Landtagswahl in Niederösterreich:
Marvin T. Neumann

„Am Schicksal der Deutschen entscheidet sich die Zukunft Europas“

In Gespräch mit FREILICH spricht der Autor Marvin T. Neumann über die Zukunft einer deutschen ethnokulturellen Identität. Die Lösung sieht Neumann in einer weltpolitischen Vision, in der Deutschland eine große Rolle spielen muss.

Interview von Bruno Wolters
15.1.2023
/
12 Minuten Lesezeit
„Am Schicksal der Deutschen entscheidet sich die Zukunft Europas“
Marvin T. Neumann

FREILICH: Herr Neumann, in publizistischen Kreisen rund um die AfD wird aktuell über ein „neues Volk“ diskutiert. Man müsse – kurz zusammengefasst – auf die ethnokulturelle Identität als weiße Deutsche verzichten und ein neues Volk gegen den Globalismus bilden. Die Diskussion um den Volksbegriff wird hier in eine für die Rechte untypische Richtung gelenkt. Direkt gefragt: Sind wir Deutschen also am Ende der Geschichte angelangt?

Marvin T. Neumann: Nein, im Gegenteil. Man würde mit dieser Denke ja praktisch die Argumentation von Antideutschen wie Behzad Karim akzeptieren, wonach es der Deutschen Schicksal sei, nach der Niederlage in einem Weltkrieg für die „Idee rassischer Reinheit“ jetzt von Migranten ersetzt zu werden. Oder die Argumentation von Klimaideologen, wonach der europäische Mensch für die Schöpfung der Moderne und damit der Verursachung des Klimawandels mit seinem Heimatboden zu zahlen habe. Man würde die moralische Erpressung für den Bevölkerungsaustausch zumindest indirekt affirmieren. Sicherlich verändern sich Völker über lange Zeiträume, doch die Nationen Europas sind im Prinzip seit dem frühen Mittelalter beständig geblieben, das Gesicht Europas hat sich mit der Ansiedlung der Völker überhaupt erst ermöglicht, die sich durch politisches Bewusstsein zu Nationen formten.

Die neuen Eliten in der Bundesrepublik nach 1945 haben mit der Westbindung den deutschen Nationalstaat zwar auf eine bestimmte Spur gestellt, aber das Schicksal des deutschen Volkes ist damit nicht besiegelt worden, auch wenn manche Kräfte sich das bereits damals schon wünschten – Stichwort: Morgenthau. Aber das fukuyamasche Ende der Geschichte hat ja spätestens mit dem Ukrainekrieg auch sein Ende gefunden, der historische Zyklus geht weiter und jedes Volk muss seine Behauptung in der Geschichte selbst leisten. Ein Novum ist sicherlich, dass die Machteliten unserer Nation gegen den Fortbestand dieser handeln und sich mit „Deutschland verrecke“-Parolen aktivistisch gegen das Eigene richten. Dieses Verhalten ist freilich pathologisch, aber gerade deshalb kann man dieser Richtung überhaupt keine Legitimation schenken. Die Feindschaft gegen unser Volk ist so offensichtlich, dass eine Schärfung der nationalen Identität erfolgen muss, ihre Auflösung wäre der Erfolg der Globalisten.

Aber selbst in AfD-Kreisen wird über eine Alternative zum deutschen Volk und herkömmlichen Vorstellungen der deutschen Nation diskutiert. Der AfD-Europaabgeordnete Dr. Maximilian Krah hatte bereits auf Twitter öffentliche Diskussionen mit Ihnen über die Ausrichtung eines Kulturpatriotismus ohne explizit ethnische Komponente. Wie stehen Sie heute dazu?

