Berlin/Wien. – Die wirtschaftliche Lage in Deutschland hat sich im Frühjahr 2026 spürbar eingetrübt. So fiel der ifo-Geschäftsklimaindex im April auf 84,4 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Mai 2020, also seit der Hochphase der Coronakrise. Im März hatte der Wert noch bei 86,3 Punkten gelegen.
Sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich verschlechtert. Unternehmen blicken zunehmend skeptisch in die Zukunft. ifo-Präsident Clemens Fuest bringt die Ursache auf den Punkt: „Die Iran-Krise trifft die deutsche Wirtschaft hart.“
Breiter Abschwung erfasst alle Sektoren
Die Abkühlung zeigt sich besonders deutlich im Verarbeitenden Gewerbe. Vor allem die Erwartungen haben sich eingetrübt, während Lieferprobleme bei Vorprodukten zusätzlich belasten. Auch der Dienstleistungssektor verzeichnet einen starken Rückgang. Die Aussichten gelten als zunehmend düster, insbesondere in der Logistik, die stark unter den geopolitischen Verwerfungen leidet.
Im Handel wächst die Sorge vor einer nachlassenden Konsumlaune. Händler rechnen damit, dass Verbraucher angesichts der anhaltenden Inflation ihre Ausgaben zurückfahren werden. Im Baugewerbe ist die Stimmung regelrecht eingebrochen. Die Erwartungen sind drastisch gefallen und viele Unternehmen sind deutlich unzufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Ein schneller Aufschwung ist nicht in Sicht.
Arbeitsmarkt unter Druck
Parallel zur verschlechterten Stimmung bereiten sich viele Unternehmen auf Personalabbau vor. Das ifo-Beschäftigungsbarometer sank im April auf 91,3 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Wert seit Mai 2020. Der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, warnt vor einer Trendwende am Arbeitsmarkt: „Die geopolitische Unsicherheit greift auf die Personalplanungen der Unternehmen über.“ Die Folge sei klar: „Es werden mehr Arbeitsplätze ab- als aufgebaut.“
Nahezu alle Branchen sind betroffen. „Kaum eine Branche bleibt vom Arbeitsplatzabbau verschont“, heißt es aus dem Institut. Besonders stark unter Druck stehen Industrie, Handel und der Dienstleistungsbereich. In der Logistik schlagen die steigenden Energiepreise zunehmend auch auf die Beschäftigung durch, während auch der Tourismus Einschnitte erwartet. Eine schnelle Entspannung ist nicht absehbar. Wohlrabe betont: „Eine nachhaltige Entspannung am Arbeitsmarkt ist erst zu erwarten, wenn die Unsicherheiten deutlich nachlassen.“
Österreich: Wachstum schwächt sich deutlich ab
Auch in Österreich mehren sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Abschwächung. Zwar lag die Wirtschaftsleistung im März noch leicht über dem Vorjahresniveau, doch bereits im April verlor sie merklich an Dynamik. Der private Konsum zeigte sich zunächst stabil, entwickelte sich zuletzt jedoch rückläufig. Während die Investitionen im Jahresvergleich noch zunahmen, liefern die Außenhandelsdaten ein negatives Signal: Die Nettoexporte bremsen das Wachstum deutlich.
Die Krise zeigt sich besonders im Verkehrssektor. Die wirtschaftliche Leistung ist zuletzt zurückgegangen und die Stimmung unter den Unternehmen hat sich spürbar verschlechtert. Gründe hierfür sind unter anderem die Auswirkungen des Irankrieges auf den internationalen Flugverkehr sowie steigende Kosten. Auch in der Industrie bleibt die Lage angespannt. Die Produktion schwankt und die Beschäftigung geht weiter zurück. Während sich die Stimmung in den Betrieben zuletzt erneut verschlechtert hat, steigt die Zahl der Arbeitssuchenden wieder leicht an.
Bau und Handel: Keine klare Erholung in Sicht
Die Situation im Bauwesen bleibt schwierig. Die Produktion liegt weiterhin unter dem Vorjahresniveau und die Unternehmen bewerten ihre Lage mehrheitlich negativ. Der Handel zeigt ein gemischtes Bild. Nach einem leichten Plus im März folgte im April bereits wieder ein Rückgang. Einige Dienstleistungsbereiche entwickeln sich zwar noch stabil, doch insgesamt überwiegen die Risiken. Damit verliert die Konjunktur in Österreich zunehmend an Schwung.






Kommentare
Sei der Erste, der einen Kommentar hinterlässt!