„Itamar K.“: Rechte israelische Literatur von Iddo Netanyahu

Iddo Netanyahu, Bruder des israelischen Ministerpräsidenten, nimmt in seiner Satire Itamar K. den linksliberalen israelischen Kulturbetrieb aufs Korn. Das Buch ist im September erstmals auf Deutsch erschienen. Eine Rezension.

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„Itamar K.“: Rechte israelische Literatur von Iddo Netanyahu
Iddo Netanyahu© Screenshot Alchetron

Ich sitze in der Lobby eines Frankfurter Hotels und nippe an meinem Kaffee, der noch heiß ist. „Heiß“ ist seit dem barbarischen Terroranschlag der Hamas und den heftigen Vergeltungsschlägen der israelischen Luftwaffe auch das Buch, das ich rezensieren will. Am Tag zuvor hatte Artur Abramovych, Kenner nicht nur der israelischen, sondern auch der deutschen Literatur und Vorsitzender des Vereins „Juden in der AfD“, auf der hiesigen Buchmesse aus Iddo Netanyahus bereits 1998 erschienenem Roman Itamar K. gelesen, den er selbst ins Deutsche übersetzt hat. Die deutsche Übersetzung ist in diesem Jahr im Gerhard Hess Verlag erschienen und wurde inzwischen von mehreren Zeitungen besprochen. Der Versuchung, diese Rezensionen zu lesen, habe ich – nicht zuletzt aus Zeitgründen – glücklicherweise widerstanden.

Iddo Netanyahu ist der Bruder des amtierenden israelischen Ministerpräsidenten „Bibi“ Netanyahu. Wie dieser und sein Bruder Yonatan, der 1976 bei einer Geiselbefreiung in Uganda ums Leben kam, diente Iddo in der Spezialeinheit Sayeret Matkal. Da bisher fast ausschließlich linke israelische Literatur ins Deutsche übersetzt wurde, ist Iddo Netanyahu hierzulande noch ein Unbekannter.

Drehbuchautor soll zensiert werden

In seinem Roman Itamar K. geht es um einen jungen Drehbuchautor, der nach seinem Studium an der renommierten New Yorker Juilliard School nach Israel zurückkehrt, um einen Film über den von ihm bewunderten, inzwischen verstorbenen jüdischen Sänger Shaul Melamed zu drehen. Das Problem: Melamed vertrat politische Ansichten, die bei den linksliberalen „Kulturschaffenden“ des Landes heftige Abwehrreaktionen hervorriefen. Zunächst verlangt man von Itamar Koller, so der Name des Protagonisten, bestimmte Passagen zu streichen, in denen sich Melamed patriotisch äußert.

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Später bekommt er zwei eingefleischte „Profis“ an die Seite gestellt, die sich zwar nicht für eine Zensur dieser Passagen aussprechen, dafür aber Melamed allerlei Psychosen andichten, die zum Leitmotiv des Films werden. Weil Melamed einmal ein Konzert für Siedler im Westjordanland gegeben hat und sein Gesang damals von einem Flügel begleitet wurde, soll der Künstler ad nauseam dabei gezeigt werden, wie er den Flügel mit einem Traktor durch die Wüste transportiert. Alle paar Meter, so die Idee eines der Regisseure, soll Melamed nachsehen, ob das Instrument etwas abbekommen hat, und den Flügel mit seinem Taschentuch polieren: „Er wird völlig kirre, schreit den Fahrer an, sobald der auch nur dem kleinsten Huckel nicht ausgewichen ist.“ Dieser Flügel sei ein „Symbol für die westliche Kultur“, das „riesige, schwere, grobe Instrument ein Symbol der kulturellen Expansionsbestrebungen“, das der „Umgebung genauso fremd“ sei „wie die Häuser der jüdischen Siedler“.

