Wien. – Eine am Dienstag von Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) präsentierte Untersuchung des Migrationsforschers Rainer Münz für den Integrationsfonds zu den Erwerbsverläufen von Migranten zeigt deutliche Unterschiede bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Besonders auffällig ist, dass der Einstieg in Beschäftigung je nach Zuzugsjahr und Herkunftsgruppe sehr unterschiedlich gelingt – und oft langsamer als erwartet.
Die Daten belegen, dass viele Migranten erst verzögert oder gar nicht auf dem Arbeitsmarkt ankommen. So stand im Jahr nach Abschluss des Asylverfahrens bei Personen aus den Jahren 2015/16 weniger als die Hälfte tatsächlich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Bei späteren Jahrgängen sinkt dieser Anteil weiter: Bei Migranten aus dem Jahr 2019 lag er bei rund einem Drittel und bei denen aus dem Jahr 2022 sogar nur bei etwa elf Prozent.
Frauen deutlich seltener erwerbstätig
Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind besonders groß. Laut der Studie waren acht bis neun Jahre nach der Ankunft von Migranten aus den Jahren 2015/16 rund 75 Prozent der Männer beschäftigt, jedoch nur etwa 40 Prozent der Frauen. Dieses Muster zeigt sich auch bei später Zugewanderten: Fünf Jahre nach ihrer Ankunft im Jahr 2019 lag die Erwerbsquote bei Männern bei über 60 Prozent, während sie bei Frauen nur knapp 30 Prozent erreichte. Noch deutlicher wird die Diskrepanz bei einzelnen Herkunftsländern. So waren Frauen aus Somalia selbst nach mehreren Jahren nur zu rund einem Drittel ausreichend beschäftigt. Auch bei Afghaninnen und Syrerinnen lagen die Werte deutlich unter denen der Männer.
Im Vergleich dazu gelingt die Arbeitsmarktintegration anderer Gruppen deutlich rascher. So sind EU-Bürger bereits im ersten Jahr nach ihrer Ankunft zu rund drei Vierteln erwerbstätig, langfristig steigt dieser Anteil auf etwa 80 Prozent. Auch regulär zugewanderte Drittstaatsangehörige schneiden besser ab: Schon im ersten Jahr sind etwa zwei Drittel der Männer und rund die Hälfte der Frauen beschäftigt. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer steigen diese Werte weiter deutlich an.
Viele verlassen Österreich wieder
Ein weiterer Aspekt der Studie betrifft die Aufenthaltsdauer. Entgegen der weitverbreiteten Annahme bleibt ein erheblicher Teil der Zugewanderten nicht dauerhaft im Land. So hat etwa die Hälfte der EU-Bürger Österreich nach drei bis vier Jahren wieder verlassen. Nur rund ein Drittel bleibt langfristig. Bei Drittstaatsangehörigen ist die Verbleibsquote höher: Nach vier bis fünf Jahren sind noch etwa zwei Drittel im Land. Von den Migranten der Jahre 2015/16 lebt etwas mehr als die Hälfte weiterhin in Österreich.
Angesichts dessen verweist Integrationsministerin Claudia Bauer darauf, dass Integrationsprozesse unterschiedlich lange dauern können. Entscheidend sei es, durch gezielte Maßnahmen den Übergang von der Grundversorgung in den Arbeitsmarkt zu beschleunigen. Zudem seien Rahmenbedingungen erforderlich, die Erwerbstätigkeit attraktiver machen.
FPÖ sieht Bestätigung ihrer Kritik
Vertreter der FPÖ sehen sich durch die Ergebnisse hingegen in ihrer politischen Linie bestätigt. Der niederösterreichische Landesrat Martin Antauer sagte: „Viele Flüchtlinge kommen wegen der Sozialleistungen und der tollen Rund-um-Versorgung und nicht wegen der Arbeit.“ Auch die für den Arbeitsmarkt zuständige Landesrätin Susanne Rosenkranz kritisiert insbesondere die geringe Erwerbsbeteiligung von Frauen: „Die Situation bei weiblichen Asylmigranten ist erschütternd. Von jenen Frauen, die 2015/16 nach Österreich kamen und im Land blieben, waren nach fünf Jahren nur 18 Prozent, bei jenen aus 2019 nur 28,3 Prozent erwerbsintegriert.“
Beide Politiker äußern darüber hinaus grundsätzliche Zweifel an der Wirksamkeit bestehender Maßnahmen und sehen strukturelle Probleme im System. Sie verweisen auch auf regionale Unterschiede, insbesondere in Ballungsräumen, sowie auf Unterschiede zwischen Asylmigration und anderen Formen der Zuwanderung.






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