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„100.000 DM für Poschardt“: Jan Böhmermann veröffentlicht „Fahndungsliste“

Der umstrittene Komiker Jan Böhmermann hat für die nächste Ausgabe seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ vorab auf Twitter eine Fahndungsliste veröffentlicht. Dort sind unter anderem FDP-Politiker Kemmerich oder WeltN24-Chefredakteur Ulf Poschardt zu finden.
Redaktion
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25.11.2022
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3 Minuten Lesezeit
„100.000 DM für Poschardt“: Jan Böhmermann veröffentlicht „Fahndungsliste“
Twitter Jan Böhmermann

„Linksradikale Gewalttäter – Lindner/Lehfeldt-Bande“ titelt die Plakatmontage, welche ZDF-Moderator Jan Böhmermann am Freitagmittag auf Twitter veröffentlichte. „Für Hinweise, die zur Ergreifung der Gesuchten führen, ist eine Belohnung von 100.000 DM ausgesetzt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen“, steht als Fotobeschreibung neben dem Bild. Das angesprochene Plakat ähnelt dabei historischen Fahndungsplakaten aus der Zeit des sogenannten „Deutschen Herbstes“. Damit ist die Epoche des linksextremistischen Terrors in Deutschland Ende der 70er-Jahre gemeint. Damals ermordete die sogenannte „Rote Armee Fraktion“ (RAF) mehrere gesellschaftliche Führungspersonen. Die Behörden fahndeten damals öffentlichen nach den bekannten Führungspersonen wie Andreas Baader oder Ulrike Meinhof.

Auf der Fotomontage Böhmermanns sind analog mehrere Personen aus Medien und Parteien zu sehen. So sind zum Beispiel die Konterfeis von Finanzminister Christian Lindner und Wolfgang Kubicki (beide FDP) und der Springer-Journalisten Anna Schneider und Ulf Poschardt zu sehen. Andere Personen sind der Kabarettist Dieter Nuhr oder die Schauspielerin Nena Schink. Böhmermann kommentierte das satirische Fahndungsplakat nicht weiter. Allerdings ist die Absicht klar: Böhmermann möchte die gezeigten Personen symbolisch in die Nähe der Terrorgruppe RAF rücken. Schon seit einigen Monaten stellen die dargestellten Akteure einen Dorn im Auge Böhmermanns und der angeschlossenen Schickeria dar. Vor allem die Journalisten Schneider und Poschardt haben sich zu Hassfiguren des linksliberalen Juste Milieu entwickelte, da beide oftmals auf Twitter mit ihren liberalen Positionen polarisierten.

„Tiefpunkt“

Viele Kommentatoren sehen die Aktion Böhmermanns kritisch. So schreibt die Journalistin Judith Henke: „Ganz ehrlich: Eigentlich schaue ich eure Sendung gerne – freue mich sogar jede Woche darauf! Aber sowas ist echt unter euerm Niveau. Das könnte auch von Gruppen wie „Pegida“ stammen. Ihr müsstet doch wissen, mit wie viel Drohungen Journalisten sowieso schon konfrontiert sind.“ Der Nutzer Tobias Knoch verwies in einem ironischen Unterton auf einen Tweet der linken Politikerin Marina Weisband, die das Phänomen „stochastischen Terrorismus“ definierte. Demnach würde eine ständige Feindmarkierungen unabhängige Personen zu Gewalttaten aufrufen – Knoch impliziert damit, dass Böhmermann indirekt zu Gewalt gegen die gezeigten Personen aufruft.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Nils Gründer zeigte sich schockiert: „Wahnsinn. Liberale zu Terroristen erklären und das Ganze finanziert von Zwangsgebühren. Schämen Sie sich.“ Genauso die NZZ-Redakteurin Beatrice Achterberg, sie kommentierte lakonisch: „Tiefpunkt“. In einem weiteren Tweet machte sie auf die Zwangsgelder aufmerksam: „In keinem freien Medienunternehmen wäre es möglich andere Journalisten als RAF-Täter zu illustrieren. Jede redaktionelle Instanz würde es unterbinden. Beim gebührenfinanzierten @ZDF und @janboehm geht das.“

https://twitter.com/nilsgruender/status/1596114063888912386