Ich möchte korrekt missverstanden werden: Dass der 1. Mai von den Nazis zum gesetzlichen Feiertag erklärt wurde, ist ein albernes Argument für die Abschaffung desselben. So, damit ist das hoffentlich aus dem Weg geräumt.
Ansonsten klappt das Aus-dem-Weg-Räumen am 1. Mai nur leidlich. In meiner Heimatstadt Hamburg marschieren Linksextremisten des „Roten Aufbaus“ Jahr für Jahr ungestört durch die Stadt, eskortiert von einem Polizeiapparat, der die Steuern des Kapitals wie auch der deutschen Arbeiterschaft verschlingt: 2024 mussten 1.800 Beamte anrücken; Wasserwerfer, Räumpanzer, Reiterstaffel, Hubschrauber. Dass es dabei manchmal „nur“ zu „Pyrotechnik“ vom Dach der Roten Flora kommt, gilt der Hamburger Innenbehörde übrigens als Erfolg – als hätten wir uns am 1. Mai an den Ausnahmezustand als Normalzustand gewöhnt. In Berlin wurden 2025 aus einer pro-palästinensischen Demo heraus 13 Polizisten verletzt. Eine zarte Verbesserung gegenüber 2020, als man trotz Corona-Lockdown rund 20 verletzte Beamte zu beklagen hatte. Und ein glatter Erfolg wiederum gegenüber 2009, als 270 verletzte Polizisten und vier Anklagen wegen versuchten Mordes auf das Konto des 1. Mai gingen.
Feiertag der Arbeit – oder Freibrief für Gewalt?
Dass ausgerechnet der „Tag der Arbeit“ jene notorisch arbeitsscheuen Linken zur Hochform auflaufen lässt, die ihre Kriminalität im Gewand der Arbeiterehre zelebrieren, dürfte für die meisten deutschen Stadtbewohner das naheliegendste Argument für die Abschaffung dieses Feiertags sein. Wer arbeiten muss, kann weder Autos anzünden noch Polizisten prügeln noch Jagd auf Andersdenkende machen. Einem patriotisch gesinnten Bürger kann man ohnehin nur dringend abraten, sich am 1. Mai in einer deutschen Großstadt zu erkennen zu geben. Deutschland steht am 1. Mai unter der Gewalt der Linken. Es ist eine jährlich wiederkehrende linksideologische Landnahme, die ein Staat, der diesen Namen verdient, nicht hinnehmen darf.
Selbst wenn der 1. Mai aber nur ein friedlicher „Tag der Arbeiterbewegung“ und nicht der Internationale Kampftag der Arbeiterklasse wäre, sollte ihn kein Rechter zelebrieren. Gesetzliche Feiertage haben neben der Befreiung von Arbeit auch stets die Funktion, sinnstiftend für eine Nation zu sein. Darum feiern wir in einem zwar gottloser werdenden, aber weiterhin christlich geprägten Land Weihnachten und Ostern gleich mit mehreren Feiertagen und den 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit, an dem Deutschland nach der Pein jahrzehntelanger Teilung wieder in einem gemeinsamen Nationalstaat zusammenwuchs. Doch welchen Sinn stiftet uns der 1. Mai?
Der 1. Mai und seine marxistischen Grundlagen
Der 1. Mai ist ein kommunistischer Feiertag. Das ist kein bürgerlich-konservativer Verbalradikalismus, sondern das fairste Urteil, das man über diesen Tag fällen kann. Die von Marx im „Kapital“ entwickelte ökonomische und politische Theorie geht vom unversöhnlichen Gegensatz zwischen Kapital und Lohnarbeit aus. Damit ist nicht nur der prinzipiell mörderischen Doktrin des Klassenkampfes der ideologische Boden bereitet. Für einen Rechten noch gravierender ist, dass Marx damit die Einheit der Nation fundamental verleugnet. In der marxistischen Sicht ist eine Nation keine gewachsene, organische Einheit, die zwar unterschiedliche Schichten, Individuen und Interessen hat, welche aber im Sinne des Gemeinwohls durch Hegung, Ordnung und Rahmensetzung in einen konstruktiven Ausgleich zu bringen wären. Für Marx ist die Nation ein bloßes Konglomerat von Klassen aus dem gleichen geografischen Raum, die aufgrund der dem Kapitalismus innewohnenden Gesetzmäßigkeiten zum andauernden Kampf gegeneinander verdammt sind.
