„Das Landleben macht reaktionär“: Philosoph kritisiert Dorfstrukturen

Der deutsche Essayist und Philosoph Björn Vedder zog von der Stadt aufs Land und erlebte dabei so manche Überraschung, der er nun ein eigenes Buch widmet.

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„Das Landleben macht reaktionär“: Philosoph kritisiert Dorfstrukturen
In seinem neuesten Werk analysiert Vedder das Leben auf dem Land.© IMAGO / Volker Preußer

Geistige Provinzialität – verändert das Leben auf dem Dorf das Denken? Das ist nur ein Teil der Wahrheit, meint Björn Vedder, der in jüngster Zeit mit Titeln wie Solidarische Körper oder Väter der Zukunft immer wieder versucht hat, als allgemeingültig verstandene Lebensbilder zu überwinden. In seinem neuen Buch Das Befinden auf dem Lande. Verortung einer Lebensart analysiert er das Leben in der Dorfgemeinschaft anhand eigener Erfahrungen. Überrascht hat den gebürtigen Berliner das hohe Maß an Gemeinsinn, das durch eine Vielzahl von Strukturen aufrechterhalten wird, die sozialen Druck auf ihre Mitglieder ausüben. In einem Interview mit SWR Kultur berichtete er von seinen Erfahrungen in Oberbayern, in dessen Idylle er seinen Kindern zuliebe aus Berlin gezogen war.

Misstrauen gilt als „problematisch“

Als Beispiel für den hohen Anpassungsdruck sieht er ein zunehmendes Misstrauen gegenüber Fremden, das er auf einen (unter-)bewussten Wunsch nach Rückbesinnung auf gemeinsame Werte zurückführt. Diesen Wunsch bewertet Vedder als „problematisch“ und urteilt: „Sobald ich mich auf Werte beziehe, muss ich diese auch irgendwie verteidigen und Werte kann man eben nur verteidigen, in dem man andere moralisch disqualifiziert, die diese Werte nicht haben“. Diese Totalisierung der Werte beobachtet Vedder aber nicht nur auf dem Land, auch in den Städten stellt er eine „Provinzialisierung der Stadtteile“ fest.

Der studierte Literaturwissenschaftler und Philosoph sieht das Problem gesamtgesellschaftlich. Für ihn ist der Wunsch nach Gemeinsinn, nach sozialer Homogenisierung, wie er es nennt, ein Trend seit den 1990er-Jahren, der eine Antwort auf die Komplexität der Moderne sein soll. Die romantische Verklärung des Dorflebens werde damit auch zu einem politischen Problem. Trotz der „mentalen Verdörflichung“ der Gesellschaft lebt Vedder nach wie vor in der bayerischen Provinz, inmitten der von ihm selbst kritisierten „dumpfen Wertegemeinschaft“.

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