Freilich #35: Und tschüss!

Großbeeren 1813: Als Berlin vor Napoleon gerettet wurde

Am 23. August feierte die Stadt Großbeeren das alljährliche Siegesfest und gedachte der Schlacht aus dem Jahre 1813, die die Franzosen an der Einnahme Berlins hinderte.

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Großbeeren 1813: Als Berlin vor Napoleon gerettet wurde

Die Berliner Bürger auf dem Schlachtfeld von Großbeeren am 23. August 1813

© IMAGO / Heritage Images

Fernab der üblichen Phrasen, die sich die Deutschen zu Beginn des Mais anhören müssen, gibt es mehrere Anknüpfungspunkte der deutschen Geschichte, die eine wirkliche Befreiung bedeuteten – und das zudem aus eigener Kraft. So feierte man in Großbeeren, sechs Kilometer südlich von Berlin, vom 22.08. bis zum 24.08. das „Historische Siegesfest Großbeeren“ anlässlich der erfolgreichen Verteidigung gegen die Truppen Napoleons. Das Fest trug das Motto „1813 wurde Berlin gerettet, erfahren Sie wie“. Höhepunkt war hierbei das Reenactment der Schlacht, bei dem Darsteller in preußischen und russischen Uniformen gegen die Franzosen und die mit ihnen verbündeten Sachsen kämpften. 

Der Feldzug 1813  

Nach dem verlustreichen Russlandfeldzug wechselte das Königreich Preußen im Jahre 1813 auf die Seite Russlands. In vielen Teilen Deutschlands brach zur selben Zeit eine Welle der nationalen Begeisterung los. Napoleon hatte Norddeutschland bis zur Ostsee seinem Kaiserreich einverleibt. Das restliche Deutschland war durch den Rheinbund ebenfalls in sein Machtsystem eingegliedert. Dadurch wurde Mitteldeutschland 1813 zum zentralen Kriegsschauplatz. Bereits im Frühjahr kam es zu Kämpfen zwischen Elbe und Oder, ehe Anfang Juni ein sechswöchiger Waffenstillstand verhandelt wurde.

Ende Juli traten auch die Österreicher und Schweden dem antifranzösischen Bündnis bei. Mit Ablauf der Kampfpause wurde der französische Marschall Oudinot mit der Eroberung Berlins beauftragt, in der Hoffnung, den Kriegswillen der Preußen zu brechen und die demütigende Besetzung Berlins von 1806 zu wiederholen. So bewegte sich ein Heer von 75.000 Mann von Süden auf Berlin zu, während Napoleon bei Dresden erfolgreich gegen Russen und Österreicher operierte. Dem französisch-sächsischen Heer unter der Führung Oudinots standen 100.000 Preußen, Russen und Schweden gegenüber. Die Koalition stellte sich bei dem Dorf Großbeeren zum Kampf, von hier aus war die damalige Stadtgrenze noch 16 km entfernt. 

Die Schlacht von Großbeeren 

Am Nachmittag gegen 16 Uhr erreichten die Franzosen bei strömendem Regen Großbeeren und fanden das Dorf von schwachen preußischen Truppen besetzt. Unter dem Feuer der französischen Kanonen räumten die Preußen das Dorf. Jedoch entschied sich General Bülow gegen einen Rückzug nach oder sogar hinter Berlin, da er nur von einer kleinen französischen Streitmacht ausging. Überliefert sind Bülows Worte: „Unsere Knochen sollen vor Berlin bleichen, nicht rückwärts”. Dabei setzte er sich über den Willen des schwedischen Kronprinzen hinweg, der den Oberbefehl innehatte.