Aufrechte Marxisten würden das nicht nur bestätigen, sondern den 1. Mai sogar gegen die servile sozial- und christdemokratische Schönrednerei bundesrepublikanischer Prägung in Schutz nehmen. Sie würden auf die zynische Machtpolitik verweisen, die hinter der Erhebung des 1. Mai zum Feiertag durch die Nazis und seiner Beibehaltung durch die Bundesrepublik steht: Man wirft den Arbeitern einen freien Tag hin – ein Dreihundertfünfundsechzigstel der jährlich theoretisch abrufbaren Arbeitskraft – und beschwichtigt die Arbeiter damit, ohne ihnen je das Eigentum an den Produktionsmitteln zuzugestehen, um das es eigentlich geht.
Arbeiter gegen Nation: Die eigentliche Stoßrichtung
Aus rechter Sicht ist damit das eigentliche Problem klar benannt. Der 1. Mai feiert nicht den Arbeiter als ehrenvolles Glied der Nation, sondern den Arbeiter gegen die Nation. Er erhebt die Abspaltung einer Klasse, einer Schicht, eines Standes, ihre Interessen und ihren Stolz zum Feiertag des ganzen Landes.
Nun könnte man neunmalklug einwenden: Ein Proletariat, wie Marx es sich vorgestellt hat, gibt es längst nicht mehr. Stimmt – wobei Marxisten darauf hinweisen würden, dass der Widerspruch zwischen Kapital und Lohnarbeit fortbesteht, aber geschenkt. Denn ändert sich die toxische Grundidee dieses Feiertags, wenn nicht mehr der Arbeiter im Schweiße seines Angesichts in der Fabrik schuftet und vom örtlichen Parteisekretär eine rote Fahne in die Hand gedrückt bekommt, sondern wenn Arbeitnehmer, Gewerkschaftsfunktionäre und Berufsaktivisten am 1. Mai auf die Straße gerufen werden? Nicht wirklich.
Solidarität als Spaltungsprinzip
Die am 1. Mai gefeierte Solidarität ist nicht die Solidarität der Nation, die Staatsbürger sind keine Gleichen unter Gleichen, sondern es ruft der Klassenkampf – mal lauter, mal leiser, mal gewalttätig, mal nicht. Das Muster bleibt sich gleich: Frauenquoten, die Bevorzugung von Migranten beim Zugang zum Beamtendienst, muslimische Speisevorschriften an staatlichen Schulen – all das teilt das Volk in Gruppen mit unterschiedlichen Rechten und Ansprüchen, und es feiert diese Teilung, statt sie zu beklagen.
Diesem an Marx angelehnten Prinzip gilt es überall entgegenzutreten. Der rot-rot-grüne Senat hat im roten Berlin 2019 den Internationalen Frauentag zum gesetzlichen Feiertag erhoben. Und siehe da: Es ist dieselbe Gattung Feiertag wie der 1. Mai, nur in pink. Die historische Linie ist sogar dieselbe – auf den Frauentag hat sich die Zweite Internationale 1910 verständigt, auf Vorschlag der Kommunistin Clara Zetkin, deren Genossen wenige Jahrzehnte zuvor den 1. Mai erfunden hatten. Das Prinzip wiederholt sich: ein Tag, der nicht das Ganze feiert, sondern eine Teilgruppe gegen das Ganze in Stellung bringt und zum Kampf der Geschlechter ruft.
Es bedarf also deutscher Feiertage, die nicht im Dienste der sozialistischen Mottenkiste stehen, sondern mit denen sich alle Bürger identifizieren können, egal ob Arbeiter, Angestellte, Selbstständige, Unternehmer oder sogar Beamte. Diesen Feiertag gab es bereits: Bis zur Wiedervereinigung war der 17. Juni, der Tag des Volksaufstands von 1953 gegen die SED-Diktatur und sowjetische Besatzungsmacht, in Westdeutschland gesetzlicher Feiertag.
Der 17. Juni als nationaler Gegenentwurf
Der 17. Juni war und ist an Ehre groß. Er feiert das Aufbäumen des deutschen Volkes gegen Fremdherrschaft und Unterdrückung. Er ehrt die deutschen Arbeiter, die entgegen der Logik des Klassenkampfes die Vereinigung mit dem kapitalistischen Westen der Diktatur des Proletariats vorzogen. Er bringt brüderliche Wertschätzung zwischen West- und Ostdeutschen zum Ausdruck. Und er erinnert daran, dass die Freiheit des Deutschen kein Geschenk der Sieger, sondern ein Recht ist, für das deutsche Männer und Frauen mit bloßen Händen gegen sowjetische Panzer angetreten sind.
Der 1. Mai ist kein Feiertag der Nation, er ist der Feiertag einer Fraktion. Und solange er im Kalender steht, schreiben wir die Spaltung jedes Jahr aufs Neue fest. Der 17. Juni dagegen ist der Tag, an dem sich die Nation nicht spalten ließ. Holen wir ihn zurück!





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