Berlin. – Der jüngste Mikrozensus aus dem Jahr 2023 zeichnet ein deutliches Bild des demografischen Wandels in Deutschland: Bereits 43 Prozent der jungen Deutschen haben einen Migrationshintergrund – und der Anteil wächst den ausgewerteten Daten zufolge bislang jährlich um rund 0,6 Prozentpunkte. Dabei sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Herkunftsgruppen und deren Altersstruktur besonders auffällig, wie Sachbuchautor Tim Vollert in seiner Analyse zeigt.
Migrationshintergrund prägt junge Generation
Die Zahlen verdeutlichen, dass Kinder mit familiärer Einwanderungsgeschichte inzwischen einen erheblichen Anteil der jüngeren Bevölkerung ausmachen. Insgesamt leben demnach knapp vier Millionen Kinder im Alter von unter fünf Jahren in Deutschland. Davon besitzen rund 1,06 Millionen einen Migrationshintergrund. Die Differenz zu den oft genannten 40 Prozent erklärt sich jedoch auch durch gemischte Familienkonstellationen. Denn zusätzlich stammen mehr als 550.000 Kinder aus Beziehungen zwischen Deutschen und Migranten beziehungsweise Ausländern.
Syrer mit besonders hoher Kinderzahl
Besonders stark vertreten sind syrische Familien. Von den rund 1,27 Millionen Menschen mit syrischem Hintergrund sind 137.000 Kinder unter fünf Jahren. Damit liegt diese Zahl deutlich über der Zahl von Kindern türkischer Herkunft. Zugleich liege die Geburtenrate nur knapp unter 2,1.
Auch Ukrainer fallen durch ihre vergleichsweise junge Altersstruktur auf. Demnach stehen rund einer Million Menschen mit ukrainischem Hintergrund 65.000 Kinder unter fünf Jahren gegenüber. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich bei Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien: Auf 2,1 Millionen Personen entfallen dort rund 119.000 Kleinkinder.
Afghanen und Iraker mit hoher Geburtenrate
Auffällig niedrig erscheint dagegen der Anteil kleiner Kinder bei Menschen mit türkischem Hintergrund. Auf rund 2,5 Millionen Personen mit türkischer Migrationsgeschichte kommen lediglich 46.000 Kinder unter fünf Jahren. Als mögliche Erklärung wird genannt, dass Angehörige der dritten Generation statistisch oft nicht mehr als Migranten erfasst werden. Zum Vergleich: Unter den rund 1,3 Millionen Menschen mit russischem Hintergrund werden 48.000 Kinder unter fünf Jahren gezählt. Bei Menschen mit polnischer Herkunft liegt die Zahl der Kinder unter fünf Jahren bei 58.000 bei insgesamt 1,9 Millionen Personen.
Deutlich höhere Werte zeigen sich bei mehreren Gruppen aus dem Nahen Osten. So weist Afghanistan bei 471.000 Personen rund 36.000 Kinder unter fünf Jahren auf. Zwar liegt die Geburtenrate vorerst unter 2,1, allerdings sind viele Menschen erst in jüngerer Zeit eingewandert. Noch ausgeprägter erscheint die Entwicklung bei Irakern. Mit 393.000 Menschen und 37.000 Kindern unter fünf Jahren seien Iraker sehr geburtenstark, heißt es in der Analyse. Im direkten Vergleich dazu fällt der Iran deutlich niedriger aus. Dort stehen 311.000 Menschen lediglich 13.000 Kinder unter fünf Jahren gegenüber. Als möglicher Grund wird ein wesentlich höherer Bildungsgrad genannt.
Unterschiede zwischen asiatischen Gruppen
Auch bei den asiatischen Herkunftsgruppen zeigen sich erhebliche Unterschiede. Laut der Auswertung gilt die Gruppe der Inder als „die akademischste Gruppe“. Auf 258.000 Personen entfallen 18.000 Kinder unter fünf Jahren. Unklar bleibt hingegen die Entwicklung bei den Chinesen. Bei den Vietnamesen stehen wiederum 202.000 Menschen rund 9.000 Kindern unter fünf Jahren gegenüber. Auch hier wird darauf verwiesen, dass viele Angehörige bereits der dritten Generation angehören und früh die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hätten.
Vergleichsweise niedrige Werte zeigen sich zudem bei mehreren nordafrikanischen Gruppen. So werden bei 254.000 Menschen marokkanischer Herkunft etwa 18.000 Kinder unter fünf Jahren gezählt. Die Auswertung verweist darauf, dass auch in diesen Herkunftsländern die Geburtenraten rückläufig sind.







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