Der schlohweiße Husar – Zum Geburtstag von Gebhard Leberecht von Blücher

Die Befreiungskriege gegen Napoleon brachten viele große Persönlichkeiten hervor. Unter ihnen war auch einer, der es vom einfachen Husaren zu einem der höchstdekorierten Kriegshelden seiner Zeit brachte. FREILICH-Redakteur Mike Gutsing lässt den „Marschall Vorwärts“ zu seinem Geburtstag noch einmal Stellung nehmen.

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Der schlohweiße Husar – Zum Geburtstag von Gebhard Leberecht von Blücher
Gebhard Leberecht von Blücher, unbekannt, zwischen 1815 und 1819© Ernst Gebauer, Public domain, via Wikimedia Commons

Das Adelsgeschlecht der Blücher ist fast so alt, wie es Deutsche im Gebiet zwischen Elbe und Oder gibt. Der Sage nach geht das Familienwappen auf einen wendischen Krieger zurück, der im Dienste des christlichen Herrschers von Mecklenburg den Überfall der heidnischen Abodriten auf eine Kapelle abwehrte. Als dieser, mit dem Blut seiner Feinde getränkt, seinem Herrn die Schlüssel der Kirche übergab, soll dieser ihn „den Blutigen“, später Blücher, genannt haben. Solche Legenden können bei alten Geschlechtern wie den Blüchers nur allzu leicht als Schicksal erscheinen, zumal wenn unter ihnen fast riesenhafte Vertreter auftauchen.

Gebhard Leberecht von Blücher wurde im Dezember 1742 als eines von neun Kindern in Rostock geboren. Schon in jungen Jahren zeichnete er sich mehr durch Taten als durch Worte aus, seine Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen waren zeitlebens eher begrenzt. Im Alter von 16 Jahren zieht Gebhard mit einigen seiner Brüder in den Siebenjährigen Krieg für die Schweden und gehört dem Husarenregiment Sparre an. 1760 gerät Blücher in preußische Gefangenschaft und wechselt kurzerhand die Seiten. Damit begann eine über 55-jährige Dienstzeit, die den armen mecklenburgischen Landadligen an die Spitze der Gesellschaft katapultierte.

Trotziger Aufstieg

Blücher hat Glück: Der Führer des preußischen Husarenregiments, das ihn gefangen nimmt, entpuppt sich als Oberst Sebastian Wilhelm von Belling – ein entfernter Verwandter der Familie. Durch ihn wird der junge Gebhard sogar zum Offizier befördert, was ihm nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges allerdings wenig Ehre einbringt. Wenig Aufregendes erwartete den tatendurstigen Offizier in den nächsten Jahren, und doch gelang es ihm, sich im Kleinen zu bewähren, indem er sich stets in der Nähe der einfachen Soldaten aufhielt und seinen Unteroffizieren sogar die Prügelstrafe verbot. Unter Friedrich dem Großen wird der „tüchtige Offizier“, wie ihn der Monarch nannte, Rittmeister und erreichte mit 28 Jahren einen höheren Rang als sein Vater.


Buchempfehlungen der Redaktion:

➡️ Tom Crepon – Leberecht von Blücher: Leben und Kämpfe, Biografie*

➡️ Uwe A. Oster – Preußen: Geschichte eines Königreichs*

➡️ Andreas Platthaus – 1813: Die Völkerschlacht und das Ende der alten Welt*

➡️ Jan Ganschow und Olaf Haselhorst – 1815 - Die Befreiungskriege und das Ende des Napoleonischen Zeitalters*

➡️ Klaus-Jürgen Bremm – Die Schlacht: Waterloo 1815*


Gebhard Leberecht von Blücher war neben seiner großen Dienstbereitschaft stets von Eigensinn und übertriebenem Gerechtigkeitssinn geprägt. Beides brachte ihn immer wieder in Konflikt mit seinen Vorgesetzten. So musste er auch unter Friedrich dem Großen für neun Monate in den Arrest, als er nach einer Benachteiligung bei der Beförderung zum Major um seine Entlassung bat. „Rittmeister Blücher kann sich zum Teufel scheren!“, soll Friedrich der Große aus Frust über den Eigensinn des jungen Offiziers ausgerufen haben. Blücher schied vorerst aus der Armee aus und durfte erst nach Friedrichs Tod wieder zurückkehren.

Im Getümmel der Zeit

Erst unter seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm II. konnte Blücher als Major in die Armee zurückkehren und erhielt sogar sein eigenes Husarenregiment zurück. Mit diesem nahm er an den Koalitionskriegen teil und wurde zum Generalleutnant befördert. Die Niederlage Preußens in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt und der anschließende Frieden von Tilsit waren für Blücher unerträglich, er bat König Friedrich Wilhelm III. inständig, den Kampf gegen Napoleon fortzusetzen. Nach der Schlacht führte er seine Truppen in einem einzigartigen Gewaltmarsch bis nach Lübeck und plante sogar die Überfahrt nach England. Der spätere Heeresreformer und Weggefährte Gerhard von Scharnhorst schrieb in dieser Zeit: „Niemand sah ich jemals trauriger als den bravsten Menschen, den ich je kannte, den General Blücher“.

Als er ab 1813 endlich wieder gegen Napoleon kämpfen konnte, war Blücher elektrisiert. In der Schlacht bei Großgöschen am 2. Mai 1813 setzte sich der 71-jährige Blücher nicht nur anekdotisch ein Denkmal. In diesem ersten Teil des deutschen Freiheitskampfes, der Frühjahrsoffensive 1813, erfüllte Blücher seine Aufgabe als Oberbefehlshaber der Schlesischen Armee voll und ganz und gewann das Vertrauen der verbündeten Monarchen. Wegen seiner berüchtigten Sturmangriffe war er nach dieser Schlacht selbst bei den verwegenen Kosaken als Marschall „Pascholl“, als Marschall „Vorwärts“ bekannt. Die Schlacht bei Großgörschen wurde zur Geburtsstunde des Heldenmythos Blücher.

„Väterchen Blücher“

Über das Schlachtenglück und den Wagemut des Leberecht von Blücher ließen sich noch viele Zeilen schreiben. Denn ob in der Völkerschlacht bei Leipzig oder in der Entscheidungsschlacht bei Waterloo, der inzwischen hochbetagte Offizier steht mit List und Wagemut in vorderster Linie und treibt durch sein Ansehen und Auftreten auch die Männer um sich herum zu Höchstleistungen an. Blücher über das Geheimnis seines Erfolges: „Meine Verwegenheit, Gneisenaus Besonnenheit und des großen Gottes Barmherzigkeit“.

Blüchers Leben hat die Qualität eines homerischen Helden. Zugleich gibt es neben dem kühnen Husarengeneral auch den einfachen Bauern, dem oft mehr der Instinkt als wirkliche Klugheit den Weg durchs Leben wies. Beide Darstellungen haben ihren Reiz, und so ist es nur folgerichtig, dass die volkstümliche Bezeichnung „Marschall Vorwärts“ beide in sich vereint. Kaum ein anderer verkörpert das Prinzip der inneren Jugend so sehr wie Gebhard Leberecht von Blücher und ist damit auch für Nichtmilitärs unsterblich geworden.


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