Berlin/München. – Der Journalist und Buchautor Jan Fleischhauer wird am 12. August bei einer Veranstaltung der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES) in München sein neues Buch „Du bist nicht allein: Das Mehrheitsparadox oder was passiert, wenn die Mitte der Gesellschaft das Gefühl hat, am Rand zu stehen“ vorstellen. In der Veranstaltungsbeschreibung auf der Website der Stiftung heißt es, Jan Fleischhauer beleuchte in seinem Buch „zentrale Fragen zu Demokratie, Meinungsvielfalt und gesellschaftlichem Zusammenhalt“ und ordne sie „in ihren historischen, politischen und kulturellen Kontext“ ein.
Fleischhauers Angriffe auf die AfD und ihre Wähler
Der Auftritt sorgt insofern für Aufmerksamkeit, als Fleischhauer die AfD in den vergangenen Jahren wiederholt scharf kritisiert hat. Erst kürzlich sagte er in einem Interview mit der Welt über Teile der Partei: „Natürlich haben sie bei der AfD zum Teil echte Freaks.“ Ende Dezember 2025 erklärte er gegenüber der Welt zudem, aus Sicht der CDU gelte bei Koalitionen mit der AfD: „Hände weg davon“.
Auch auf seinem Blog hat sich Fleischhauer mehrfach deutlich zur Partei geäußert. So schrieb er im Januar 2024 unter anderem: „Wenn die AfD morgen verboten würde, wäre mir das auch recht.“ Zudem erklärte er, in der Partei gäben Menschen den Ton an, „die nicht nur wie Nazis aussehen, sondern auch wie Nazis denken und reden“. Im selben Beitrag schrieb er außerdem: „Ich habe auch nichts gegen Wählerbeschimpfung. Wer AfD wählt, soll ruhig merken, dass seine Entscheidung bei anderen auf Befremden stößt.“ Bereits im Juli 2023 schrieb Fleischhauer, die AfD habe Erfolg, weil sie „die bedingungslose Russland-Liebe, den beinharten Antiamerikanismus, die aggressive Verachtung der muslimischen Welt“ im politischen Angebot führe.
Vor diesem Hintergrund wandte sich FREILICH sowohl an Fleischhauer als auch an die Desiderius-Erasmus-Stiftung. Von Fleischhauer wollte die Redaktion unter anderem wissen, ob er an seinen früheren Aussagen festhält und weshalb er nun ausgerechnet bei einer Veranstaltung der AfD-nahen Stiftung sein Buch vorstellt. Auf eine Anfrage reagierte Fleischhauer bis Redaktionsschluss nicht.
Austausch statt „im eigenen Saft zu schmoren“
Erika Steinbach, die Vorsitzende der Desiderius-Erasmus-Stiftung, erklärte unterdessen gegenüber FREILICH, die Stiftung habe bereits mehrfach Journalisten zu Vortragsveranstaltungen eingeladen. Im Anschluss an die Vorträge gebe es stets eine Fragerunde, „zuweilen auch ein regelrechtes Kreuzverhör“. Dies sei „am Ende wesentlich fruchtbarer als immer nur im eigenen Saft zu schmoren“, da ein solcher Austausch zum Abbau von Vorurteilen und falschen Einschätzungen beitrage. Diese Erfahrung habe die Stiftung bereits mehrfach mit Referenten gemacht, „die uns zunächst nicht nahestanden“. Das erhöhe letztlich auch die Reichweite der Stiftung.
Unbeantwortet ließ die Stiftung hingegen mehrere konkrete Fragen der Redaktion. So ging sie beispielsweise nicht darauf ein, ob ihr Fleischhauers frühere Aussagen über die AfD und ihre Wähler vor der Einladung bekannt waren und wie sie diese bewertet. Ebenso unbeantwortet blieb die Frage, ob Fleischhauer für seinen Auftritt am 12. August ein Honorar erhält und wie hoch dieses gegebenenfalls ausfällt.





Kommentare
Sei der Erste, der einen Kommentar hinterlässt!