÖ von der Protestpartei zur Volkspartei zeichnet sich genau durch die Weiterentwicklung auf allen Ebenen und die positive Vermarktung der Fortschritte inhaltlicher und personeller Natur aus. Einen Makel gibt es dennoch: In Niederösterreich war FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer kein ernsthaftes Wahlargument, nur zwei Prozent haben die FPÖ wegen ihres Frontmanns gewählt, ein weiteres Prozent deshalb, weil eine andere Partei als die ÖVP den Landeshauptmann stellen soll. Im nächsten Entwicklungsschritt sollte es die FPÖ angehen, neben Herbert Kickl weiteres integres und fachlich kompetentes Spitzenpersonal auszubilden.

Kernthemen der FPÖ-Wähler

Die beiden wichtigsten Themen der FPÖ sind klassische Kernthemen der Freiheitlichen, nämlich Inflation und steigende Preise sowie Migration. 63 Prozent beziheungsweise 60 Prozent der FPÖ-Wähler hielten diese Themen für wichtig. 42 Prozent hielten die Korruption in Österreich für ein wichtiges Thema, 35 Prozent die Sicherung der Energieversorgung, 33 Prozent Sicherheit und Krieg sowie 32 Prozent Gesundheit und Pflege.

In den wichtigen Themen Migration und bezahlbare Preise, die die FPÖ seit Jahrzehnten beackert, konnten daher die meisten Wähler akquiriert werden. Vergleicht man die Zahlen der FPÖ-Wähler mit denen von ÖVP und SPÖ, wird klar, dass FPÖ-Wähler eher inhaltlich interessiert sind als die der Sozialdemokraten und der Volkspartei. Das ist ein Beleg dafür, dass das politische Interesse von FPÖ-Wählern größer ist als bei Wählern der Konkurrenz. Ein weiterer Beleg dafür, dass die FPÖ mit ihrer inhaltlichen Arbeit überzeugen kann. Gewohnheitswähler von ÖVP und SPÖ lassen sich dadurch nicht erreichen, aber es eröffnet die Chance, dass die Freiheitlichen noch weitere Wähler mit gesteigertem politischem Interesse von fremden Parteien abwerben können.

Positionierung der FPÖ-Wähler in der Landespolitik

Die FPÖ konnte zwar 24,2 Prozent aller Wähler überzeugen, aber immerhin 34 Prozent wollten sie in einer Landesregierung sehen. Das ist ein Indikator dafür, dass das Wählerpotential der FPÖ noch lange nicht ausgeschöpft ist. Unter FPÖ-Wählern wollen 98 Prozent die Freiheitlichen in der Landesregierung sehen – das unterstreicht, dass die FPÖ keine reine Protestpartei ist, sondern von ihren Wählern als vollständig entwickelte Partei mit realistischer Option auf eine Regierungsbeteiligung wahrgenommen wird. Immerhin elf Prozent der ÖVP-Wähler und 19 Prozent aller SPÖ-Wähler können sich vorstellen, die FPÖ in der Regierung zu unterstützen. Das entspricht einem Gesamtwähleranteil von jeweils vier Prozent. Resultierend hat die FPÖ noch Möglichkeiten, bei gleichbleibendem Wähleranteil acht Prozent zuzulegen, indem sie Stimmen von ÖVP und SPÖ abwirbt.

Eine interessante Tatsache ist, dass 22 Prozent aller FPÖ-Wähler die SPÖ in der Landesregierung gutheißen würden, aber nur 15 Prozent sähen die ÖVP als Regierungspartei. Dies ist ein Hinweis dafür, dass FPÖ-Wähler eine besondere Abneigung gegen die bislang mit absoluter Mehrheit regierende ÖVP haben und in der oppositionellen SPÖ eher eine Chance auf Wandel als in der ÖVP sehen.

Bei der Wahl zum Landeshauptmann würden 78 Prozent der Wähler der Freiheitlichen Udo Landbauer ihre Stimme geben, jedoch kann aufgrund oben geschilderter Tatsache davon ausgegangen werden, dass er als Einzelperson nicht wahlentscheidend war. Gerade einmal vier Prozent der FPÖ-Wähler hätten der amtierenden Landeshauptfrau, Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), ihre Stimme gegeben, drei Prozent dem SPÖ-Konkurrenten Franz Schnabl. Landbauer wäre von einem Prozent aller ÖVP-Wähler und drei Prozent aller SPÖ-Wähler gewählt worden. Insgesamt kann Landbauer darauf verweisen, dass er in einer fiktiven Direktwahl zum Landeshauptmann mit 21 Prozent den zweiten Platz hinter Mikl-Leitner (40 Prozent) errungen hätte, was für die FPÖ ein solider Wert ist.

