Berlin/Moskau. – Erst kürzlich haben die russischen Behörden die Landsmannschaft Ostpreußen als „unerwünschte Organisation“ eingestuft. Damit drohen Personen in Russland, die mit dem Vertriebenenverband zusammenarbeiten, empfindliche Strafen. Diese Entscheidung sorgt auch innerhalb der AfD für deutliche Kritik. Gegenüber FREILICH verurteilt der außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Markus Frohnmaier, das Vorgehen Moskaus und fordert eine Rücknahme der Maßnahme.
AfD kritisiert Entscheidung als „politisch fragwürdig“
Frohnmaier erklärte, die Entscheidung der russischen Behörden, die Landsmannschaft Ostpreußen als „unerwünschte Organisation“ einzustufen, sei „ein bedauerlicher und politisch fragwürdiger Schritt“. Kulturelle und historische Verständigung zwischen Deutschen und Russen läge im Interesse beider Völker. Die Kriminalisierung eines deutschen Vertriebenenverbandes erschwere diese Verständigung und sei deshalb zurückzuweisen. „Eine in der Sache überzeugende Begründung ist nicht erkennbar“, so der Abgeordnete.
Der AfD-Politiker sieht in dem Vorgehen einen direkten Angriff auf die Arbeit deutscher Vertriebener und die Bewahrung historischer Traditionen. „Die Landsmannschaft Ostpreußen ist ein traditionsreicher Verband, der nach eigenem Selbstverständnis kulturelle Erinnerung, Traditionspflege und Verständigung organisiert. Von ihr gehen keine aggressiven oder revisionistischen Aktivitäten aus“, erklärt er. „Gerade deshalb ist diese Entscheidung aus Moskau falsch und kontraproduktiv. Sie ist aber auch Ausdruck einer allgemeinen negativen Dynamik in den deutsch-russischen Beziehungen.“
Frohnmaier fordert Rücknahme der Einstufung
Gegenüber FREILICH spricht sich Frohnmaier dafür aus, die Entscheidung auf diplomatischem Weg rückgängig zu machen. „Ich halte es für sinnvoll, gegenüber russischen Stellen auf eine Rücknahme dieser Einstufung hinzuwirken“. Es sei Aufgabe der Bundesregierung, ihre Beziehungen zur Russischen Föderation neu zu ordnen und auf eine belastbare diplomatische Grundlage zu stellen. Dazu gehöre auch der Abbau von Feindseligkeit, das Ende des Sanktionsregimes, die Aufnahme umfassender Handelsbeziehungen und auch die Kooperation im Bereich des kulturellen Austausches, so Frohmaier. Hier seien beide Seiten gefragt. „Die Rücknahme der russischen Einstufung der Landsmannschaft Ostpreußens muss in diesem Prozess ein fester Schritt sein.“
Nach Ansicht des AfD-Abgeordneten wird die Entscheidung auch Auswirkungen auf jene Deutschen haben, die sich der Erinnerung an die historischen deutschen Ostgebiete verpflichtet fühlen. Genau deshalb sei die Entscheidung aus Moskau aus seiner Sicht so bedauerlich. „Verständigung braucht Respekt vor Geschichte, Kultur und gewachsenen gesellschaftlichen Bindungen“, so der AfD-Politiker.
Tomasz Froelich warnt vor weiterer Entfremdung
Zuvor hatte sich bereits der AfD-Europaabgeordnete Tomasz Froelich zu dem Vorgang geäußert. Er sieht in dem Verbot ebenfalls einen weiteren Rückschlag für die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Die Landsmannschaft Ostpreußen sei schließlich seit Jahrzehnten in der Kultur- und Erinnerungsarbeit aktiv und habe zahlreiche Kontakte im östlichen Europa gepflegt. Angesichts des Fehlens einer offiziellen Begründung wirke die Entscheidung „besonders fragwürdig“, erklärte er.
Zugleich wies er Vorwürfe gegen die Organisation zurück: „Von der Landsmannschaft gehen keinerlei chauvinistische oder revisionistische Bestrebungen aus – geschweige denn agitatorische Aktivitäten“. Seit Jahrzehnten bestünden unproblematische und konstruktive Kooperationen mit polnischen Partnern in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Auch das 2008 ins Leben gerufene deutsch-russische Forum „Zukunft braucht Vergangenheit“ zeuge von „fruchtbaren Beziehungen“ zu Vertretern der Oblast Kaliningrad. Eine weitere Entfremdung zwischen Russland und Deutschland, gerade auf kultureller und geschichtspolitischer Ebene, müsse mit großer Sorge betrachtet werden, warnt er. Die Verständigung zwischen Deutschen und Russen liege im Interesse beider Völker: „Geschichtsklitterung von Moskauer Seite ist dieser Verständigung ebenso abträglich wie der von Berlin ausgehende, diplomatieverweigernde Konfrontationskurs.“
Ostpreußen und die Angst Moskaus vor deutscher Erinnerung (10.06.2026)







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