Stendal/Magdeburg. – Der Fall eines Techniklehrers an der Comenius-Sekundarschule in Stendal beschäftigt nicht nur die Gerichte, sondern war nun auch Gegenstand einer ZDF-Recherche. Nachdem sich Eltern nämlich über politische Äußerungen des Lehrers im Unterricht beschwert hatten, erhielt dieser eine Abmahnung. Daraufhin suchte das öffentlich-rechtliche Fernsehen die beteiligten Familien zu Hause auf.
Abmahnung nach Diskussion über die AfD
Auslöser des Falls war eine Unterrichtssituation vom 4. März 2025, in der ein Schüler den Techniklehrer Max Heckel fragte, ob er die AfD gewählt habe. Wie Heckel dem ZDF gegenüber schilderte, hat er dies verneint, woraufhin der Schüler wissen wollte, warum, so Heckel im Gespräch mit dem ZDF. Daraufhin erläuterte der Lehrer den Schülern seine persönliche Ablehnung der AfD. Er begründete dies unter anderem damit, dass die Partei behinderte Kinder vom gemeinsamen Unterricht ausschließen wolle und das Konzept der Remigration nicht mit den Grundsätzen eines demokratischen Zusammenlebens vereinbar sei. In diesem Zusammenhang zeigte Heckel den Schülern die umstrittene Correctiv-Recherche zum „Geheimplan“ als Beispiel. Wie aus der Abmahnung, die das ZDF in seiner Recherche zeigt, hervorgeht, habe Heckel zudem gesagt, dass man nach seiner Meinung „entweder a) sehr reich, b) frei von Moral oder c) nicht bei klarem Verstand sein muss“, um die AfD zu wählen.
Mehrere Eltern sahen darin einen Verstoß gegen die politische Neutralität an Schulen und wandten sich deshalb an die Schule. Das zuständige Schulamt sprach schließlich eine Abmahnung gegen Heckel aus. Darin wird ihm vorgeworfen, gegenüber den Schülern einseitig gegen die AfD argumentiert zu haben. Zwar habe er erklärt, dass jeder die Partei wählen könne, wenn er zu einer anderen Einschätzung gelange. Insgesamt habe er jedoch gegen seine Neutralitätspflicht verstoßen. Gegen die Abmahnung hat Heckel Klage eingereicht.
ZDF sucht Eltern zu Hause auf
Der Vorgang blieb nicht auf die Schule beschränkt. Auch der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt griff den Fall auf. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sprach im Landtag von einem „extrem linken Lehrer“ aus Stendal und erklärte, mehrere Eltern hätten sich an die Partei gewandt. „Wir haben eine Dienstaufsichtsbeschwerde auf den Weg gebracht im März. Ende April hatte ich noch keinerlei Reaktion“, sagte Siegmund im Landtag.
Im Zuge seiner Recherchen suchte ein ZDF-Reporter deshalb auch zwei Elternteile, die sich über den Lehrer beschwert hatten, zu Hause auf. Eine Mutter wollte sich gegenüber dem Sender nicht dazu äußern, ob sie die AfD eingeschaltet hatte. Mit einer weiteren Mutter und ihrem Sohn führte das ZDF hingegen ein Gespräch. Der Hausbesuch des öffentlich-rechtlichen Senders löste in den sozialen Medien teils scharfe Kritik aus. Nutzer stellten unter anderem die Frage, wie das ZDF an die Daten der Eltern gelangt sei. Andere sprachen von einer „Gesinnungsprüfung quasi an der Haustür“, warfen dem Sender vor, „Gesinnungsdruck“ zu erzeugen, und zogen Vergleiche mit Stasi-Methoden.
Auch Ulrich Siegmund äußerte sich auf der Kurznachrichtenplattform X zu der kürzlich veröffentlichten ZDF-Recherche und kritisierte dabei vor allem die Darstellung des ZDF-Journalisten, sie seien „ungeplant“ in den Korso der Simon-Tour in Sachsen-Anhalt geraten. „Die Panik, dass die Zwangsgebührenparty bald vorbei sein könnte, entblößt so einiges“, so Siegmund dazu.





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