Vertrauen in Politik und Spaltung der Gesellschaft

Landesweit haben 56 Prozent aller Wähler sehr großes oder großes Vertrauen in die Politik. Getragen wird dieser hohe Wert federführend von den Wählern der ÖVP, die zu 85 Prozent der Politik vertrauen. Bei den Wählern der SPÖ (60 Prozent) und der FPÖ (39 Prozent) fällt dieser Wert wesentlich geringer aus. Folgerichtig haben insgesamt 55 Prozent aller Wähler, die der Politik trauen, der ÖVP ihre Stimme gegeben, dagegen nur 20 Prozent der SPÖ und 16 Prozent der FPÖ. Unter den Pessimisten konnte die FPÖ mit 39 Prozent (vor der SPÖ mit 23 Prozent und der ÖVP mit 14 Prozent) die meisten Stimmen gewinnen.

Auch die Entwicklung Niederösterreichs seit 2018 sahen FPÖ-Wähler zunehmend negativ – 67 Prozent der Anhänger der Freiheitlichen beobachteten eine Verschlechterung der Situation ihres Bundeslandes. Dem entgegen stehen die Wähler der ÖVP, die mehrheitlich die Entwicklung Niederösterreichs für positiv befinden (51 Prozent), SPÖ-Wähler verspürten meist eine Stagnation (46 Prozent) oder ebenfalls wie FPÖ-Wähler eine Verschlechterung (38 Prozent).
Parteiübergreifend stellen die Wähler jedoch fest, dass die Spaltung innerhalb der Gesellschaft voranschreitet, 81 Prozent aller FPÖ-Wähler, sogar 83 Prozent aller SPÖ-Wähler und 70 Prozent aller ÖVP-Wähler.

Aus einer grundsätzlich pessimistischen Grundhaltung der Wähler konnte die FPÖ offensichtlich Profit schlagen.

Fazit

Der FPÖ ist die Weiterentwicklung zur Volkspartei gelungen. Sie hat mit ihren Kernthemen Migration und Preispolitik bei ihrer Kernklientel, die vor allem auf dem Land wohnt, jung und männlich ist und keinen akademischen Lebensweg beschreitet, punkten können. Das thematische und personelle Portfolio ist so weit gereift, dass die FPÖ als ernsthafte Alternative zu ÖVP und SPÖ angesehen wird. Sicherlich kann man der FPÖ vorwerfen, dass sie die Ängste der Bürger ausgenutzt hat, allerdings hat sie eine seriöse Antwort auf die Fragen und Sorgen besorgter Einwohner geliefert. Deswegen ist der Wahlerfolg verdient und nicht zufällig.

Arbeiten muss die FPÖ indes noch bei der Ansprache der Zielgruppe der Akademiker und der Senioren. Bei Letzteren scheint dies eine kaum lösbare Aufgabe zu sein, zumal Ältere meist Gewohnheitswähler sind, unter den Akademikern, die mehrheitlich in der Region um Wien ansässig sind, wird die FPÖ kaum mit dem Thema der Preispolitik weiterkommen, zumal Akademiker finanziell grundsätzlich bessergestellt als Handwerker sind. Allerdings bietet das Kernthema Migration im Wiener Umland Ansatzpunkte, um den ein oder anderen migrationskritischen Wähler zum Beispiel von der ÖVP loszueisen.

Auch bei der Überzeugungskraft bei Wählern anderer Parteien sollte die FPÖ noch nachbessern, zumal sich noch einige Wähler von SPÖ und ÖVP gewinnen lassen, ebenso aus dem Nichtwählerlager. Möglicherweise gelingt dies, wenn die FPÖ noch mehr Einzelpersonen ausbildet oder fördert. Naheliegend wäre eine Stärkung der Position des erst 36-jährigen Udo Landbauer, der in den kommenden Jahren weiter an Format gewinnen kann, um Johanna Mikl-Leitner bei der nächsten Wahl herauszufordern.

Alles in allem kann die FPÖ auf eine sehr erfolgreiche Wahl in Niederösterreich zurückblicken, die die Basis für noch größere Wahlerfolge in Zukunft legt.


 Zur Person:

Martin Scheliga, Jahrgang 1997, ist studierter Master-Mathematiker und fertigt für verschiedene Auftraggeber politische Analysen an.

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