Ampelregierung verschwendet Millionen Euro für Flop-Kampagne

Das Innenministerium hat drei Videos mit der Influencerin Negah Amiri finanziert. Doch die Videos stoßen auf Ablehnung und könnten ethische Standards verletzen.

Analyse von
14.6.2024
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6 Minuten Lesezeit
Ampelregierung verschwendet Millionen Euro für Flop-Kampagne
In drei aufwendig produzierten Kurzvideos zur Online-Kampagne sollte eine persische Migrantin mehr Respekt vor Rettungskräften vermitteln.© IMAGO / Schöning

Ohne den Druck der AfD hätte die Öffentlichkeit wohl nie erfahren, dass das Innenministerium unter Nancy Faeser (SPD) rund 4,4 Millionen für die „Kampagne Polizei und Rettungskräfte“ ausgegeben hat. Das geht aus einer 100-Seiten-Antwort hervor, die die Ampel am 8. Mai veröffentlichen musste.

In einem Gastbeitrag für die Welt hatte Faeser kürzlich noch gejammert: Gewalt gegen Polizisten und Sanitäter sei ein Angriff auf „unser Gemeinwesen“. Was die SPD-Ministerin verschwieg: Laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2023 waren Ausländer für 34 Prozent der Tatverdächtigen bei Angriffen auf Polizisten und Rettungskräfte nach § 114 und 115 StGB verantwortlich. Ausländer machten 2023 aber nur 15 Prozent der Bevölkerung aus. Der Migrationshintergrund von den 66 Prozent der deutschen Tatverdächtigen wird in der PKS nicht erfasst.

Jetzt hat das Innenministerium die Persien-Migrantin Negah Amiri damit beauftragt, auf YouTube für mehr Respekt vor Rettungskräften zu werben. In drei aufwendig produzierten 90-Sekunden-Videos lernt Amiri Respekt vor Feuerwehr, Sanitätern und dem Technischen Hilfswerk. Amiris migrantisch gefärbter Slang lässt erahnen, an welche Zielgruppe sich die Videos richten.

So teuer ist die Flop-Kampagne

Die 100-Seiten-Antwort der Ampel verschweigt, wie viel Geld Faesers Innenministerium an die Regierungsinfluencerin Amiri überwiesen hat. Als Grund beruft sich die Ampel auf die „Wahrung des Geschäftsgeheimnisses“. Auch das steht nicht in diesem Teil der Antwort: Die Produktionskosten und Honorare für die woke Medienagentur Mediaplus, über die FREILICH ausführlich berichtete.

In der Antwort steht, welche weiteren Kosten dem Steuerzahler wegen der Kampagne über Polizei und Rettungskräfte entstanden sind: Rund 4,4 Millionen gab das Innenministerium aus. Ein Regierungssprecher teilte FREILICH mit, das Ministerium habe den Millionenbetrag für „Online und Social Media Maßnahmen, Technische Kosten sowie Setupkosten“ verwendet. Unter anderem seien Werbe-Anzeigen geschaltet worden, um die Amiri-Videos auf dem YouTube-Kanal des Innenministeriums zu verbreiten.

Performance-Marketing-Flop: Trotz eines Millionen-Werbebudgets erzielte dieses Amiri-Video kaum Engagement. Screenshot: YouTube / BMIBund.

Die „Like-to-View-Ratio“ gibt an, wie viele Nutzer beim Ansehen eines Videos auf „Daumen hoch“ geklickt haben. Amiris Video über einen Feuerwehreinsatz wurde auf dem Kanal des Innenministeriums dank YouTube-Werbung über 365.000 Mal angesehen. Aber nur 65 Nutzer klickten auf „Daumen hoch“. Das sind weniger als 0,02 Prozent der Zuschauer. Wenig besser sieht es bei den Videos über das Technische Hilfswerk und einen Rettungswagen-Einsatz aus. Besonders peinlich: Keines der drei Videos wurde kommentiert. Zum Vergleich: Videos der rechten YouTuber Shlomo Finkelstein oder Boris von Morgenstern wimmeln von Kommentaren und erreichen regelmäßig einen „Daumen hoch“-Anteil von fünf bis zehn Prozent.

Das Innenministerium stellt die Amiri-Videos gegenüber FREILICH als Erfolg dar. Der Anteil von „Daumen hoch“-Klicks sei kein „relevanter Media KPI“. „Das Ziel war Reichweite und Sichtbarkeit für dieses wichtige gesellschaftliche Thema.“ Die Performance sei durch eine Vorher-Nachher-Evaluation von Reichweite und Akzeptanz der Kampagne in Zusammenarbeit mit einem „Institut für Markt- und Meinungsforschung“ gemessen worden. Der Sprecher machte keine Angaben, um welches Institut es sich dabei handelte und wie hoch die Kosten der Evaluation waren.

So peinlich sind die Flop-Videos

Die Amiri-Videos wurden auch auf den YouTube-Kanal MySpass hochgeladen, der über 2,5 Millionen Abonnenten hat. MySpass wird von der „Banijay Media Germany GmbH“ betrieben und versucht, seine Zuschauer mit Comedians wie Hape Kerkeling und Bülent Ceylan zum Lachen zu bringen.

