Berlin/Teheran. – Trotz massiver Einschränkungen an der deutschen Botschaft in Teheran wurden seit Sommer 2025 weiterhin Visa in großem Umfang an iranische Staatsangehörige vergeben. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervor, die FREILICH exklusiv vorliegt. Besonders auffällig ist, dass der Großteil der ausgestellten nationalen Visa nicht für sogenannte Fachkräfte, sondern für den Familiennachzug bestimmt war. Gleichzeitig räumt die Bundesregierung ein, dass die Arbeitsfähigkeit der Botschaft seit Jahren eingeschränkt ist.
Familiennachzug dominiert Visa-Vergabe
Die Zahlen aus der Antwort des Auswärtigen Amts zeigen, dass zwischen Juni 2025 und April 2026 deutlich mehr Visa für den Familiennachzug als für eine Erwerbstätigkeit vergeben wurden. Allein im Juli 2025 wurden 461 Visa für Familiennachzug erteilt. Auch in den Folgemonaten bewegten sich die Zahlen auf einem konstant hohen Niveau. Demgegenüber waren die Werte bei den klassischen Fachkräftevisa wesentlich niedriger. So wurden im selben Monat etwa 42 Visa für Fachkräfte mit akademischer Ausbildung und 24 Visa für die „Blaue Karte EU“ erteilt. Visa für Fachkräfte mit Berufsausbildung blieben meist im einstelligen Bereich.
Deutsche Botschaft Teheran seit Jahren unter Druck
Laut Angaben der Bundesregierung kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu Einschränkungen an der Botschaft in Teheran. Als Gründe nennt Berlin unter anderem Proteste im Iran, Konflikte im Land sowie eine von der iranischen Regierung angeordnete Verringerung des entsandten Personals. Die personelle Ausstattung wurde erheblich reduziert. So sank die Zahl der Beschäftigten von 153 zu Beginn des Jahres 2020 auf 124 im Februar 2026. Besonders stark betroffen war der Rechts- und Konsularbereich: Die Zahl der entsandten Mitarbeiter verringerte sich dort von 24 auf sechs.
Bundesregierung priorisiert Familiennachzug
In ihrer Antwort erklärt die Bundesregierung ausdrücklich, dass bei der Bearbeitung nationaler Visa vor allem gesetzliche Wertungen und „gesamtstaatliche Interessen“ maßgeblich seien. Beim Familiennachzug verweist sie auf den „besonderen grundgesetzlichen Schutz“ sowie auf entsprechende Ansprüche aus dem Aufenthaltsgesetz. Zwar werde auch die Erwerbsmigration priorisiert, insbesondere im Rahmen der Fachkräfteeinwanderung der Bundesregierung. Dennoch machen Visa zur Familienzusammenführung nach wie vor den größten Anteil aus.
Rathert kritisiert deutsche Migrationspolitik
Die AfD-Abgeordnete Anna Rathert sieht in den Zahlen einen grundsätzlichen Widerspruch der deutschen Einwanderungspolitik. „Die Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage zeigt ein grundlegendes Problem der deutschen Migrationspolitik: Die meisten Visa für iranische Staatsangehörige werden nicht für Fachkräfte, sondern für Familiennachzug erteilt“, so die Rathert gegenüber FREILICH. Gleichzeitig hätten qualifizierte iranische Fachkräfte oft kaum praktikable Möglichkeiten, überhaupt ein Visum zu beantragen, kritisiert sie. Das sei widersprüchlich. „Wer von Fachkräfteeinwanderung spricht, muss auch tatsächlich Fachkräfte gewinnen wollen“, erklärte Rathert weiter. Deutschland brauche eine Migrationspolitik, die sich am nationalen Interesse orientiere und dabei qualifizierte Einwanderung fördere, Fehlanreize begrenze sowie die Belastbarkeit der Sozialsysteme im Blick behalte.






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