Landtagswahl in Niederösterreich:
Establishment durchgespielt

Und ewig lügen die Grünen

In seinem Kommentar spricht Julian Marius Plutz über das widersprüchliche Handeln der Grünen. Diese würden laut Plutz für politische Vorhaben abstimmen, um dann später dagegen zu demonstrieren.

Kommentar von Julian Marius Plutz
19.1.2023
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3 Minuten Lesezeit
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Und ewig lügen die Grünen
Grüne (Symbolbild)Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen from Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Sie oder er muss sich gefühlt haben wie Martin Luther. Nyke Slawik steht da und kann nicht anders. In Lützerath. Voller Entschlossenheit posiert der biologische Mann vor der Kamera für Twitter. Darunter macht sie lange nichts mehr. Ihre Worte klingen wie die von dem Bürgerrechtler mit dem „King“ am Ende des „Luther“: „Ich habe mich entfremdet. Entfremdet davon, wie manche die Räumung in Lützerath und den Deal mit RWE verteidigen.“ Man wird sich noch lange an diese Sätze erinnern. Irgendwann wird Nyke Slawik im gleichen Atemzug wie Oswalt Kolle, Simone de Beauvoir, Uwe Seeler oder Inge Meysel genannt werden. Da bin ich mir ganz sicher.

Slawik ist seit 2021 für die Grünen Mitglied des Deutschen Bundestags. Sie kämpft seit jeher nicht nur für das menschenverachtende Selbstbestimmungsgesetz, sondern auch für das Klima. Sie wissen schon: Das Klima ist zu retten, weil es sich in einer Katastrophe, wahlweise am Rande eines Kollapses, oder für die besonders Geschmackvollen, in der Nähe des Holocausts befindet. Und weil die Menschheit am Ende ist, von einer letzten Generation gerettet werden muss, sind auch alle Mittel erlaubt. Silvesterraketen auf Polizisten zum Beispiel. Wo sich andere Jugendliche mit einem Cuba Libre begnügen, muss es bei den Klimabewegten schon der Molotov-Cocktail sein. Man gönnt sich ja sonst nix.

Grüne Logik in einer Nussschale

Doch Slawik hat auch etwas, was vielen Grünen bekannt vorkommen könnte: Eine veritable Dissonanz zwischen Wort und Tat. Gemeinsam mit ihrer Fraktion stimmte sie am 1.12.2022 für die Räumung des Dorfes Lützerath. Ganze zehn Wochen später demonstrierte sie dann vor Ort, gemeinsam mit ihrer Bundestagskollegin Emilia Fester, gegen die Räumung des Dorfes. Ähnliche moralische Flexibilitäten kannte man auch beim Thema Hambacher Forst. Das Tragische: Weder Mainstream-Medien noch Grünenwähler scheinen sich daran zu stören.

Im Gegenteil: Auf Twitter wird gerade im grünen Milieu wacker für Nyke Slawik gekämpft. Ein Beispiel ist der Nutzer Robert Boni. „Ich habe echt langsam die schnau*e voll von diesen #Desinformationen, die querbeet von CDU, FDP und SPD! gestreut werden über eine gewisse Abstimmung Anfang Dezember im Bundestag. @nyke_slawik wird hierbei besonders angegriffen. Völlig zu unrecht! Teilt das bitte, es reicht!” Es kann einfach nicht sein, was nicht sein darf. Und was dennoch geschah, was nicht sein durfte, wird eben ignoriert. Grüne Logik in einer Nussschale.

Wie ein Laienstück auf einer Amateurbühne

Dabei haben die Grünen längst das Establishment durchgespielt. Wissen Sie, wer den Polizeieinsatz in Lützerath leitete? Dirk Weinspach, Polizeipräsident von Aachen. Der Volljurist ist nicht nur seit 2014 auf diesem Posten, er ist auch noch Mitglied der Grünen. Laut eigenen Angaben war er selbst einmal in der Klimabewegung aktiv. Und wenn ich Ihnen dann noch sage, dass der Cheflobbyist von RWE, Titus Rebhann, langjähriger Mitarbeiterin der Außenministerin Annalena Baerbock ist, dann dürfen Sie mit Recht überrascht sein.

Die Grünen billigen die Räumung von Lützerath, kämpfen aber gleichzeitig gegen die Räumung des Dorfes. Währenddessen leiten sie nicht nur den Polizeieinsatz im rheinischen Dorf, sie stellen auch den Chef-Propagandisten des Konzerns RWE. Noch nie hatten es selbst die krudesten Verschwörungstheoretiker so leicht. All dies liest sich wie ein übles Laienstück einer engagierten, aber schauspielerisch limitierten Amateurbühne. Leider ist dies die bittere Realität einer Partei, die vielleicht den nächsten Bundeskanzler stellt.

Jeder Deutsche hat die sprichwörtliche Wahl

Der Marsch durch die Institutionen hat nicht nur die Grünen jeglichen Restverstand gekostet, es hat auch ihre Wähler kernverblödet. Sie merken noch nicht mal ihre Lügen. Annalena Baerbock, Swantje Michaelsen, Emma Kohler, Nyke Slawik, Ricarda Lang, Robert Habeck sind zu 100% Establishment. Sie sind so viel Punk wie eine Straßenbahn, die auf einem Feldweg fährt. Ihre Bourgeoisie ist vulgär, schrecklich unintelligent und nicht ästhetisch. Sie haben sich selbst, ihren Anstand, ihre Werte, ihren Anspruch und ihre Würde überwunden. Der Sänger der Sex Pistols, Johnny Rotten, hat völlig recht: „Ich hätte nie gedacht, dass ich den Tag erleben würde, an dem die Rechten die Coolen sind, die dem Establishment den Mittelfinger zeigen, und die Linken die wehleidigen, selbstgerechten Trottel, die alle beschimpfen.“

Nyke Slawik, das intellektuelle Schlachtschiff der Salonsozialisten, ist sich ihrer – oder seiner – Sache bewusst. In einer Welt, in der jeder alles sein kann, sogar, laut Parteichefin, die Grünen eine Wirtschaftspartei, hat auch Nyke ihre Daseinsberechtigung im Bundestag verdient. Doch in Stein sind die Wahlerfolge linker Parteien nicht gemeißelt. Es handelt sich nicht um ein Naturereignis, dass wir vom unteren Mittelmaß gescheiterter Existenzen regiert werden. Jeder Bürger hat die sprichwörtliche Wahl, die er tunlichst annehmen und ernst nehmen sollte, wenn er möchte, dass von dem Laden Deutschland noch etwas übrigbleibt.


Zur Person:

Julian Marius Plutz, 1987 geboren, ist freier Journalist und schreibt unter anderem für die Achse des Guten, TheGermanZ und die Jüdische Rundschau.