FREILICH vor Ort: Wie die AfD Thüringen ihr lokales Netzwerk ausbaut

Kommunalwahl, Europawahl, Landtagswahl: Für die Bürger des Freistaates Thüringen steht ein ereignisreiches Jahr 2024 an. Die AfD, in vielen Landkreisen bereits jetzt neue Volkspartei, setzt dafür auf Sichtbarkeit. FREILICH war anlässlich der Eröffnung eines neuen Bürgerbüros vor Ort und zeigt, wie die Partei sich auf die kommenden Wahlkämpfe einstellt.

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FREILICH vor Ort: Wie die AfD Thüringen ihr lokales Netzwerk ausbaut
Ringo Mühlmann bei der Eröffnung seines Wahlkreisbüros© AfD

Trotz eisigen Schneeregens fanden Anhänger und Wähler der Alternativen für Deutschland den Weg in die Kleinstadt Neustadt an der Orla. Der Landtagsabgeordnete Ringo Mühlmann hatte zur Eröffnung seines Abgeordnetenbüros eingeladen, das er künftig als Direktkandidat der AfD im Saale-Orla-Kreis betreuen wird. Für Mühlmann, innenpolitischer Sprecher der Fraktion im Thüringer Landtag, ist es neben dem Büro in Apolda das zweite Bürgerbüro dieser Art, das er nun mit Leben füllen möchte. Die Freude über den Andrang ist dem Landtagsabgeordneten anzumerken, rund 70 Personen haben sich in den Räumen in der Ernst-Thälmann-Straße eingefunden. Das Publikum sei bunt gemischt, ein Großteil seien natürlich Parteifreunde, aber auch die Montagsspaziergänger der Stadt und zahlreiche Wähler seien der Einladung zur Eröffnung gefolgt, erklärt Mühlmann im Gespräch.

„Das Büro befindet sich in optimaler Lage, jeder kommt hier vorbei“, skizziert der AfD-Politiker die Wahl der Immobilie. Direkt gegenüber befindet sich einer der beliebtesten Treffpunkte der Stadt, die örtliche Eisdiele, von der sich Mühlmann in der heißen Wahlkampfphase im Sommer viel verspricht. Das bestätigen ihm auch die anwesenden Gäste, viele direkte Bewohner der Stadt: Die AfD ist aus Orla an der Neustadt nicht mehr wegzudenken. Insgesamt unterhält die AfD mittlerweile rund 30 solcher Büros in Thüringen, für Mühlmann einer der Grundsteine für den derzeitigen Erfolg der Partei: „Besonders die Kommunalwahlen sind entscheidend, die Sichtbarkeit unserer Positionen im Alltag. Die Bürgerbüros helfen uns, dass die Bürger die AfD auch vor Ort wahrnehmen können.“

Region und Land reichen sich die Hand

Neben Mühlmann zieht an diesem Abend noch eine weitere Person die Aufmerksamkeit auf sich. Uwe Thrum, möglicherweise der nächste Landrat des Saale-Orla-Kreises und sozusagen der Mann der Stunde. Nach seinem Erdrutschsieg im ersten Wahlgang mit rund 45,7 Prozent geht er nun in die Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Christian Herrgott. Thrum kommt nach seiner Ankunft kaum vom Fleck, immer wieder kommen Menschen, um ihm zu gratulieren und mit ihm zu sprechen. Die Veranstaltung wirkt wie eine Wahlkampfveranstaltung, ein Eindruck, der sich später noch verstärken sollte. In seiner Rede gratuliert er Mühlmann zur Einweihung des neuen Büros, beide sind sich sicher, dass es nicht nur bei den anstehenden Wahlen eine zentrale Rolle bei der Vernetzung in der Region spielen wird.

Bald der nächste AfD-Landrat? Uwe Thrum muss nur noch die Stichwahl gewinnen. Quelle: AfD.

So souverän Mühlmann und Thrum auch auftreten, einer stiehlt ihnen die Show. Als Fraktionsvorsitzender und Landesparteichef Björn Höcke das Bürgerbüro betritt und später als Letzter ans Mikrofon tritt, hängen die anwesenden Gäste an seinen Lippen. Er spannt den Bogen von den vergangenen zu den kommenden Wahlen, spricht vom „Wahl- und Kampfjahr“ 2024 und schwört seine Parteifreunde auf die anstehende Basisarbeit ein. Hier wird die Nähe zu den bald zu erwartenden Wahlkämpfen deutlich, Partei und Funktionäre sind in Aufbruchstimmung. Das zeigt sich auch in Höckes rhetorischen Figuren: Der langjährige Gymnasiallehrer berichtet von den Feiertagen, erzählt von seiner ersten Sichtung der populären „Herr der Ringe“-Trilogie und zieht daraus zwei Botschaften, die aufhorchen lassen:

Erstens sei Macht seiner Erfahrung nach „die stärkste Droge, die die Menschen kennen“ und zweitens habe jeder Mensch einen persönlichen Auftrag, „den er umsetzen muss“.

Schaurige Aussichten

Allen Widerständen zum Trotz anzutreten, könnte man als quasi autobiografische Referenz Höckes bezeichnen, die in der Runde auf große Zustimmung stieß. Demnächst muss sich der Landesparteichef vor dem Landgericht Halle wegen des Ausrufs „Alles für Deutschland“ verantworten. Die Große Strafkammer, die sonst für besonders schwere Sexual- und Gewaltdelikte zuständig ist, muss sich nun mit einem „patriotischen Ausdruck“ auseinandersetzen, der „jedermann, der gesunden Menschenverstand hat und das Herz für Deutschland noch schlagen spürt“, wie Höcke die Aussage bezeichnet, über die Lippen kommen könne. Für ihn ein klarer Fall von Kampf gegen die AfD, ebenso wie die Petition, ihm die Grundrechte zu entziehen.

Auch Björn Höcke war vor Ort: Quelle: AfD.

Der politische Gegner, der mit immer härteren Bandagen nicht nur die Politiker der Partei, sondern auch deren Wähler und Sympathisanten angreift, bleibt zumindest an diesem Abend ein fernes Schauermärchen. In Neustadt an der Orla gibt es eine neue Normalität – eine mit der AfD als fest verankerter Partei. Was bisher nur in den Köpfen der Wähler existierte, wird hier und in vielen anderen Landkreisen in Thüringen und im Rest der Republik langsam Realität: Die AfD als neue Volkspartei.

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