Haben Sie von der geschichtswissenschaftlichen Sensation gehört, dass Kaiser Otto der Große tatsächlich in einem Sarkophag in Magdeburg liegt? Nein? Dann haben Sie wohl auch die neuerliche Beisetzung dieses bedeutenden mittelalterlichen Herrschers verpasst. Wenn dem so sein sollte, sind Sie nicht allein. Der Umgang mit dem Gedenken an große Persönlichkeiten unserer Geschichte zeigt sich mustergültig an dem ersten sächsischen Kaiser. Kurz: es ist eine Farce und völlig unwürdig!
Aber der Reihe nach. Was ist passiert? 2024 entdeckte man Risse im Kalkstein-Sarkophag Ottos im Magdeburger Dom, wo der Liudolfinger nebst seiner geliebten angelsächsischen Frau Edgitha, die bereits 946 verschied, begraben liegt. Grund dafür waren vermutlich unsachgemäße Reparaturversuche aus dem Jahr 1844. Entsprechend mitgenommen war der darin aufbewahrte Holzsarg, der, wie sich herausstellte, allerdings aus dem frühen 13. Jahrhundert stammt, was auf eine Umbettung der Toten nach Fertigstellung des neu errichteten Magdeburger Doms zurückzuführen ist. Man vermutet, dass Otto die zwei Jahrhunderte zuvor in Tuch gewickelt direkt im Steinsarkophag beigesetzt worden war. Jedenfalls war 2024 klar, dass Kaiser Otto einen neuen Sarg benötigt. Und wenn man schon die Totenruhe des Kaisers stört, kann man dies gleich auch für wissenschaftliche Untersuchungen nutzen, dachte man sich wohl.
Gewissheit über die Gebeine des Kaisers
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind durchaus sensationell. Wir wissen nun mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass dort im Magdeburger Dom tatsächlich der große Kaiser liegt. Er war wohl auch physisch groß, da seine Gebeine auf eine Körpergröße von etwa 1,78 Meter schließen lassen, was in etwa zehn Zentimeter mehr als der damalige Durchschnitt gewesen sei. Zudem, so die Ergebnisse der Untersuchung, sei der 60-Jährige muskulös gewesen, hatte aber leichte Arthrose und Läsuren am Hinterkopf sowie drei fehlende Zähne. Die Läsuren sind vermutlich Spuren der Kämpfe Ottos. Vielleicht sogar von der berühmten Schlacht auf dem Lechfeld 955, die ihm das Epitheton „der Große“ eingebracht hatte.