Seine Frau Sylvia, als Französin „immerhin eine Ausländerin“, soll die „Stimme der Vernunft“ sein. Kontrafaktisch, wie die Szene mit dem Traktor und dem Flügel, soll Sylvia, die übrigens noch lebt, Melamed danach verlassen und sich einen arabischen Liebhaber für die Nacht suchen. Als einer der beiden vom Produzenten hinzugezogenen Regisseure diese Idee äußert, widerspricht ihm der andere zunächst, weil Sylvia keine Jüdin sei und eine solche Sexszene mit einem Araber daher keinen Sinn ergebe. Auf diesen Einwand antwortet der andere Regisseur wie folgt: „Richtig, aber sie ist Europäerin. [...] Sie ist eine von uns, und das Publikum wird sich mit ihr solidarisieren. Die Zuschauer sehen, dass sie den arabischen Liebhaber ihrem israelischen Mann vorzieht.“

Rechte können mit Protagonisten mitfühlen

Der Leser dieses satirischen Romans indes solidarisiert sich mit dem an und für sich vollkommen unpolitischen und naiven Itamar, gegen den eine wahre Schmutzkampagne in Gang kommt, nachdem es zwischen ihm und den beiden „Profis“ zum Eklat gekommen ist, weil er sich unter solchen Umständen weigert, an dem ursprünglich von ihm angestoßenen Projekt mitzuwirken. Schließlich war Melamed nicht nur ein großer Sänger, sondern auch der väterliche Freund des jungen Drehbuchautors. Obwohl seine Freunde ihm davon abraten, gibt Itamar einer Journalistin ein Interview, um den Hetzartikeln gegen ihn und Melamed entgegenzutreten. Sie lädt ihn zu sich nach Hause ein, serviert ihm ein Sandwich und eine Tasse Kaffee. Itamar fühlt sich von der Frau verstanden und antwortet ausführlich auf ihre Fragen. Wenig später muss er in einem mit den Worten „Itamar Koller. Gesang, Geigen und Größenwahn“ überschriebenen Artikel über sich lesen: „Er kaut langsam ein Sandwich und setzt dabei einen leiderfüllten Gesichtsausdruck auf … Aber dieses harmlose Äußere verdeckt eine von Größenwahn beherrschte Persönlichkeit.“ Davon dass Itamar fünf Jahre lang an der Juilliard School Filmwissenschaften studiert hat, verliert die Autorin des Schmähartikels kein Wort.

Wie der kulturmarxistisch-oikophobe akademisch-mediale Komplex mit einem Potpourri aus Lügen und Halbwahrheiten die Vernichtung des politischen Gegners betreibt, lässt sich hier hervorragend nachvollziehen. Wer als deutscher Rechter einmal so naiv war, der Presse auf Anfrage zu einem Thema Rede und Antwort zu stehen, wird in neun von zehn Fällen umso authentischer mit dem Protagonisten mitfühlen können.

Aber es ist nicht nur diese Tatsache, die einem Netanjahus Buch sympathisch machen muss, unabhängig davon, wie man selbst zum Nahostkonflikt steht. Gekonnt nimmt der Autor den Dekonstruktivismus und die Einfallslosigkeit der linksliberalen Kulturschickeria des Landes aufs Korn, entlarvt die sich für mutig haltenden Pseudorebellen als Konformisten. Kurz nachdem beispielsweise ein Vertreter dieser Klientel kategorisch erklärt hat, dass jemand, der Ansichten wie die von Melamed äußert, unter keinen Umständen als wahrer Künstler gelten könne, postuliert er nicht weniger apodiktisch: „Wir lehnen das Denken in Schubladen ab, wir kämpfen gegen den Konformismus“. Ich schließe mich daher dem Autor des Klappentextes an: „Diese urkomische Satire ist ein Muss für alle, die schon immer mal über die linke Kulturindustrie lachen wollten. Und für alle, die sich nicht nur aus deutschen Medien über Israel unterrichten lassen möchten.“


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