Der verliebte Kai und die Judenhasser: Applaus an der falschen Stelle

Bei der diesjährigen Berlinale kam es zu einem Eklat, als Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner und Kulturstaatsministerin Claudia Roth im Gala-Publikum saßen, während auf der Bühne antisemitische Äußerungen fielen. In seinem Kommentar für FREILICH kritisiert Julian Marius Plutz die Scheinheiligkeit der Politiker.

Kommentar von
29.2.2024
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3 Minuten Lesezeit
Der verliebte Kai und die Judenhasser: Applaus an der falschen Stelle
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU)© IMAGO / Future Image

Kai Wegner ist verliebt. Nachdem die Klatschspalten bereits Ende vergangenen Jahres vermelden mussten, dass sich der Regierende Bürgermeister von Berlin von seiner Ehefrau Kathleen Kantar getrennt hatte, darf die Bundeshauptstadt nun aufatmen. Der verliebte Kai, wie ihn Alexander Kissler gerne nennt, hat eine neue Herzdame gefunden: Katharina Günther-Wünsch heißt die Glückliche. Frau Günther-Wünsch, ein Name, den man sich merken muss, ist elf Jahre jünger als Herr Wegner und von Beruf Bildungssenatorin. Wir gratulieren.

Verliebte haben die Eigenschaft, oft abgelenkt zu sein bei den Dingen des täglichen Lebens, weil sie ja ständig an den Anderen denken müssen. So versalzt, zumindest laut dem Volksmund, der Koch die Suppe, so wie sein Herz im Takt mit einer Frau schlägt. So war unser aller Bundeskanzler so sehr in seine Britta Ernst verliebt, dass er die schlicht weiten Teile der Cum-Ex-Geschichte vergessen hat. Auch Armin Laschet war über beide Ohren in seine Gattin Susanne verschossen, als er bei Steinmeiers Ansprache im Ahrtal nicht mehr aus dem Lachen herauskam.

„Applaus, Applaus, für deine Worte!“

Es scheint, dass man Kai Wegners Verhalten bei der Berlinale nur so und nicht anders erklären kann. Dort gewann der Film „No Other Land“ den Dokumentarfilmpreis, der sich um die Vertreibung von Palästinensern im Westjordanland dreht. Während der Laudatio trug Jurymitglied Véréna Paravel einen Zettel mit der Aufschrift „Cease Fire Now“ („Waffenstillstand jetzt“) auf dem Rücken, und der palästinensische Regisseur des Films, Basel Adra, bezog sich in seiner Dankesrede auf den aktuellen bewaffneten Konflikt im Gazastreifen.

Adra sagte: „Es ist für mich sehr schwer zu feiern, wenn Zehntausende meines Volkes in Gaza gerade durch Israel abgeschlachtet werden.“ Er appellierte zudem an Deutschland, keine weiteren Waffen an Israel zu liefern. Sein Co-Regisseur, der israelische Journalist Yuval Abraham, sprach von „Apartheid“ im Westjordanland. Trotz dieser politischen Äußerungen erhielten die Preisträger, darunter auch Claudia Roth und möglicherweise auch Kai Wegner, Applaus.

Das Wort „Chuzpe“ durchgespielt

„Menschen machen Fehler, Menschen irren sich“, wusste sich schon Michel Friedman zu entschuldigen, als er mit Kokain und Prostituierten aufflog. So hätte es der verliebte Kai auch halten können. Beim klatschenden Hauptstadt-Regenten klingt das so: „Berlin hat eine klare Haltung, wenn es um die Verteidigung der Freiheit geht. Das bedeutet auch, dass Berlin fest auf der Seite Israels steht. Darüber gibt es keinen Zweifel“, schrieb Wegner dem rbb auf Anfrage. „Die volle Verantwortung für das tiefe Leid in Israel und dem Gazastreifen liegt bei der Hamas. Sie hat es in der Hand, dieses Leid zu beenden, indem sie alle Geiseln freilässt und die Waffen niederlegt. Hier gibt es keinen Raum für Relativierungen. Ich erwarte hier Maßnahmen der neuen Berlinale-Festivalleitung“.

Geht es auch eine Nummer dreister? Eben klatschte sich Wegner noch einen Ast ab und keine 24 Stunden später hat er „keinen Zweifel“, dass Berlin „fest an der Seite“ Israels steht. Und von welchen Maßnahmen spricht er? Dass er zurücktritt, oder sich wenigstens entschuldigt? Wir leben in einem Land, in dem die Politik ein derartiges Maß an Chuzpe an den Tag legt, dass man nur so staunen kann. Kai Wegner klatscht den Judenhassern. Das geht. Dit is Balin, wa?

Wegner, Roth und Konsorten reihen sich in eine Riege der seelenlosen Apparatschiks ein. Sie spüren nichts mehr, haben kein Herz und keinen Verstand. Sie haben keinen Benimm, keine Selbst- und kaum noch Fremdwahrnehmung. Das einzige, was sie wahrnehmen, ist der nächste Pressetermin, bei dem sie sich von ihrer besten PR-Seite zeigen. Einerseits hat dieses Land viel mehr verdient, weil Deutschland mehr Potenzial hat, als sich Menschen wie Wegner erträumen können. Andererseits hat das Volk genau diese Politiker verdient, denn es waren die Wähler, die den verliebten Kai und seine Herzdame, Frau Günther-Wunsch, an die Macht verholfen haben.


Zur Person:

Julian Marius Plutz, 1987 geboren, ist freier Journalist und schreibt unter anderem für die Achse des Guten, TheGermanZ und die Jüdische Rundschau.

Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten geben ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der Freilich-Redaktion.
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