Diese Überlegungen sind interessant, sicherlich sollte man solche Gedankenspiele und Diskussionen pflegen, aber sie sind letztendlich doch Luftschlösser zumeist desillusionierter Oppositioneller. Die ethnonationale Frage ist wie ein unangenehmer Ballast, der bei einer scheinbaren Überwindung Hoffnung auf andere Erfolgschancen zu versprechen scheint, dreht sich doch alles um das Neutralisieren der „ekligen weißen Mehrheitsgesellschaft“. Doch die woke Front lässt einem keinen Spielraum für eine selbst geschaffene Alternativwelt neu konstruierter konservativer Prägung. Einige britische Universitäten streichen Shakespeare aus ihrem Programm – weil er weiß, männlich und europäisch war. Wie will man die ethnische Komponente ausklammern, wenn die Kulturrevolution des Gegners sich genau dagegen richtet?

Wer den linksliberal-volksfeindlichen Kurs des Westens hinnimmt und die scheinbare Übermacht der aus den USA importierten weißenfeindlich-antieuropäischen Doktrin nicht auf der gleichen Ebene anzusprechen wagt, der kann eigentlich jeden Ansatz einer politischen Wende gleich aufgeben. Die rechtswidrige Masseneinwanderungs -und einbürgerungswelle der Ampelregierung ist schlicht abzulehnen und die auf Hochtouren betriebene Geschichtsklitterung ebenfalls. Da muss man endlich konzeptionell in die Gegenoffensive. Man kommt dabei nicht mehr um historisch-ideologische Fragen und tiefergehende systemische Probleme herum. Das muss auch eine AfD langsam lernen. Das mag für viele Parteikämpfer und Mandatare unangenehm sein, weil man damit der institutionellen Übermacht offen entgegentritt und immer mehr Anknüpfungspunkte mit dem grün-kosmopolitischen Establishment verliert, aber es ist der einzig effektive Weg, eine echte Wende einzuleiten. Und das schafft man nicht mit einer Imitation eines vermeintlich konservativen Bürgertums, das im Prinzip bereits in den 1990ern ausgestorben war.

Eigene Begriffe und Konzepte zu etablieren ist aufwendig, aber es ist eben das Prinzip einer echten Alternative für ganz Deutschland. Zeit und Energie sollte in diesen Ansatz investiert werden, anstelle permanent nach den kreativsten Möglichkeiten zu suchen, nicht über ethnische Konflikte und die Volksfrage sprechen zu müssen – der Verfassungsschutz ist auch dann gegen die Opposition instrumentalisiert, wenn man sich wie die CDU Anno 2005 anhört. Dass die Rettung Deutschlands nicht leicht sein würde, war jedem klar, auch schon 2015. Nun stellt sich langsam die Frage an jeden Einzelnen, wie ernst es ihm oder ihr mit Deutschland und der Zukunft unseres Volkes ist.

Was für „historisch-ideologische Fragen“ und „tiefergehende systemischen Probleme“ sollen das sein?

Nun, viele Parteimitstreiter dachten, wenn man einfach einen vernünftigen Politikkurs vertritt, der den Interessen des deutschen Nationalstaates dienlich ist, dann wird man mit diesen Argumenten die linksgrünen Phantasten und schwarzgelben Mitläufer schon ausspielen und man müsse somit nicht explizit über Fragen der Volksverträglichkeit und Weltanschauung sprechen. Denn, es weiß doch jeder, dass es nur zwei Geschlechter gibt, dass die meisten einen Boateng nicht gern als Nachbar hätten, dass unsichere Straßen für die Tochter nicht hinnehmbar sind und dass Strom erzeugt werden muss und nicht aus der Steckdose kommt – oder? Die rationale Überlegenheit schien beim Euro ebenso sonnenklar wie bei der Migrationsfrage. Der Referenzrahmen einer patriotischen Politikwende unter AfD-Führung käme in den üblichen nationalliberal gefärbten Begriffen der Bonner Republik daher.

