Vilnius. – Litauen verzeichnet seit einigen Jahren eine deutlich zunehmende Migration aus dem Ausland. Als Ausländer gelten dabei alle Personen ohne litauische Staatsbürgerschaft, darunter Bürger anderer EU-Staaten, Drittstaatsangehörige und Staatenlose. Im Jahr 2024 lebten schätzungsweise rund 217.000 Ausländer im Land. Diese Entwicklung markiert einen tiefgreifenden Wandel für das baltische Land, das lange Zeit eher von Abwanderung als von Zuwanderung geprägt war.
Herkunft der Migranten: Drittstaaten holen auf
Den mit Abstand größten Anteil der ausländischen Bevölkerung stellten im Jahr 2024 Staatsbürger aus der Ukraine mit etwa 35 Prozent. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Staatsbürger aus Weißrussland mit 26 Prozent und aus der Russischen Föderation mit sieben Prozent. Gleichzeitig nimmt jedoch die Zuwanderung aus weiter entfernten Regionen deutlich zu. Besonders stark wächst die Zahl der Migranten aus Ländern wie Aserbaidschan, Pakistan, Indien, Kirgisistan, der Türkei, Tadschikistan, Usbekistan und Kasachstan. Dies deutet darauf hin, dass sich die Struktur der Migration verändert und Litauen zunehmend zum Ziel von Arbeitsmigration aus Drittstaaten wird.
Arbeitsmigration als zentraler Treiber
Als wesentlicher Faktor für den Anstieg wird die politische Neuausrichtung im Jahr 2017 angesehen. Bis 2016 benötigten ausländische Arbeitskräfte grundsätzlich eine Arbeitserlaubnis. Durch gesetzliche Änderungen wurden die Hürden jedoch gesenkt. Seitdem gilt: Wer einen in Litauen besonders gefragten Beruf ausübt, muss keine klassische Arbeitserlaubnis mehr beantragen. Die Einreise erfolgt stattdessen über befristete Aufenthaltsgenehmigungen oder nationale Visa. Laut den vorliegenden Daten dürfte die Liberalisierung zu dem massiven Anstieg der Arbeitsmigration beigetragen haben.
Die Entwicklung der erteilten Arbeitsgenehmigungen und Visa zeigt eine drastische Dynamik. So hat sich die Zahl der ausgestellten Genehmigungen seit 2016 um das 26-Fache erhöht. Im Jahr 2025 lag die Zahl bereits bei rund 39.448 Genehmigungen, was einem Anteil von etwa 1,365 Prozent an der Gesamtbevölkerung entspricht. Besonders auffällig ist der sprunghafte Anstieg ab 2023, der sich 2024 und 2025 nochmals deutlich beschleunigt hat.
Die Verteilung nach Berufen zeigt eine starke Konzentration auf wenige Tätigkeiten. Mit Abstand am stärksten vertreten sind Fernfahrer, dahinter folgen Schweißer und Bauarbeiter. Weitere relevante Berufe sind Elektriker, Köche und Fachkräfte im Metallbereich.





Kommentare
Sei der Erste, der einen Kommentar hinterlässt!