Das Gemälde des Historienmalers Carl Röchling aus dem Jahre 1907 zeigt den Angriff der Preußen mit Bajonetten und Gewehrkolben. © Carl Röchling, Public domain, via Wikimedia Commons
Das Gemälde des Historienmalers Carl Röchling aus dem Jahre 1907 zeigt den Angriff der Preußen mit Bajonetten und Gewehrkolben. © Carl Röchling, Public domain, via Wikimedia Commons

Immer wieder zeigte sich die schwedische Führung sehr zögerlich. Bülow entschied sich dennoch für den Angriff, da das überlegene Gewehr der Franzosen durch den Regen und das somit nasse Zündpulver genauso unbrauchbar geworden war wie die Gewehre der Koalition. Die Preußen stürmten Großbeeren mit aufgepflanzten Bajonetten. Allerdings hatten nicht alle preußischen Soldaten eine Ausbildung im Kampf mit dem Bajonett erhalten, sodass ostpreußische Musketiere kurzerhand mit ihren Gewehrkolben auf die Franzosen und Sachsen einschlugen. Die Preußen eroberten das Dorf Großbeeren, ein nächtlicher Gegenangriff französischer Reiter blieb erfolglos. Noch in der Nacht beschlossen die Franzosen den Rückzug nach Wittenberg. Insgesamt verloren die Franzosen ungefähr 3.000 Mann, die Verbündeten nur um die 1.100.  

Von Großbeeren nach Leipzig 

Die Franzosen waren noch lange nicht geschlagen und versuchten mit neuer Führung unter Michel Ney Anfang September einen erneuten Angriff Richtung Berlin. Diesmal wurden sie aber bereits auf sächsischem Gebiet bei Dennewitz zurückgeschlagen. So nah wie Großbeeren kamen die Franzosen der preußischen Hauptstadt nie wieder. Zwar war Napoleon weiterhin ein genialer Feldherr, doch hatten die Verbündeten gelernt, seiner Hauptarmee auszuweichen und stattdessen bevorzugt die Streitkräfte anzugreifen, die nicht seiner direkten Führung unterstanden, wodurch sie dann ihre numerische Überlegenheit voll ausspielen konnten.

So wurde die gesamte französische Armee im Laufe der nächsten zwei Monate weiter geschwächt. Mitte Oktober standen bei Leipzig ungefähr 190.000 Franzosen etwa 365.000 Soldaten der Koalition gegenüber. Diese Übermacht errang schließlich den entscheidenden Sieg über Napoleon, sodass er sich noch im selben Jahr hinter den Rhein zurückziehen musste. 

Geschichte unserer Heimat jenseits von Büchern 

Obwohl die Schlacht von Großbeeren nur einen kleinen Absatz in der Geschichte der Befreiungskriege einnimmt, ist sie dennoch bedeutsam für die Berliner und Brandenburger Lokalgeschichte. Besucher der Schlachtnachstellung können so einen kleinen Eindruck von diesen Ereignissen gewinnen, wenn die Kanonen an der Bülow-Pyramide mit 140 Dezibel in den Ohren der Zuhörer donnern und die märkische Heide im Pulverdampf versinkt.

Der Gedenkturm wurde anlässlich des 100. Jubiläums im Jahre 1913 errichtet. © Jörg Bobsin
Der Gedenkturm wurde anlässlich des 100. Jubiläums im Jahre 1913 errichtet. © Jörg Bobsin

Im Gedenkturm in der Ortsmitte findet man eine kleine Ausstellung mit originalen Funden vom Schlachtfeld, während man auf der Spitze des Turmes die Landschaft überblickt und in der Ferne Berlin – das Ziel des französischen Heeres – ausmachen kann. Zusätzlich bieten die Darsteller im Zeltlager einen Einblick in den Alltag der Soldaten zur damaligen Zeit.  

Sicherlich gibt es größere Darbietungen, wie beispielsweise in Leipzig zur gewaltigen Völkerschlacht. Trotzdem bieten solche Veranstaltungen wie in Großbeeren – und vielen anderen Orten im gesamten deutschsprachigen Raum – eine Verknüpfung lokal verwurzelter Geschichte und einen positiven Heimatbezug in einem nationalen und patriotischen Kontext, am Leben gehalten von vielen ehrenamtlichen Darstellern mit Liebe zum Detail.  

Über den Autor

Jörg Bobsin

Jörg Bobsin, Jahrgang 1999, hat ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen und lebt in Berlin. Neben der Wissenschaft interessiert er sich privat für mitteleuropäische Geschichte.

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