In Schönberg am Kamp brodelt es. Aus dem idyllischen Ort im Bezirk Krems-Land könnte nach dem Willen der Windkraft-Befürworter ein neuer Schauplatz im Streit um riesige Windräder werden. Doch im Waldviertel regt sich Widerstand. Viele Bürger wollen nicht, dass ihre Heimat Schritt für Schritt zur Industriefläche umgebaut wird. Besonders brisant: Die Windkraft-Zonierung in Niederösterreich wurde erst 2024 überarbeitet und beschlossen. Sie legt klar fest, wo Windkraftanlagen möglich sind und wo nicht. Genau deshalb sorgt die neue Diskussion um mögliche Windräder außerhalb dieser Zonen für heftiges Kopfschütteln.
Die Botschaft aus freiheitlicher Sicht ist klar: Die Regeln sind beschlossen, die Zonen gelten, und einzelne Projekte außerhalb dieser festgelegten Bereiche dürfen nicht durch die Hintertür wieder auf den Tisch kommen. Laut dem Land Niederösterreich ist das sektorale Raumordnungsprogramm über die Windkraftnutzung in der aktuellen Fassung als LGBl. Nr. 47/2024 gültig; die ausgewiesenen Zonen sind auch im NÖ-Atlas einsehbar.
Warum der Widerstand wächst
Gerade im Waldviertel ist die Stimmung sensibel. Die Region lebt von Landschaft, Natur, Tourismus, Wein, Wald und Lebensqualität. Wer dort Windräder mitten in sensible Naturräume stellen will, muss mit Widerstand rechnen. Für viele Menschen geht es nicht um eine abstrakte Energiedebatte, sondern um den Blick aus dem Fenster, um Wälder vor der Haustür, um Spazierwege, Tierwelt und das Gefühl, dass über ihre Heimat nicht in Sitzungszimmern hinweg entschieden werden darf. Die Freiheitlichen warnen daher vor einem „Ausverkauf der Heimat“ und fordern, dass die Bevölkerung eingebunden wird, bevor politische Mehrheiten Fakten schaffen. In Schönberg am Kamp steht deshalb auch die Forderung nach einer Volksbefragung im Raum. Die Menschen vor Ort sollen selbst sagen können, ob sie Windräder in ihrer Gemeinde wollen oder nicht.
Der Konflikt passt in eine größere Debatte, die Niederösterreich seit Jahren begleitet. Schon bei früheren Windkraft-Diskussionen forderte die FPÖ verbindliche Mitsprache der Bürger. Immer wieder wurde betont, dass Windkraft nicht gegen die Bevölkerung, nicht in Wäldern und nicht auf Kosten der Natur durchgedrückt werden dürfe. Auch zuletzt verteidigten freiheitliche Vertreter Volksbefragungen gegen Kritik von Experten und Windkraft-Lobbyisten. Aus Sicht der FPÖ ist direkte Demokratie kein Hindernis, sondern ein Schutzmechanismus. Wenn hunderte Meter hohe Anlagen das Ortsbild und die Landschaft über Jahrzehnte verändern, dann könne man die Bürger nicht erst fragen, wenn alle Weichen längst gestellt sind.
Forderung nach Mitsprache der Bürger
Die Gegenseite argumentiert mit Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Energieunabhängigkeit. Windkraft-Betreiber verweisen darauf, dass Österreich mehr erneuerbaren Strom brauche und Europa angesichts internationaler Krisen weniger abhängig von fossilen Importen werden müsse. Auch der NÖ-Windzonenplan wurde offiziell mit dem Ziel überarbeitet, erneuerbare Energie auszubauen und zugleich Planungssicherheit zu schaffen. Bei der Vorstellung der Überarbeitung 2024 war von „mehr Ökostrom für Niederösterreich bei gleicher Fläche“ die Rede. Gleichzeitig wurde betont, dass Gemeinden innerhalb der Zonen Flächen widmen können und Projekte danach weitere Verfahren, etwa Umweltprüfungen, durchlaufen müssen.
Doch genau hier liegt der Knackpunkt: Wenn es bereits eine mühsam ausgearbeitete Zonierung gibt, warum tauchen dann plötzlich neue Projekte außerhalb dieser Bereiche auf? Für Naturschutz-Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) ist das ein gefährliches Signal. Denn Zonierungen sollen nicht nur den Ausbau ermöglichen, sondern auch Grenzen setzen. Sie sollen Planungssicherheit geben – für Projektbetreiber, Gemeinden und Bürger. Wenn solche Festlegungen nach kurzer Zeit wieder infrage gestellt werden, wächst das Misstrauen. Dann entsteht der Eindruck, dass Beschlüsse nur so lange gelten, bis der nächste Betreiber, die nächste politische Mehrheit oder die nächste Kampagne Druck macht.
Die Frage nach der politischen Verlässlichkeit
In Schönberg am Kamp verschärft sich der Streit zusätzlich, weil offenbar ein Standort im Wald im Gespräch ist. Für FPÖ-Niederösterreich Energie- und Kommunalsprecher Dieter Dorner ist das eine rote Linie. Windräder im Wald würden nicht nur massiv in die Landschaft eingreifen, sondern auch Zufahrtswege, Rodungen, Fundamente und Leitungen nach sich ziehen. Aus einem Naturraum würde ein technisches Großprojekt. Genau davor warnen die Freiheitlichen seit Jahren. Das Waldviertel sei kein Industriegebiet, heißt es. Erneuerbare Energie brauche Hausverstand, klare Grenzen und Rücksicht auf Mensch und Natur.
Gleichzeitig wird der Ton in der öffentlichen Debatte rauer. Windkraft-Kritiker sehen sich zunehmend dem Vorwurf ausgesetzt, mit Falschinformationen oder Angstmache zu arbeiten. In internationalen Studien wird vor organisierten Anti-Windkraft-Kampagnen in sozialen Medien gewarnt, die mit Verschwörungstheorien Stimmung machen würden. Auch Österreich wurde in diesem Zusammenhang genannt, etwa mit Blick auf frühere Windkraft-Debatten in Kärnten. Für die FPÖ greift dieser Vorwurf jedoch zu kurz. Wer Bürgerproteste pauschal als Desinformation abstempelt, übergeht die echten Sorgen der Menschen: Lärm, Landschaftsbild, Eingriffe in Wälder, Wertverlust von Immobilien, Naturschutz und das Gefühl, bei Großprojekten zu spät gefragt zu werden.
Für die Freiheitlichen ist die Antwort eindeutig: Die bestehenden Windkraftzonen sind verbindlich, Projekte außerhalb dieser Bereiche gehören nicht durchgedrückt, und die Bevölkerung muss gehört werden. Gerade in sensiblen Regionen wie dem Waldviertel dürfe der Schutz der Heimat nicht hinter Energieinteressen zurückstehen. Die Menschen wollen Verlässlichkeit. Sie wollen wissen, dass politische Beschlüsse etwas zählen. Und sie wollen nicht eines Morgens aufwachen und feststellen, dass aus ihrem Schönberg am Kamp plötzlich ein Windkraftberg geworden ist.







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