Dresden. – Die Bezeichnungen von Kunstwerken in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) sorgen erneut für politischen Streit. Hintergrund sind Änderungen von Werk- und Objektbezeichnungen in den Museumsbeständen, die in den vergangenen Jahren vorgenommen wurden. Aus Antworten auf parlamentarische Anfragen der AfD geht hervor, dass mehrere Titel sprachlich angepasst oder neu eingeordnet wurden.
So wurden unter anderem Formulierungen verändert, die heute als problematisch oder überholt angesehen werden. In einzelnen Fällen wurde beispielsweise aus der früheren Bezeichnung „Tupi-Indianer“ die Beschreibung „indigener Mann“. Auch Begriffe wie „exotische Bäume“ wurden durch die neutralere Variante „tropische Bäume“ ersetzt. Die Änderungen betreffen unterschiedliche Werke aus den Sammlungen, darunter Grafiken, Illustrationen und historische Darstellungen.
Mehrere Werkbezeichnungen seit 2023 überarbeitet
Seit Herbst 2023 wurden nach Angaben des sächsischen Kulturministeriums insgesamt zwölf Kontextualisierungen von Werkbezeichnungen vorgenommen. Betroffen sind unter anderem historische Begriffe, ethnische Zuschreibungen oder ältere Titel, die heute anders bewertet werden. In der Antwort auf die parlamentarische Anfrage ist eine Übersicht mit verschiedenen Beispielen zu finden. Darunter finden sich Anpassungen von Titeln, die kolonialzeitliche Begriffe oder Formulierungen enthalten, die früher in wissenschaftlichen oder populären Beschreibungen verwendet wurden. Auch Titel, die Begriffe wie „Hottentotte“ oder ältere ethnische Zuschreibungen enthalten, wurden entsprechend überarbeitet oder ergänzt.
Laut dem Ministerium orientieren sich solche Änderungen an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie an internationalen Museumsstandards. Das Vorgehen sei Teil der musealen Praxis, Werke historisch einzuordnen und Bezeichnungen im Licht neuer Forschungsergebnisse zu überprüfen.
AfD wirft Museumsbetrieb „Sprachpolizei“ vor
In seiner Antwort auf die Anfrage der AfD erklärte das zuständige Ministerium, dass Fachpersonal der Staatlichen Kunstsammlungen sei dafür verantwortlich, Werkbeschreibungen zu überprüfen. Das Ziel bestehe darin, problematische oder fachlich unzutreffende Begriffe zu identifizieren und sie gegebenenfalls zu ersetzen. Dabei gehe es laut Ministerium darum, „diskriminierende, rassistische oder wissenschaftlich nicht korrekte Inhalte“ herauszufiltern.
Die Änderungen stoßen bei der AfD auf scharfe Kritik. Thomas Kirste, der kulturpolitische Sprecher der sächsischen AfD-Fraktion, sieht darin einen politisch motivierten Eingriff in Sprache und Kultur. „Die CDU finanziert in den Kunstsammlungen seit vielen Jahren trotz heftiger Kritik mit Steuergeldern eine Sprachpolizei. Das ist zum einen Geldverschwendung und zum anderen nichts anderes als Zensur unter dem Deckmantel angeblicher Wissenschaft“, so der Abgeordnete dazu in einer Aussendung.
Auch einzelne Begriffe hält Kirste für unproblematisch. „Das Wort ‚exotisch‘ steht im Duden. Warum sollte es sich hier also um einen verbotenen Ausdruck handeln?“, fragt er. Diese Festlegung von Seiten der SKD sei „nicht wissenschaftlich“, sondern „pure Willkür von linksgrünen Meinungswächtern“. Dass sich die CDU „von solchen Leuten die Agenda diktieren lässt“, zeige, dass sie „schon lange“ keine konservative Partei mehr sei, so die Kritik.




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