Die Bilder und Eindrücke einer allgemein angenehmeren, jungen Vergangenheit mit mehr Sicherheit, Ordnung, Prosperität – und mehr nationaler Homogenität – würden die Leute allein schon emotional abholen, ohne sich in politischer Theorie, Geopolitik und brenzlicher Geschichtsphilosophie zu vergaloppieren. Wie wir wissen, ist das nicht geschehen, ganz im Gegenteil. Ob Migration, Kultur, Bildung oder Wirtschaft – auf allen Ebenen scheinen die Entscheidungsträger der Bundesrepublik die Opposition zu isolieren und gegen deutsche Interessen zu handeln – und dies untermauert von einer eigenen weltanschaulichen Motivation, welche nicht nur die von der AfD gern romantisierte Bonner Republik beansprucht, sondern jede Abweichung ihres Kurses als verfassungsfeindlich und post-nationalsozialistisch brandmarkt. Es geht nur in eine Richtung. Das Schicksal der Bundesrepublik sei demnach ihre Auflösung in einem humanistischen EU-Technokratenstaat, das Schicksal der Deutschen die Selbstaufgabe für jene vom Klimawandel vertriebenen Migranten aus der Dritten Welt als Tilgung der „historischen Schuld“.

Die Auseinandersetzung mit dem ‚Warum‘ treibt dabei viele an den Rand ihrer bundesrepublikanischen Lebenslügen. Wie kann es sein, dass die deutsche Regierung kein Interesse an der Aufklärung darüber hat, wer ihre kritische Infrastruktur in der Ostsee zerstört hat? Wie kann man eine Sanktionspolitik verfolgen, welche die heimische Wirtschaft langfristig mehr schadet als den Sanktionierten? Wie kann man es zulassen, dass die eigene Industrie vom vermeintlichen Verbündeten aus Übersee abgeworben wird? Wie kann man offen inländerfeindlich-antideutsche Aktivisten wie die sogenannte Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman zu Regierungsfunktionären machen? Wie kann man seine Streitkräfte dermaßen kaputt verwalten, dass sie nicht einmal das Land verteidigen können? Warum sind fremde Soldaten noch immer permanent auf dem eigenen Staatsgebiet stationiert? Wie kann man seit Ewigkeiten von demographischen Problemen und Altersarmut gewusst und dennoch keine echten Schritte dagegen unternommen haben? Die Suche nach Antworten öffnet Fässer, die man in der AfD bisher um jeden Preis geschlossen halten wollte. Aber das ist mittelfristig keine Option mehr, dafür ist zu wenig Zeit und die Revolutionswut des Establishments zu groß.

Und was für Fässer sind das, die aufgemacht werden müssten?

Die Westbindung als Fundament eines deutschen Selbstverständnisses nach 1945 und der ideologische Unterbau dieser Nachkriegsordnung zum Beispiel. Dass Deutschland nicht mehr als generationenübergreifendes, organisches Ganzes – eben als Volk – betrachtet und politisch behandelt werden darf, das ist im Prinzip die Ursache aller Probleme. „Völkisches“ Denken ist verboten, nur die liberale Staatsbürgeridee frei assoziierender Individuen ist legitim, wobei das hier bestehende Spannungsverhältnis zu Gunsten letzterer mit allerlei „Antirassismus“-Agitation und Revisionismus getilgt werden soll. Genau dafür wird unsere Lebensrealität momentan transformiert – alles dreht sich am Ende um die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und die ideologische Interpretation dieses Zeitraumes. Wir Deutschen wurden militärisch in zwei Weltkriegen niedergeschlagen und erst nach einer generationenübergreifenden „Charakterwäsche“ (von Schrenck-Notzing) als Subjekte US-amerikanischer Hegemonie unserer liberalistischen Staatlichkeit wieder überlassen.

