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Vergewaltigungsdrohung als „Kollateralschaden der Revolution“: Eklat um linke Dozentin in Paris

Eine Mutter wird mit Vergewaltigung bedroht, eine linke Dozentin spricht von einem „Kollateralschaden“. Nach heftiger Kritik versucht Bettina Zourli, ihre Aussagen zu relativieren, hält aber an ihrer Unterstützung für die Protestbewegung fest.

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Die französische Dozentin Bettina Zourli (links) steht wegen ihrer Äußerungen zu einer Vergewaltigungsdrohung während der Pariser Ausschreitungen in der Kritik.
Die französische Dozentin Bettina Zourli (links) steht wegen ihrer Äußerungen zu einer Vergewaltigungsdrohung während der Pariser Ausschreitungen in der Kritik. (Bild: Screenshot X / Brut)

Paris. – Die Äußerung der französischen Soziologin und Dozentin Bettina Zourli sorgt in Frankreich für Empörung. Bei einer Diskussion über die jüngsten Ausschreitungen in Paris bezeichnete sie die Vergewaltigungsdrohung gegen eine Mutter mit Säugling als „Kollateralschaden“. Politiker mehrerer Parteien werfen ihr nun vor, sexuelle Gewalt zu verharmlosen.

Auslöser der Kontroverse ist ein Video, das das französische Nachrichtenportal Brut am 18. Oktober veröffentlicht hat. Darin schildert eine Frau, wie sie während der Krawalle am Vortag bedroht worden sei. Mehrere Männer hätten versucht, in die Wohnung einzudringen, in der sie sich mit ihrem Baby aufgehalten habe. Weil sie die Plünderung eines Geschäfts verhindern wollte, hätten die Männer sie als „dreckige Bürgerliche“ beschimpft und mit Vergewaltigung gedroht. Zourli reagierte auf die Schilderung mit den Worten: „Das ist ein Kollateralschaden.“ Die betroffene Frau antwortete darauf sarkastisch: „Ah! Großartig!“ Als die Frau der Dozentin vorwarf, solche Drohungen zu entschuldigen, bestritt diese den Vorwurf.

Linke Dozentin verteidigt gewaltsame Proteste

Zourli, die an der Universität Rennes 2 Soziologie unterrichtet, hatte sich in der Diskussion grundsätzlich für radikalere Protestformen ausgesprochen. Ihrer Meinung nach sind gewaltfreie Aktionen allein nicht ausreichend, um politische Veränderungen herbeizuführen. Als Beispiel führte sie den Kampf gegen die Apartheid in Südafrika an und erinnerte dabei an Nelson Mandela. In diesem Zusammenhang hielt sie auch die Verwüstung einer Niederlassung der französischen Großbank BNP Paribas für vertretbar. In einer weiteren Aufnahme zog sie Parallelen zum Arabischen Frühling. Damals seien ebenfalls Geschäfte geplündert und Fensterscheiben eingeschlagen worden.

Dass bei solchen Ausschreitungen auch kleinere Betriebe zu Schaden kommen können, stellte Zourli nicht infrage. Sie wies jedoch auf bestehende Versicherungen hin und stufte die Verluste als Begleiterscheinung revolutionärer Umbrüche ein. Ob Geschäftsinhaber tatsächlich entschädigt werden, ist allerdings keineswegs sicher. Laut dem französischen Versicherungsverband France Assureurs richtet sich die Erstattung nach dem jeweiligen Vertrag, wie Exxpress berichtet. Eine gesonderte Absicherung ist für Einnahmeausfälle infolge einer vorübergehenden Betriebsschließung erforderlich.

Scharfe Kritik aus der Politik

Insbesondere wegen Zourlis öffentlichem Engagement gegen sexuelle Übergriffe lösten die Aufnahmen heftige Reaktionen aus. Die Partei von Präsident Emmanuel Macron kritisierte den Widerspruch zwischen ihrem Einsatz für Betroffene sexualisierter Gewalt und ihrer Reaktion auf die Schilderungen der Mutter. Auch Vertreter der politischen Rechten meldeten sich zu Wort und übten scharfe Kritik. Der Europaabgeordnete Pierre-Romain Thionnet vom Rassemblement National etwa verwies auf Zourlis Tätigkeit an der Universität Rennes 2, während der UDR-Abgeordnete Alexandre Allegret-Pilot sogar eine Haftstrafe für die Dozentin verlangte. Sie gehöre ins Gefängnis, so seine Forderung.

