Berlin. – Mit Stefan Evers will die Berliner CDU in den Wahlkampf zur Abgeordnetenhauswahl 2026 ziehen. Die Kreisvorsitzenden der Partei sprachen sich für den Finanzsenator als Nachfolger von Kai Wegner aus. Der Politiker gehört seit Jahren zu den prägenden Köpfen der Berliner CDU und fällt innerhalb der Partei insbesondere durch seine Positionen in der Queerpolitik sowie durch sein Engagement für gesellschaftliche Vielfalt auf.
Offen homosexuell, seit Jahren queerpolitisch aktiv
Evers ist offen homosexuell und engagiert sich seit vielen Jahren in der LSU (Lesben und Schwule in der Union). Bereits 2015 setzte er sich innerhalb der Berliner CDU für die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare ein. Gemeinsam mit dem SPD-Abgeordneten Tom Schreiber legte er außerdem den politischen Grundstein für das später diskutierte Elberskirchen-Hirschfeld-Haus. Er bezeichnete die Bekämpfung queerfeindlicher Hasskriminalität als Schwerpunkt der Union und forderte 2017 mehr Videoüberwachung als Maßnahme gegen queerfeindliche Gewalt. Bereits 2016 wurde Evers als erster offen schwuler Generalsekretär der Berliner CDU gehandelt. Dem Berliner Abgeordnetenhaus gehörte er damals seit 2011 an und war dort von Beginn an Fraktionsvize. Zudem war er seit 2005 Vize-Landeschef der Lesben und Schwulen in der Union (LSU).
In einem Gastbeitrag für den Berliner Christopher Street Day im Jahr 2024 schilderte Evers im Tagesspiegel seinen persönlichen Werdegang innerhalb der CDU. Darin schrieb er: „Man kann sich vorstellen, dass man es als schwuler Politiker in der CDU seinerzeit noch etwas schwerer hatte als in anderen Parteien.“ Und weiter: „Nicht im Traum hätte ich mir vorstellen können, einmal selbst als schwuler Bürgermeister und Senator der Berliner Regierung anzugehören.“ Mit Blick auf die Entwicklung der LSU innerhalb der CDU betonte Evers außerdem, dass die Anerkennung der LSU als offizieller Teil der Partei für ihn das Ergebnis eines langen politischen Weges gewesen sei.
Teilnahme am Muslim Pride
Im Juli 2024 nahm Evers an der Veranstaltung „Muslim Pride“ in der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee teil. Dort wurde zum dritten Mal die Regenbogenflagge gehisst. Mit der Veranstaltung sollte insbesondere muslimischen Gläubigen vermittelt werden, dass sie sich nicht zwischen ihrem Glauben und ihrer sexuellen Orientierung entscheiden müssten. Laut der Berliner Senatskanzlei war die Moschee einer von drei Veranstaltungsorten des Muslim Pride weltweit.
Zudem ließ Evers anlässlich des Christopher Street Day (CSD) und des Internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit mehrfach Pride-Flaggen vor seiner Senatsverwaltung hissen. Darüber hinaus trat er in der queeren Talkshow „Margot Schlönzkes Schattenkabinett“ auf und pflegt laut Medienberichten ein entspanntes Verhältnis zur linken Berliner LGBT-Szene.
Unterstützung für CSD und Dialog mit der Community
Schon vor mehreren Jahren suchte Evers den Austausch mit der queeren Szene. Gemeinsam mit dem SPD-Abgeordneten Tom Schreiber lud er den damaligen CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt zum Berliner Christopher Street Day ein. Ziel sei gewesen, eine „sachliche Debatte“ über Homorechte zu führen und den Dialog zwischen Politik und Community zu fördern. Im Rahmen der CSD-Kampagne 2026 wurde Evers als Teilnehmer der „Queeren Wahlarena“ angekündigt. Dort soll er gemeinsam mit Spitzenpolitikern anderer Parteien über Demokratie, Vielfalt und die Zukunft queeren Lebens in Berlin diskutieren.
Erst kürzlich verteidigte Evers zudem die Teilnahme der Berliner Senatskanzlei mit einem eigenen Wagen am Christopher Street Day. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bezeichnete der Finanzsenator den CSD als Teil der „DNA Berlins“ und sprach sich ausdrücklich dafür aus, dass sich der Staat an der Veranstaltung beteiligt. Kritik aus der Opposition an den Kosten der Senatspräsenz wies er zurück und erklärte: „Der CSD steht für Vielfalt, Respekt und Menschenwürde. Dafür tritt unser Berlin sichtbar ein.“ Zu abweichenden Positionen innerhalb der CDU sagte Evers: „Die Union ist eine Volkspartei. Deshalb halten wir unterschiedliche Auffassungen aus.“ Zwar werde er wegen familiärer Verpflichtungen nicht persönlich am diesjährigen CSD teilnehmen, die Unterstützung durch den Senat verteidigte er jedoch ausdrücklich.
Glückwünsche für türkischstämmige Bürgermeisterin
Auch über die Queerpolitik hinaus hat sich Evers wiederholt zu Fragen gesellschaftlicher Vielfalt und Integration positioniert. Nach der Wahl von Emine Demirbüken-Wegner zur Bezirksbürgermeisterin von Reinickendorf im Jahr 2023 gratulierte er ihr öffentlich. Auf der Plattform X schrieb er: „Herzlichen Glückwunsch, liebe Emine! Nach der legendären Marlies Wanjura wieder eine Frau an der Spitze des Bezirks Reinickendorf - und die erste türkischstämmige Bürgermeisterin dort überhaupt. Glückwunsch zu dieser Wahl auch an die CDU!“





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