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Uni Jena besetzt: Linke Studenten fordern Gender-Lehrstuhl und Kampf gegen die AfD

Am gestrigen Mittwoch, den 30. November 2022, besetzten linke Studenten den großen Hörsaal 1 der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Laut eigenen Angaben besetzten etwa 150 bis 200 Personen den Hörsaal, um für den Erhalt eines Lehrstuhls für „Geschlechtergeschichte“ zu demonstrieren.
Redaktion
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1.12.2022
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4 Minuten Lesezeit
Uni Jena besetzt: Linke Studenten fordern Gender-Lehrstuhl und Kampf gegen die AfD
Bild: Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität Jena / Bild: Vitold Muratov, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Jena. – Der Lehrstuhl, der zurzeit von der Professorin Gisela Mettele gehalten wird, soll nach ihrer Emeritierung 2025 nicht neu vergeben werden. Der Fakultätsrat hatte sich entscheiden müssen, einen der drei historischen Lehrstühle abzuschaffen. Um den traditionsreichen Lehrstuhl für Latein zu erhalten, muss die „Geschlechtergeschichte“ nun gehen.

Die Besetzung begann am gestrigen Tag morgens mit einem Plenum, einem inhaltlichen „Input“ und einem gemeinsamen Essen. Sie wollen mit ihrer Aktion für „Frauengeschichte“ und „queere Geschichte“ eintreten, um „Bildung im eigentlichen Sinne“ zu machen, wie ein Sprecher der Besetzer gegenüber einem linken Internetradio aussagte.

Studenten fordern Schauprozess

Die Besetzer fordern neben dem Erhalt des Lehrstuhls auch einen stärkeren Kampf gegen den „Rechtsruck“ und die AfD in Thüringen. CDU und AfD würden gemeinsam gegen „Gender“-Theorien vorgehen und verhindern, dass „Patriarchats-Geschichte“ aufgearbeitet wird. Dies jedoch sei gerade in Thüringen besonders notwendig.

Weiters fordern die Besetzer, dass der Fakultätsrat im besetzten Hörsaal, also vor den über 100 Aktivisten, tagt, um einen „wirklich demokratischen Prozess“ zu gewährleisten. Zugleich fordern sie bereits einen bestimmten Ausgang des Verfahrens, nämlich einen Erhalt der „Geschlechtergeschichte“.

Besetzung geht weiter

Die Besetzung soll neben dem Gender-Lehrstuhl noch weitere Ziele erreichen. So fordern die Aktivisten eine tarifliche Bezahlung studentischer Uni-Mitarbeiter, außerdem wollen sie in den nächsten Tagen einen Schwerpunkt auf kurdische Unabhängigkeit und andere „internationalistische“ Themen legen. Der Protest ist als Teil eines größeren linken Vorstoßes gedacht.

Am heutigen Donnerstagmorgen startete der Tag der Besatzer um acht Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück mit anschließendem „Besetzungs-Yoga“ um 09:15 Uhr. Nach einer vierstündigen Pause geht es dann um 14 Uhr weiter mit einem Plenum und der Austauschrunde „Was stört euch an der Uni?“ Abends gibt es ein gemeinsames Essen und einen Filmabend.

Für- und Widerspruch

Die Linksjugend [‘solid] Thüringen hat bereits ihre Solidarität mit den Besetzern ausgesprochen. Auch die linke Thüringer Landtagsabgeordnete Lena Saniye Güngör sprach auf Twitter von einem „starken Zeichen gegen die Abschaffung des Lehrstuhls Geschlechtergeschichte“ und „gegen den Rechtsruck“. Neben den Besetzern und der Linkspartei solidarisierte sich außerdem eine Gruppe „Protest-Clowns“, die am 30. November mit Trommeln und Zirkuskostümen vor dem Hörsaal „kreativen Protest“ übten.

Die Opposition sieht die Vorgänge in Jena kritisch. Das Thüringer AfD-Vorstandsmitglied Daniel Haseloff äußerte sich gegenüber Freilich folgendermaßen: „Eine radikalisierte winzige Minderheit will dem Volk vorschreiben, wie es zu denken und zu wählen hat“. Die Linken würden dort völlig an den Sorgen der Menschen vorbeihandeln, ist sich Haseloff sicher. Weiter: „Nur die AfD sucht den Schulterschluss – auf der Straße und im Parlament“.