La Flèche. – Das Auswahlverfahren für die Vorbereitungsklassen zur Offiziersausbildung am nationalen Militärgymnasium Prytanée im französischen La Flèche sorgt derzeit für Kritik. Wie die Zeitung Le Figaro berichtet, wurde in diesem Jahr kein einziger Bewerber aufgenommen, der zuvor eine katholische Privatschule ohne staatlichen Vertrag besucht hatte. Die Vorbereitungsklassen bereiten unter anderem auf die Aufnahmeprüfungen der renommierten Offiziersschulen Saint-Cyr, der Marineschule und der Luftwaffenakademie vor.
Familien werfen Militärschule Diskriminierung vor
Besonders brisant ist ein Bericht zum Aufnahmeverfahren über die Plattform Parcoursup für die Auswahlrunde 2025. Darin wird der Besuch einer Privatschule ohne staatlichen Vertrag ausdrücklich als Ausschlusskriterium genannt. Bewerber mit diesem Bildungshintergrund wurden demnach nicht in die Rangliste aufgenommen und ihre Bewerbungen gar nicht erst weiter berücksichtigt. Das Dokument trägt die Unterschrift des Leiters des Prytanée, Jean-Marc Blondelle. Das militärische Kommando der Einrichtung liegt seit 2024 hingegen bei Oberst Axel Girard. Dieses Organisationsmodell entspricht dem der übrigen französischen Militärgymnasien.
Mehrere Familien berichten, dass selbst Schüler mit hervorragenden Leistungen abgelehnt worden seien. Betroffen seien insbesondere Absolventen katholischer Privatschulen wie Saint-Dominique in Le Pecq, Saint-Bernard in Bailly und Saint-Joseph-des-Carmes im Département Aude. Die Eltern werten das Vorgehen laut dem Bericht als Diskriminierung, da Privatschulen ohne staatlichen Vertrag in Frankreich rechtlich anerkannt und zulässig seien. Nach ihren Angaben hätten einige der betroffenen Bewerber gleichzeitig Zusagen von anderen renommierten Vorbereitungsklassen erhalten, seien am Militärgymnasium in La Flèche jedoch nicht berücksichtigt worden.
Juristische Schritte gegen Auswahlverfahren
Am 2. Juli reichten mehrere betroffene Familien einen Eilantrag bei Gericht ein. Sie verlangen Auskunft über die Gründe, weshalb die Bewerber nicht in das Auswahlverfahren aufgenommen wurden. Unterstützt werden sie dabei von der Fédération nationale de l'enseignement privé sowie der Organisation Créer son école, die sich für Privatschulen ohne staatlichen Vertrag einsetzt.
Die Vorsitzende der Organisation erklärte sinngemäß, jeder junge Mensch müsse unabhängig von seiner sozialen, religiösen oder schulischen Herkunft die Möglichkeit haben, über eine militärische Vorbereitungsklasse eine Offizierslaufbahn einzuschlagen. Eine Auswahl nach solchen Kriterien stelle aus ihrer Sicht das republikanische Gleichheitsprinzip infrage.
Nach Angaben der Organisation wurde seit zwei Jahren kein Absolvent einer entsprechenden Privatschule mehr am Prytanée in La Flèche aufgenommen. Zudem bestehe der Verdacht, dass vergleichbare Praktiken auch an der Militärschule in Aix-en-Provence angewendet würden. Für die Militärschule in Saint-Cyr-l'École treffe dies nach Angaben der Organisation hingegen nicht zu.




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