London. – Eine neue Untersuchung des Migrationsberatungsausschusses der britischen Regierung kommt zu einem brisanten Ergebnis: Geringverdienende Migranten bleiben deutlich häufiger dauerhaft in Großbritannien als hochqualifizierte Fachkräfte. Insbesondere Arbeitskräfte im Pflegebereich bleiben demnach langfristig im Land, während Akademiker und Wissenschaftler das Vereinigte Königreich nach einigen Jahren oft wieder verlassen. In der Studie wurden knapp eine Million Migrationsbewegungen bis zum Jahr 2024 analysiert. Die Forscher warnen vor möglichen Folgen für die Staatsfinanzen, den Wohnungsmarkt und die öffentlichen Dienstleistungen.
Niedrigverdiener bleiben häufig dauerhaft im Land
Den Angaben der Wissenschaftler zufolge gibt es Hinweise darauf, dass Personen mit sehr hohen Gehältern Großbritannien vergleichsweise oft wieder verlassen. Zudem zeigt die Untersuchung Unterschiede je nach Herkunftsland. So bleiben Menschen aus wirtschaftlich stärkeren Staaten wie den USA seltener dauerhaft im Vereinigten Königreich als Migranten aus Ländern wie Nigeria, Ghana oder Bangladesch. Laut Studie bleiben auch jüngere Einwanderer häufiger langfristig im Land. Frauen bleiben zudem öfter dauerhaft als Männer.
Forscher warnen vor steigenden Belastungen
Die Autoren der Studie sehen darin erhebliche politische und wirtschaftliche Konsequenzen. Wenn man berücksichtigt, dass Niedrigverdiener und Pflegekräfte langfristig häufiger im Land bleiben, verringert sich der erwartete fiskalische Nutzen des Fachkräfteprogramms im Vergleich zu kürzeren Aufenthaltsdauern derselben Gruppen. Dadurch könnten die langfristigen Kosten der Zuwanderung höher ausfallen als bisher angenommen. Gleichzeitig würde der Druck auf Wohnraum und öffentliche Dienstleistungen steigen. Robert Bates vom „Centre for Migration Control“ erklärte, dass Minister die Warnungen ihrer eigenen Berater ernst nehmen müssten. Sie müssten erkennen, dass das derzeitige Einwanderungssystem erhebliche finanzielle Probleme für die Zukunft verursachen könne.
Fachkräfteprogramm unter Boris Johnson
Das britische Fachkräftevisum wurde 2020 unter der Regierung von Boris Johnson eingeführt. Damit konnten Unternehmen gezielt Arbeitskräfte aus dem Ausland für Branchen mit Personalmangel anwerben, darunter das Finanzwesen, die Bauwirtschaft, die Gastronomie und der Gesundheitssektor. Später wurde diese Regelung auch auf Pflegekräfte ausgeweitet. In den ersten drei Jahren kamen rund 931.000 Menschen im Rahmen dieses Programms nach Großbritannien – etwa dreimal so viele, wie das Innenministerium ursprünglich prognostiziert hatte.
Laut offiziellen Zahlen wanderten zwischen 2021 und 2024 insgesamt rund 4,8 Millionen Menschen legal ins Vereinigte Königreich ein. Die Nettozuwanderung betrug in diesem Zeitraum mehr als 2,5 Millionen Personen. Gründe dafür waren unter anderem Programme für Hongkonger und Ukrainer sowie der hohe Bedarf an Arbeitskräften in Mangelberufen.
Britische Regierung verschärft Einwanderungsregeln
Inzwischen hat die britische Innenministerin Shabana Mahmood mit umfassenden Verschärfungen der Einwanderungspolitik reagiert. So wurden höhere Gehaltsgrenzen und strengere Sprachvorgaben eingeführt. Gleichzeitig reduzierte die Regierung die Zahl der Berufe, für die Visa vergeben werden können. Außerdem wurde die Wartezeit auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für die meisten Migranten von fünf auf zehn Jahre erhöht. Die gezielte Anwerbung ausländischer Pflegekräfte wurde eingestellt.
Nigel Farage warnt vor den Folgen der „Boriswave“
Unterdessen nutzten Oppositionspolitiker die Debatte zunehmend, um die bisherige Einwanderungspolitik zu kritisieren. So kündigte Reform-UK-Chef Nigel Farage im April an, die von Boris Johnson ausgelöste Einwanderungswelle stoppen zu wollen. Er erklärte, es gebe noch Zeit, um gegen diese „Boriswave“ vorzugehen. Sollten in den kommenden 18 Monaten jedoch mehrere Millionen Menschen ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht erhalten, würde Großbritannien sich seiner Einschätzung nach eine wirtschaftliche Last aufbürden, die katastrophale Folgen haben könnte.







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