Das schien aufgrund der geopolitischen Konfliktlage des Eisernen Vorhanges trotz Niederlage zu unserem materiellen Vorteil, zumindest bis die Mauer fiel, die Globalisierung und Sozialliberalität ihre hässlichen Seiten zeigten und sich die ideologische Orthodoxie des Westens vom national gefärbten Liberalismus des Kalten Krieges zum nun globalistisch-woken Liberalismus der US-Monopolarität verschob. Nun ist jeder westbindungstreue Patriot ein Verfechter für die Re-Education der gesamten Welt im Bilde des promiskuitiv-geschlechtsfluiden Individuums – ob er will, oder nicht. Wie genau sich diese Entwicklung von der bildungsbürgerlichen Individualität zum bobobürgerlichen Avantgardismus gestaltete, das sei an anderer Stelle thematisiert. Das Entscheidende ist der Bindungsknoten für LGBTQ-Propaganda, Antinatalismus und weißenfeindlicher Rassenlehre (Critical Race Theory). Und das ist die antifaschistische Doktrin, wonach ein souveränes Deutschland nur in Hitler kulminieren könnte und mehr noch, dass europäische Völker sich selbst überlassen, jeder Zeit vom Faschismus verführt und zum Völkermord animiert werden könnten.

Diese absurden Thesen zur Wesensart des Faschismus und weißer Menschen sind von Leuten wie Theodor W. Adorno, Sigmund Freud, Bertrand Russell oder Jürgen Habermas zum Grundrahmen westlicher Politik gemacht worden. Das Neutralisieren organischer Mehrheiten ist der Grundsatz der liberalen Demokratie. Diese Aspekte sind der Zement unseres gegenwärtigen Verfalls sowie des alles kontrollierenden „therapeutischen Staates“ (Paul Gottfried). Wer an diesen Glaubenssätzen keinen Hammer ansetzen will, wird auch nichts ändern können. Mit dem Akzeptieren dieser Geschichts- und Politiklehre der Nachkriegsordnung reduziert sich jede konservative politische Organisation auf die Funktion des Stabilisators des linksliberalen „Fortschritts“.

Wieso das? Konservative Inhalte sind doch abseits geopolitischer und geschichtsphilosophischer Fragen legitime Grundsätze, auch oder gerade für die AfD, oder etwa nicht?

Nun, im Prinzip seit 1945 nicht mehr. Die Niederlage des Deutschen Reiches war letztendlich die Niederlage aller rechten und nationalkonservativen Kräfte des Westens, selbst in den Siegernationen – diese Erkenntnis erlangten viele US-Patrioten erst viel zu spät. Heute pflegen die Republikaner Plattformen für allerlei ethnischer Gruppen: „Latinos for Trump“, „Black Voices for Trump“, „Young Jewish Leadership Summit“ usw. – aber „Republican Whites“? Sowas gibt es nicht. In Deutschland wäre die CDU wohl das beste Beispiel. Die bundesdeutsche Union war nie primär konservativ, sie war antikommunistisch und reflektierte lediglich den konservativen Gesellschaftszustand jener Zeit – das Wort „konservativ“ tauchte überhaupt erst 1978 im Ludwigshafener Programm auf. Sie war also seit Beginn an ein geopolitisches und geschichtspolitisches Konzept gebunden: die „freie Welt“ gegen den Kommunismus.

Das ist letztendlich US-amerikanisches Design der frühen Nachkriegsordnung. Konservative und rechte Gesellschaftsformen waren bis in die 1980er noch nützlich für die Stabilisierung im Kalten Krieg – ein Burgfrieden zwischen emanzipatorisch-liberalen und national-konservativen Elementen. Unter diesem Antikommunismus fanden natürlich vor allem nationale und christlich-konservative Kräfte einen gemeinsamen Nenner, doch die Kultur- und Gesellschaftsgestaltung, die Künste, die Universitäten, Medien und Presse – dort, wo die Konsensbildung und das Social Engineering erprobt und perfektioniert wurde, dort saßen neulinke und liberale Kräfte, die je im Dienste einer globalen Vision für eine neue Weltordnung arbeiteten. Die vermeintlich konservative CDU pocht seither auf „Law and Order“, ohne Einfluss darauf zu haben, wer Gesetz und Ordnung eigentlich wirklich gestaltet. Sie funktioniert als Beruhigungsmittel für die Bevölkerung, wenn die Top-Down-Gesellschaftsgestaltung zu viel Zerwürfnisse hervorruft.