Feministin und Antifa-Aktivistin

Zourli beschäftigt sich beruflich und publizistisch mit gesellschaftlichen Geschlechterbildern, sexueller Gewalt und der Entscheidung von Frauen, keine Kinder zu bekommen. In ihrem Profil auf der Plattform Threads bezeichnet sie sich als „Feministin, kinderlos und antifa“.

Zu ihren öffentlichen Auftritten gehört ein Vortrag mit dem Titel „Warum ich meinen Angreifer zu meiner Hochzeit eingeladen habe“. Darin behandelt sie unter anderem die Schwierigkeiten, mit denen Opfer sexueller Übergriffe beim Sprechen über ihre Erfahrungen konfrontiert sind. Die Veranstaltung verbindet persönliche Schilderungen mit Elementen einer Theateraufführung. Auch in einem Anfang September auf der Plattform Mediapart veröffentlichten Beitrag setzte sie sich mit sexualisierter Gewalt auseinander. Darin sprach sie sich dafür aus, Täter stärker zur Übernahme von Verantwortung und zur Wiedergutmachung zu bewegen, statt ausschließlich auf strafrechtliche Sanktionen zu setzen.

Bereits 2025 Streit mit einem Vergewaltigungsopfer

Bereits im November des vergangenen Jahres war Zourli wegen ihres Umgangs mit einer von sexueller Gewalt Betroffenen in die Kritik geraten. Damals hatte sie sich öffentlich zu einem Fernsehinterview von Claire Géronimi geäußert, die zu diesem Zeitpunkt stellvertretende Vorsitzende der UDR war. Géronimi hatte zuvor über ihre eigene Vergewaltigung gesprochen. Wie das französische Nachrichtenportal Boulevard Voltaire berichtete, kommentierte Zourli den Fernsehauftritt in einem Instagram-Video, das sie mit den Worten „Ich habe viel gelacht“ einleitete. Ihre Kritik richtete sich inhaltlich gegen eine aus ihrer Sicht politische Vereinnahmung des Feminismus durch rechte Parteien. Sexuelle Übergriffe dürften nicht je nach Herkunft des Täters unterschiedlich bewertet werden. Gleichzeitig lehnte sie es ab, entsprechende Fälle zur Begründung migrationskritischer Positionen heranzuziehen.

Nach Empörung: Zourli rudert auf Instagram zurück

Nach der jüngsten Kontroverse veröffentlichte Zourli eine Stellungnahme auf Instagram. Darin beklagte sie, seit der Verbreitung des Videos Hunderte beleidigende und bedrohliche Privatnachrichten erhalten zu haben. Ihr würde unterstellt, sie habe eine Vergewaltigungsdrohung als unvermeidliche Begleiterscheinung der Proteste verharmlost.

Diese Darstellung wies sie zurück. Sie verurteile Männer, die Frauen mit Vergewaltigung bedrohten, ausdrücklich und lehne sämtliche Drohungen und Formen sexualisierter Gewalt ab, die während der Ausschreitungen vorgekommen sein könnten. Das Nachrichtenportal Brut habe wesentliche Teile der Diskussion nicht veröffentlicht, kritisiert sie. Ihrer Darstellung zufolge habe sich der umstrittene Ausschnitt auf eine grundsätzlich andere Frage bezogen: nämlich darauf, ob die Gewalt während der Proteste den Blick auf deren ursprünglichen Anlass verdrängen dürfe.

Zourli erklärte außerdem, dass sie die Protestbewegung und unterschiedliche Aktionsformen unterstütze, jedoch nicht für die Vergewaltigungsdrohungen einzelner Männer verantwortlich sei. Für deren sexistisches Verhalten müsse sie sich nicht entschuldigen. Zugleich kritisierte sie jene Frauen, die sich nun über ihre Äußerung empörten, und fragte, wo diese während des übrigen Jahres seien, wenn es darum gehe, sexualisierte und sexistische Gewalt anzuprangern.

Inzwischen hat sich auch die Universität Rennes 2, an der Zourli als Dozentin tätig ist, von ihren Äußerungen distanziert. Wie Remix News berichtet, erklärte die Hochschule, dass sie jede Form von Gewalt entschieden ablehne. Zourlis Aussagen spiegelten keineswegs die Haltung der Universität wider und stünden im vollständigen Widerspruch zu deren Werten.

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