Berlin. – Mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion vor dem Brandenburger Tor erinnerte die polnische Partei Nowa Nadzieja, die zur Parteienkoalition Konfederacja gehört, am Samstag an den Warschauer Aufstand von 1944. Die Veranstaltung erregte Aufmerksamkeit in Polen und Deutschland, stieß jedoch insbesondere im patriotischen Lager auf deutliche Kritik.
Aktion mit Bengalos und Schildern
Anlässlich des Jahrestags des Warschauer Aufstands versammelten sich zahlreiche Aktivisen von Nowa Nadzieja vor dem Brandenburger Tor. Einheitlich gekleidet hielten sie Tafeln mit den Namen und Lebensdaten polnischer Kinder in die Höhe, die während der Niederschlagung des Aufstands ums Leben gekommen waren. Zudem wurden Bengalos gezündet. Vor Ort war auch der Co-Vorsitzende der Konfederacja, Sławomir Mentzen. Er veröffentlichte anschließend auf X ein Video der Aktion und schrieb: „Während des Warschauer Aufstands ermordeten die Deutschen 200.000 Polen, darunter Tausende Kinder. Wir werden das niemals vergessen!”
Kritik an symbolischer Geschichtspolitik
Obwohl Konfederacja und die AfD im Europäischen Parlament derselben Fraktion angehören, rief die Berliner Aktion scharfe Reaktionen aus dem Umfeld der deutschen Partei hervor. Der Politikwissenschaftler und Publizist Benedikt Kaiser bezeichnete die wiederholten Auftritte der polnischen Partnerpartei in Berlin als politische PR-Inszenierung und warf ihr vor, historische Ressentiments zu pflegen, anstatt auf eine gemeinsame Zukunft hinzuarbeiten: „Der rechtspolnische PR-Slop-Tourismus nach Berlin durch die Konfederacja, konkret ausgerechnet durch die AfD-Partnerpartei Nowa Nadzieja, wird langsam peinlich“, schrieb er auf X.
Er kritisierte zudem, dass sich die Aktion gegen Deutschland richte, obwohl die historische Verantwortung für das Schicksal des Warschauer Aufstands aus seiner Sicht nicht allein dort verortet werden könne: „Man müsste es, wenn überhaupt, in Moskau tun, denn die Rote Armee hätte damals problemlos über die Weichsel setzen können, wollte sie aber nicht, um sich der polnischen Aufständischen in der Nachkriegsordnung zu entledigen“, so Kaiser. Er wandte sich außerdem gegen eine gegenseitige Aufrechnung historischen Leids. Deutsche Patrioten würden seiner Ansicht nach ebenfalls nicht regelmäßig nach Breslau, Danzig oder Stettin reisen, um dort an Vertreibung und Leid der Deutschen zu erinnern.





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