Diese Dynamik westlicher Politik zeigt sich heute mehr denn je, wo jeder kurz demonstrierte Widerspruch eines Christdemokraten mit der Rassismus- und Faschismuskeule niedergeschlagen wird. Die Entscheidung über den Pfad der Gesellschaft und die Gestaltung der Zukunft haben im liberalen Westen keine konservativen Kräfte zu machen – denn ein gestaltender, herrschender Konservatismus wäre nach der institutionalisierten Lesung eben Faschismus. Und die Vertreter einer auf konservativen Prinzipien beruhenden politischen und sozialen Ordnung sind heute als „autokratische Systeme“ gebrandmarkt. Der neue Hitler ist heute eben Putin. Hier finden wir erneut die Klammer von Innen- und Außenpolitik, von Geschichts- und Geopolitik.

Was ist also die Lösung?

Die AfD muss selbst eine Weltanschauungspartei werden, anders kann man den Mechanismen des Gegners nicht erfolgreich entgegentreten. Und sie muss sich einer weltpolitischen Vision annähern, die nicht von den USA als alleinige, woke Weltmacht eines volkslosen, hyperindividualistischen Universalismus diktiert wird und einem heilenden, seinen nationalen Charakter wiederfindenden Deutschland überhaupt erst Raum für Souveränität bietet. Der Antifaschismus ist, damals implizit und heute explizit, die Grundideologie des US-geführten Westens. Der „Nie Wieder“-Imperativ durchdringt jeden Bereich und hat zum Großteil unsere heutigen neurotischen Eliten produziert. Das, was historische Norm war, gilt nun als gefährliche „Natürliche Ordnung“-Ideologie, welche uns stets zu einem neuen Hitler führen könnte. Das ist der Grund, weshalb homogene Gesellschaften, natürliche Geschlechterrollen und ein gesundes Ästhetikempfinden bekämpft werden. Und genau deshalb sind Überlegungen auf Seiten der Rechten, ein „neues Volk“ zu schöpfen, so absurd, da man gar keine eigene Gewalt über diese Entwicklung hat und psychologisch vor dem Gegner kapituliert.

Natürlich braucht es eine Kooperation aller europäischen Nationen, um Europa als geopolitischen Pol von Washington zu befreien und gegen andere raumfremde Mächte zu verteidigen. Das allein ist auch schwer genug. Aber es wird sich daraus keine große Ethnogenese ergeben. Erstrecht nicht, wenn man die Selbstbehauptung Europas verwirft und die woke-globalistische Singularität schon für faktisch erachtet. Die treibenden Kräfte hinter Wokeness sind antifaschistisch und das heißt vor allem: antieuropäisch, antideutsch, antiweiß – antihistorisch. Der europäische Mensch und seine überlieferten Traditionen seien demnach Urquell aller als repressiv bewerteter Elemente. Der weiße Mann habe sein patriarchalisches Gewaltsystem erst in die Welt exportiert, weshalb nur die Allianz der People of Color geschlechtsdiverser, zumindest aber nichtmännlicher Art, die Liberation der Menschheit bringen können. Wenn die Völker Europas und auch die Weißen in Nordamerika und Australien noch eine Zukunft in ihren eigenen Heimatländern erlangen und die globale Regenbogentechnokratie verhindern wollen, dann müssen sie eine politische Avantgarde der Selbstbehauptung generieren – und diese muss die Lügen des Antifaschismus entlarven und die Behauptung des Ethnos in den Mittelpunkt stellen.

