Brüssel. – Die Europäische Kommission nutzt neue Umfrageergebnisse, um ihre Pläne zur verstärkten Anwerbung von Arbeitskräften aus Staaten außerhalb der Europäischen Union voranzutreiben. Eine aktuelle Eurobarometer-Erhebung unter kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) soll belegen, dass viele Betriebe Schwierigkeiten haben, geeignetes Personal zu finden. Brüssel leitet daraus die Notwendigkeit ab, den Zugang von Fachkräften aus Drittstaaten zum europäischen Arbeitsmarkt weiter zu erleichtern. Laut der Umfrage haben 46 Prozent der befragten Unternehmen Probleme bei der Besetzung offener Stellen mit ausreichend qualifizierten Arbeitskräften.
Nur wenige Unternehmen rekrutieren außerhalb der EU
Trotz der von der Kommission beklagten Engpässe spielt die Anwerbung von Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten bislang nur eine untergeordnete Rolle. In den vergangenen zwei Jahren hat lediglich rund jedes siebte Unternehmen versucht, Personal aus Drittstaaten einzustellen. Von den Betrieben, die diesen Weg gewählt haben, berichtete mehr als die Hälfte von Schwierigkeiten während des Einstellungsverfahrens. Als größte Hürde wurden komplizierte Verwaltungs- und Einwanderungsverfahren genannt. Darüber hinaus erschweren laut den Unternehmen die Suche nach passenden Bewerbern sowie sprachliche Barrieren die Rekrutierung. Die meisten Unternehmen organisieren den Einstellungsprozess selbst und nutzen öffentliche Unterstützungsangebote nur begrenzt. Bei internationalen Einstellungen werden dagegen deutlich häufiger private Vermittlungsagenturen eingeschaltet.
Aus Sicht der befragten Betriebe könnten verschiedene Maßnahmen die Anwerbung von Arbeitskräften aus Drittstaaten erleichtern. Insbesondere wurden finanzielle Förderungen, bessere Informationsangebote, Unterstützung bei der Kandidatensuche sowie Hilfen bei Integration, Einwanderung und Wohnortwechsel genannt. Die Europäische Kommission sieht sich durch diese Ergebnisse in ihrem Kurs bestätigt. Mit dem sogenannten „EU Talent Pool“ plant sie eine europaweite Vermittlungsplattform, die offene Stellen in Mangelberufen gezielt mit Bewerbern aus Drittstaaten zusammenbringen soll.
EU will Visa-Verfahren beschleunigen
Die Umfrageergebnisse stehen im Einklang mit mehreren kürzlich vorgestellten Strategien der Kommission. Sowohl die neue Visastrategie als auch die Pläne für das europäische Asyl- und Migrationsmanagement sehen vor, die Verfahren zur Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte zu vereinfachen und zu beschleunigen. Dazu gehören unter anderem die schnellere Anerkennung von Qualifikationen und der Abbau administrativer Hürden. Parallel dazu intensiviert die EU ihre Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnerstaaten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf sogenannten Talentpartnerschaften.
Besondere Bedeutung misst Brüssel der Kooperation mit Indien bei. Ein kürzlich abgeschlossenes Memorandum sieht vor, den Zugang indischer Fachkräfte zum europäischen Arbeitsmarkt auszubauen. Als erstes konkretes Projekt wurde ein europäisches Informations- und Beratungszentrum eröffnet. Es soll Studenten, Forschern und Beschäftigten im IT-Bereich den Weg nach Europa erleichtern.
Fragwürdige Bildungsstandards in Herkunftsländern
Die von Brüssel beworbene Öffnung für qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. Berichte über Probleme in einigen Herkunftsländern zeigen, dass diese Aspekte bei den Fachkräftepartnerschaften der EU häufig nur am Rande thematisiert werden.
Im Fall von Indien geht es vor allem um die zahlreichen Probleme im Bildungs- und Hochschulsystem. So wurden in den vergangenen Jahren unter anderem Bestechungsfälle bei Akkreditierungen, gefälschte Abschlüsse sowie manipulierte Prüfungs- und Zulassungsverfahren bekannt. Auch staatliche Stellen warnen regelmäßig vor „Fake Universities“. Hinzu kommen Berichte über erhebliche Qualifikationsdefizite bei Absolventen. Dies wirft Fragen für eine Fachkräftepolitik auf, die sich bei der Bewertung von Qualifikationen stark auf formale Abschlüsse stützt. (FREILICH berichtete)
Indien ist dabei allerdings nicht der einzige Staat, mit dem Brüssel bei der Gewinnung von Arbeitskräften zusammenarbeitet. So strebt die EU auch mit Bangladesch eine engere Zusammenarbeit im Bereich Migration und Arbeitskräfteprogramme an. Gleichzeitig gibt es auch dort seit Jahren Berichte über Qualitätsprobleme im Bildungswesen, Korruption sowie gefälschte Zertifikate und Ausbildungsnachweise. Mehrere europäische Staaten haben ihre Kontrollen bei Visaanträgen aus Bangladesch zuletzt verschärft. (FREILICH berichtete)







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