Delhi/Erfurt. – Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) reist erneut nach Indien, um die Beziehungen zwischen dem Freistaat und dem bevölkerungsreichsten Land der Welt auszubauen. Im Mittelpunkt des Besuchs stehen die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft sowie die Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte für Thüringen, wie die Thüringer Allgemeine Zeitung berichtet. Bei Gesprächen in Neu-Delhi warb Voigt für den Standort Thüringen und betonte die Notwendigkeit zusätzlicher Fachkräfte. Auf die Frage, ob Thüringen auf Zuwanderung vorbereitet sei, erklärte der CDU-Politiker: „Die Leute sind nicht xenophob. Sie haben eine hohe Offenheit.“
Fachkräftemangel in Thüringen
Während Thüringen mit einer alternden Bevölkerung und einem zunehmenden Mangel an qualifizierten Arbeitskräften konfrontiert ist, verfügt Indien über eine vergleichsweise junge Bevölkerung. Dort konkurrieren viele Hochschulabsolventen um Arbeitsplätze, während Deutschland bei vielen Indern als attraktiver Standort für Ausbildung und Beruf gilt. Die Landesregierung sieht darin Chancen für den Thüringer Arbeitsmarkt. Ziel der Reise ist es unter anderem, mehr junge Inder für ein Studium oder eine Beschäftigung im Freistaat zu gewinnen und die bestehenden Kontakte zwischen Hochschulen und Unternehmen auszubauen.
CDU setzt auf Integration durch Sprachkenntnisse
Die Landesregierung ist jedoch der Ansicht, dass die Anwerbung ausländischer Fachkräfte allein nicht ausreicht. Entscheidend sei, dass Absolventen nach ihrem Studium dauerhaft in Thüringen bleiben. Voigt fordert deshalb stärkere Anstrengungen beim Erlernen der deutschen Sprache. „Es war ein Fehler, dass wir jahrelang Englisch durchgezogen haben“, sagte der Ministerpräsident. Gute Deutschkenntnisse seien eine wichtige Voraussetzung für langfristige Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt und für die gesellschaftliche Integration. Auch Thüringens Staatssekretär Steffen Teichert betrachtet Sprachkenntnisse als entscheidenden Faktor, insbesondere für Beschäftigungsmöglichkeiten in mittelständischen Unternehmen.
Die Thüringer Initiative fügt sich in eine breitere europäische Strategie ein. Auch die Europäische Union arbeitet daran, die Rekrutierung von Fachkräften aus Drittstaaten zu erleichtern. Dabei spielt Indien eine zentrale Rolle. So hat Brüssel zuletzt mehrere Programme und Partnerschaften auf den Weg gebracht, um indischen Studenten, Forschern und IT-Fachkräften den Zugang zum europäischen Arbeitsmarkt zu erleichtern.
Kritik an Bildungsstandards und Abschlüssen
Die verstärkte Anwerbung von Personen aus Indien bleibt allerdings nicht unumstritten. In den vergangenen Jahren sind wiederholt Fälle von Korruption bei Akkreditierungen, gefälschten Hochschulabschlüssen sowie manipulierten Prüfungs- und Zulassungsverfahren bekannt geworden. Zudem warnen Behörden regelmäßig vor sogenannten „Fake Universities“. (FREILICH berichtete)
Berichte verweisen zudem auf erhebliche Qualitätsunterschiede im indischen Hochschulsystem sowie auf Qualifikationsdefizite bei Absolventen. Die Debatte wirft die Frage auf, wie verlässlich formale Bildungsabschlüsse bei der Auswahl ausländischer Fachkräfte bewertet werden können.







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