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Politik

Kinder im Visier von Islamisten: Bundesregierung setzt auf „Empowerment“ statt Abwehr

Während Islamisten laut Bundesregierung immer gezielter digitale Räume nutzen, um Minderjährige zu erreichen, setzt Berlin vor allem auf medienpädagogische Prävention statt auf spürbare Eingriffe gegen die Strukturen im Netz.

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Der salafistische Prediger Abul Baraa ist eine der bekanntesten Stimmen in den islamistischen Online-Milieus. Er spricht gezielt auch junge Zielgruppen an.
Der salafistische Prediger Abul Baraa ist eine der bekanntesten Stimmen in den islamistischen Online-Milieus. Er spricht gezielt auch junge Zielgruppen an. (Bild: IMAGO / Hanno Bode)

Berlin. – In einer aktuellen Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion räumt die Bundesregierung ein, dass islamistische Extremisten in Deutschland gezielt Minderjährige ansprechen und dabei insbesondere digitale Kommunikationsräume nutzen. Kinder und Jugendliche würden dabei systematisch als Zielgruppe adressiert, während staatliche Gegenstrategien vor allem auf Prävention, Medienpädagogik und sogenannte „Narrative“ setzen.

Minderjährige im Fokus extremistischer Strategien

In der Antwort heißt es unmissverständlich: „Kinder und Jugendliche sind eine Zielgruppe islamistischer Organisationen“, weshalb die Jugend- und Bildungsarbeit ein Schwerpunkt islamistischer Aktivitäten sei. Besonders anfällig sind demnach schulnahe Räume wie Peer-Gruppen oder digitale Klassengruppen, in denen Extremisten versuchen, gezielt Einfluss zu nehmen.

Die Bundesregierung betont die enorme Bedeutung digitaler Plattformen bei der Anwerbung junger Menschen. Islamistische Akteure nutzen dabei gezielt jugendaffine Formate und Kanäle. Die Regierung nennt wörtlich Soziale Netzwerke mit hoher jugendlicher Reichweite, Gaming-Plattformen mit integrierten Chat- und Community-Funktionen sowie verschlüsselte Messenger-Dienste. Diese digitalen Räume ermöglichten einen Erstkontakt „ohne ideologische Vorprägung“ und dienten dazu, klassische Schutzinstanzen wie Eltern oder Schule zu umgehen.

Staatliche Antwort: Prävention statt harte Abwehr

Obwohl die Bundesregierung die digitale Dimension der Gefahr klar beschreibt, setzt sie bei der Gegenstrategie vor allem auf weiche Instrumente. Zu den Präventionskonzepten zählen unter anderem „narrative Gegenangebote“ wie „Empowerment-, Resilienz- und Zugehörigkeitsnarrative“ sowie Streetwork-Ansätze im digitalen Raum. Als zentrale Mittel, um Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren, werden auch medienpädagogische Programme und digitale Kompetenzförderung genannt.

Laut Bundesregierung gibt es zwar „vereinzelte Hinweise“ auf islamistische Einflussversuche im schulischen Kontext. Doch konkrete bundesweite Schutzmaßnahmen bleiben begrenzt. Die Regierung verweist auf die Kulturhoheit der Länder und betont lediglich Förderprogramme, Fortbildungen und Handreichungen als gemeinsame Ansätze.

Eingeständnis einer lückenhaften Erkenntnislage

Bemerkenswert ist zudem, dass die Bundesregierung selbst einräumt, wie unklar viele Rekrutierungsprozesse nach wie vor sind. Das Forschungsfeld zeichne sich demnach durch „komplexe Zugangsvoraussetzungen“ und eine „herausforderungsvolle Erkenntnisgewinnung“ aus. Anstelle konkreter Verschärfungen verweist die Antwort auf strukturierte Bestandsaufnahmen, interdisziplinäre Forschung sowie europäische Netzwerke wie den „EU Knowledge Hub“.

Auch institutionell setzt die Bundesregierung vor allem auf neue Koordinationsstrukturen. So wurde beispielsweise im Innenministerium ein „Beraterkreis Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung“ eingerichtet. Der Schutz Minderjähriger, insbesondere im digitalen Raum und an Schulen, soll dort ein „wesentlicher Bestandteil“ sein.

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