Dies gelang mit der Kampagne für Rettungskräfte scheinbar nicht: Die Amiri-Videos auf dem MySpass-Kanal haben zwar ein höheres Engagement als die identischen Videos, die auf den Kanal des Innenministeriums hochgeladen und den Zuschauern per YouTube-Werbung aufgezwungen wurden. Dieses Engagement ist jedoch auffallend negativ: Das Video über den Feuerwehreinsatz hatte bei Veröffentlichung dieser Recherche 15.444 Aufrufe und 214 „Daumen hoch“-Klicks erhalten. In anderen Worten: Nur 1,4 Prozent der Zuschauer gefällt das Video. Hier einige besonders vernichtende Kommentare: „Bitte hör auf“, „Das ist die peinlichste Werbung überhaupt […]“, „Schwer daneben“, „Für mich geht das Video an unsere Fachkräfte.. Kleiner Weckruf an den 31.12.2022“ und „Peinlich peinlich …“.

Trotz Millionen Abonennten erhält dieses Amiri-Video auf dem MySpass-Kanal geringe Aufrufzahlen und hämische Kommentare. Screenshot: YouTube / MySpass.

Ein Nutzer kommentierte das Video über einen Rettungswagen-Einsatz: „Wat en dat fürn Rotz? Weder Lustig noch Lehrreich. Eine unlustige unrealistische Situation. Als was soll mir das verkauft werden?“ Ein anderer Nutzer kritisierte, dass Sanitäter in dem Video falsch dargestellt worden seien: „Besonders durch solch offizielle Kanäle ist es für uns immer wieder ein Schlag in die Magengrube, sowas zu hören und so simple Recherchearbeit so schlecht abzuleisten.“

Im Textfeld unter den drei Videos des MySpass-Kanals befindet sich jeweils ein Link auf die Kampagnenseite „mehr-respekt.de“ des Innenministeriums. Ein Regierungssprecher teilte FREILICH mit, dass die Netzseite bislang 40.000 Euro an Steuergeldern gekostet habe.

Der Regierungssprecher machte deutlich, dass MySpass vom Innenministerium keine Gegenleistung für das Hochladen der Amiri-Videos erhalten habe. Trotz fehlender Gegenleistung wird die Kampagne des Innenministeriums von MySpass im Textfeld aggressiv beworben: „Einsatzkräfte erfahren immer wieder immer weniger Wertschätzung oder werden in ihrer Arbeit behindert. In der Video-Reihe des Bundesministeriums des Inneren und für Heimat zeigt Comedienne Negah Amiri, wie wir mit kleinen Dingen ihre tägliche Arbeit erleichtern können.“

Am Ende des Textfeldes befindet sich ein Link, der vom Video des MySpass-Kanals auf die Netzseite des Innenministeriums „mehr-respekt.de“ führt. Nach Klicken des Links erscheinen in der URL-Leiste des Browsers sogenannte UTM-Parameter. Diese Parameter werden im Online-Marketing verwendet, um die Performance von Werbekampagnen zu messen. Der von MySpass festgelegte UTM-Parameter „etcc_cmp=msc_bmi-23-003“ zeigt, dass es sich hier offenbar um eine Kampagne für das Bundesministerium des Innern handelt.

Sollte die Aussage des Regierungssprechers gegenüber FREILICH zutreffen, wäre diese Online-Kampagne von MySpass bemerkenswert. Denn das gewinnorientierte Unternehmen „Banijay Media Germany GmbH“ hätte in diesem Fall auf jedwede Gegenleistung für das Anlegen einer Online-Kampagne verzichtet.   

Links: Der MySpass-Kanal verlinkt die Netzseite des Innenministeriums „mehr-respekt.de“. Screenshot: YouTube / MySpass. Rechts: Nach dem Link-Klick erscheint in der URL-Zeile des Browsers der UTM-Parameter „etcc_cpm“ (Werbekampagne). Screenshot: mehr-respekt.de.

Die Nichtoffenlegung von Gegenleistungen für die Veröffentlichung von YouTube-Videos kann einen Verstoß gegen die Werberichtlinien von YouTube darstellen. YouTube verlangt von seinen Nutzern, bezahlte Inhalte beim Hochladen entsprechend zu kennzeichnen. Am linken oberen Bildrand erscheint dann automatisch ein Kästchen mit dem Hinweis „Enthält bezahlte Werbung“. Das Video „My Dream Desk Setup 2020“ des YouTubers Michael Soledad zeigt, wie man Werbeinhalte richtig kennzeichnet.

Die Amiri-Videos „Gafferin beim Feuerwehreinsatz“ (archiviert), „Rettungsdienst im Weg?“ (archiviert) und „Wofür steht THW?“ (archiviert) auf dem MySpass-Kanal sind nicht mit dem Kästchen „Enthält bezahlte Werbung“ gekennzeichnet. Bei drei Verstößen gegen die Werberichtlinien innerhalb von 90 Tagen sieht YouTube die Schließung des betroffenen Kanals vor. Dieses Schicksal würde den MySpass-Kanal aber nur dann ereilen, wenn sich herausstellen sollte, dass das Innenministerium für das Hochladen der drei Amiri-Videos eine finanzielle Gegenleistung erbracht hat.

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