Damaskus/Berlin. – Während mehrere europäische Staaten nach dem Sturz der Assad-Regierung bereits wirtschaftliche Kontakte zu Syrien aufgenommen haben, blieb Deutschland bei der Internationalen Messe in Damaskus außen vor. Belgien, Polen und Tschechien nutzten die Veranstaltung im vergangenen Jahr hingegen, um neue Geschäftsbeziehungen anzubahnen. Zwar setzt auch die Bundesregierung auf private Investitionen, konkrete Angaben zu ihrem finanziellen Engagement beim Wiederaufbau macht sie jedoch nicht.
Hunderte Unternehmen bei Wirtschaftsmesse
Die Internationale Messe in Damaskus fand Ende August 2025 nach einer sechsjährigen Unterbrechung erstmals wieder statt. An der 62. Ausgabe beteiligten sich mehr als 20 Länder, darunter Saudi-Arabien, Katar, die Türkei, Ägypten, Belgien, Polen und Tschechien. Auch die Europäische Handelskammer war vertreten. Laut dem damaligen Messeleiter Mohammad Hamza nahmen 225 ausländische Unternehmen sowie rund 725 syrische und weitere arabische Betriebe teil. Für die Wiederaufnahme der Messe waren zuvor umfangreiche Arbeiten an den jahrelang vernachlässigten Anlagen notwendig gewesen.
Mit der Veranstaltung wollte die neue syrische Führung ausländische Geschäftspartner gewinnen und die heimische Wirtschaft wieder stärker an internationale Märkte anbinden. Deutschland war nach Angaben der AfD-Bundestagsabgeordneten Anna Rathert jedoch nicht vertreten, obwohl die Bundesregierung den Sturz der Assad-Regierung über Jahre hinweg politisch unterstützt hatte.
Wiederaufbau Syriens soll 200 Milliarden Euro kosten
Wie groß der wirtschaftliche Bedarf in Syrien ist, geht aus einer Antwort des Auswärtigen Amtes auf eine schriftliche Anfrage Ratherts hervor, welche FREILICH exklusiv vorliegt. Staatssekretär Bernhard Kotsch beziffert die Kosten für den Wiederaufbau darin unter Berufung auf die Weltbank auf rund 200 Milliarden Euro. Nach Einschätzung der Bundesregierung reichen die Mittel des syrischen Staates und die Unterstützung internationaler Geldgeber nicht aus, um diesen zu finanzieren. Entscheidend seien daher stabile politische Verhältnisse, wirtschaftliches Wachstum und bessere Bedingungen für private Investoren. Auch deutsche Unternehmen könnten dabei eine Rolle spielen.
Angaben des Auswärtigen Amtes zufolge wurde bereits im Juli 2026 bei einer Sitzung des gemeinsamen Ausschusses zur Umsetzung des deutsch-syrischen Aktionsplans über entsprechende Investitionsmöglichkeiten gesprochen. Eine konkrete Summe, mit der sich Deutschland am Wiederaufbau beteiligen will, nennt die Bundesregierung allerdings nicht. Aus der Antwort geht außerdem hervor, dass das Sekretariat einer früheren internationalen Arbeitsgruppe für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Syriens inzwischen aufgelöst wurde.
AfD fordert Rückkehr durch Investitionen
In diesem Zusammenhang kritisiert Rathert, dass andere europäische Staaten die wirtschaftlichen Möglichkeiten in Syrien bereits nutzen, während Deutschland diese Gelegenheit verstreichen ließ. Ein stärkeres Engagement deutscher Unternehmen könnte aus ihrer Sicht nicht nur dem Wiederaufbau dienen, sondern auch die Rückkehr syrischer Flüchtlinge ermöglichen: „Deutsche Unternehmen können durch ihre Investitionen die Bedingungen schaffen, dass eine massenhafte Rückkehr der Syrer in ihr Heimatland zwecks Wiederaufbau erfolgen kann.“ Die Abgeordnete sieht deshalb die Bundesregierung in der Pflicht, entsprechende Schritte einzuleiten.





Kommentare
Sei der Erste, der einen Kommentar hinterlässt!