Das bedeutet keinen Chauvinismus, sondern schlicht und ergreifend die Substanz unserer Identität überhaupt erstmal wieder begreiflich zu machen und wie alle anderen ethnischen Gruppen eine Willensbildung zu ermöglichen. Nur so kann ein Volk über sein Schicksal entscheiden und souverän sein. Und genau das ist in der Bundesrepublik quasi illegal – Identität und Repräsentation gibt es für alle, außer für ethnische Deutsche, die sich als solche identifizieren. Hier liegt der zentrale Deutungskampf um die Zukunft. Und wie Rolf Peter Sieferle es bereits in den 1990ern erkannte, geht dieser von Deutschland aus. Unsere Gegner wollen kein deutsches Volk und sie wollen auch keine anderen europäischen Völker – selbst den Ukrainern wird bereits ein Wechsel von einer „ethnischen Nation“ hin zu einer „staatsbürgerlichen Nation“ seitens westlicher Intellektueller wie Etienne Balibar als wirkliche Annäherung an den Westen nahegelegt. Deutschland und Europa sollen zum Begleichen ihrer historischen Schuld – Zweiter Weltkrieg und Kolonialismus – sich selbst als Siedlungsraum und Geburtsort der liberalistischen Menschheitsutopie opfern, und so praktisch die ideologische Genese der USA reproduzieren.

Das klang vor vierzig Jahren noch absurd, jetzt wird es bitterer Ernst. Man kann dazu nicht schweigen und auf oberflächlichen Populismus setzen – wie wir im Falle Italiens sehen, kann man auch ganz schnell auf ein faules Ei reinfallen (Meloni ist nicht nur transatlantische Agentin, unter ihrer Regierung ist die Ankunft illegaler Migranten bereits um 50 Prozent gestiegen). Es sind die großen Fragen, von denen aus alles andere geklärt wird. Der Imperativ der woken Agenda ist: „Nie wieder Deutschland“. Unser Imperativ muss sein: „Ewiges Deutschland“. Ich bin überzeugt: Am Schicksal der Deutschen entscheidet sich die Zukunft Europas. Wenn wir den oktroyierten Selbsthass und den ritualisierten Kult der ethnokulturellen Selbstverneinung überwinden, dann kann der auf alle Europäer globalisierte weißenfeindliche Schuldkult überwunden werden und unsere Zivilisation hat noch einen Morgen.

Das ist jetzt sehr ausschweifend. Wie soll dieser Kampf um diese „großen Fragen“ in Deutschland denn von der AfD geführt werden?

Natürlich kann eine Partei allein nicht alles leisten. Aber die AfD steht definitiv in einer historischen Verantwortung, das darf man trotz der alltäglichen Trivialität und medialen Hetze nicht vergessen. Mit den Mitteln, die man hat, müssen eigene Parallelinstitutionen geschaffen werden – eigene Medien, Kaderschmieden, Kulturszene. Das ist alles nichts Neues, klar. Aber es fehlt noch immer an den willfährigen Personen an der richtigen Stelle. Und ewig Zeit hat die AfD auch nicht, nicht bloß auf Grund der demographischen Zeitbombe, sondern der verschiedenen Versuche des Establishments, der Opposition den Zugriff auf Ressourcen zu nehmen und gegebenenfalls sogar ein Verbotsverfahren durchzuboxen.

Man muss also ein eigenes Angebot liefern und Erklärungsmuster für die Probleme und Nöte der Zeit bieten, die ganzheitlich funktionieren. Und das muss sich aus einem weltanschaulichen und systematischen Verständnis der Gegenwart und Vergangenheit schöpfen, man benötigt also, wie Björn Höcke einmal sagte, ein „politisch-historisch-philosophisches Tiefenbewusstsein“. Natürlich muss das auf Parteiebene übersetzt werden. Autoren und Aktivisten können deutlicher sein als der durchschnittliche Abgeordnete. Aber auch diese müssen sich allmählich der Lage anpassen. Wenn Regierungspolitiker und Journalisten gegen die Existenz ethnischer Deutscher wettern, dann kann man das als patriotische Kraft nicht so stehen lassen. Hier gilt es, endlich anzusetzen. Die Uhr tickt.

Herr Neumann, vielen Dank für die deutlichen Worte!


Zur Person:

Marvin T. Neumann, Jahrgang 1993, arbeitet als persönlicher Referent für den mitteldeutschen Bundestagsabgeordneten Hannes Gnauck. Zu seinen Interessengebieten zählen Geopolitik, politische Theorie und Literaturwissenschaft.

Twitter: https://twitter.com/MT_Neumann

Telegram: https://t.me/MarvinTNeumann