Wenn es ein zentrales Anliegen meiner Kolumne „Hörsaalgeflüster” im Akademischen Leben gibt, dann ist es die Verbreitung und argumentative Untermauerung folgender These: Rechte Kräfte dürfen und können sich nicht den Hauch einer Illusion über die tatsächlichen Machtverhältnisse in der hochschulpolitischen Landschaft der Bundesrepublik, Österreichs und weiten Teilen des globalen Westens erlauben. Wer auch immer öffentlich rechts oder konservativ konnotiert ist und innerhalb des akademischen Lehrbetriebs arbeitet, muss mit dem erbarmungslosen Widerstand der linksliberalen Hegemonie an den Hochschulen rechnen, der auch vor der persönlichen und bürgerlichen Existenz des „Delinquenten” keinen Halt macht. Auch auf die Gefahr hin, redundant zu klingen: Dies ist ein politisches Problem höchster Rangordnung. Einfluss auf die Universitäten ist unverzichtbar für jede Bewegung, welche die kulturelle und politische Hegemonie innerhalb eines Landes nachhaltig und effektiv verändern will.
Man muss nämlich kein Anhänger der Elitentheorie sein, um zu konstatieren, dass der Ort, den fast alle späteren gesellschaftlichen Schalter und Walter – seien es Manager, Journalisten oder Anwälte – für mehrere Jahre besuchen, um eine hochangesehene Qualifikation zu erwerben, das Zeitgeschehen massiv beeinflusst. Die meisten Leute werden zudem oftmals erst an der Universität mit Politik konfrontiert: Sei es durch die stetig enervierender sich in den Vordergrund des universitären Alltags spielenden Hochschullisten, oder durch den simplen Umstand, dass eigentlich gar kein Studiengang mehr ohne deutlich ideologisch eingefärbte Inhalte wie Gender-Sprache, Klima-Tage oder Diversity-Aktionen auskommt. So weit, so altbekannt: Ich maße mir keineswegs an, dies als erster so erkannt und beschrieben zu haben; tatsächlich führe ich dies nur nochmal so aus, weil sich vor kurzem an einer deutschen Universität etwas zugetragen hatte, das mich im Kontext der obigen Ausführungen stark verwunderte.
Vorlesung gegen die „Trans-Ideologie“
Denn Ende des vergangenen Julis hielt Ute Bayen, selbst Professorin für Psychologie, an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf einen Vortrag zum Thema „Trans-Identität”, der es allem Anschein nach in sich hatte. In einem privaten Epost-Verteiler kündigte Bayen die Vorlesung unter anderem wie folgt an: „Trans-Ideologie ist wissenschaftlich nicht haltbar, verbreitet falsche Vorstellungen über die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und gefährdet diese Entwicklung. Das werde ich in dieser Vorlesung erklären.“
Augenscheinlich handelte es sich bei dem Vortrag inhaltlich um einen frontalen Angriff auf eines der wichtigsten Ideologeme der herrschenden linksliberalen Meinungshoheit – nämlich die immer bizarrere Volten schlagende Lehre von der Transsexualität. Dies allein ist etwas, was ziemlich beachtenswert ist – aber auch die aggressive, ja kämpferische Diktion der Professorin sticht ins Auge. Aber was nun geschieht, macht die gesamte Angelegenheit zum hochgradig interessanten Politikum.
Die Vorlesung ruft organisierten Widerstand hervor
Zunächst läuft alles so, wie jeder, der nähere Erfahrungen mit dem akademischen Betrieb sammeln durfte, es wohl voraussagen hätte können: Linke Hochschulgruppen bekommen Wind von der Angelegenheit, skandalisieren den Vortrag und mobilisieren einen durchaus beachtlichen Protest. Bayens Aussagen seien „nicht nur menschenfeindlich, sondern auch wissenschaftlich falsch” – so heißt es im Demo-Aufruf (Instagram), den nicht zuletzt eine schein-konservative Ansammlung von politischen Opportunisten, namentlich der „Ring Christlich Demokratischer Studenten“, verbreitete – dies ist die Hochschulgruppe der CDU. Die eingangs beschriebene Strategie des organisierten Widerstands lief also entsprechend bereits auf Hochtouren – noch bevor die Vorlesung überhaupt gehalten wurde.
Universitäts-Rektorin stärkt Bayen den Rücken
Dennoch konnte der Vortrag Bayens stattfinden. Einige Tage später schaltete sich dann die Hochschulleitung in Person der Universitäts-Rektorin Anja Steinbeck ein und stellte sich ausdrücklich hinter Bayen. Man habe sich gegen die Forderung nach Absage des Vortrags gestellt, denn, so führt Steinbeck aus, die Universitäten sei ein Raum des „offenen Diskurs(es)“ und es herrsche „Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit“, weshalb es „nicht akzeptabel (sei), jemanden im Vorfeld zum Schweigen zu bringen.“
Nun weiß jeder, der beispielsweise während der Coronapandemie ein wenig die wissenschaftliche Debatte etwa hinsichtlich der angeblichen Mortalität des Virus oder der Wirksamkeit der Impfstoffe beobachtet hatte, wieviel die „Wissenschaftsfreiheit“ in der Bundesrepublik noch zählt. Dass Universitäten zudem längst kein Raum mehr für offenen Diskurs, sondern streng linke Echokammern sind, geht nicht zuletzt aus dem Umgang mit Bayens Vortrag hervor. Dennoch: Das Handeln und die Aussage der Rektorin Steinbeck wundern mich; ich hätte mit der Absage des Vortrags und weiteren Konsequenzen für die Professorin Bayen gerechnet, denn dies allein läge in der Logik der linken Machtarchitektur an den Universitäten. Was also bedeutet dies nun?
Das Ende der linken Universität?
Um richtig einzuordnen, was hier eigentlich passiert ist, ist es notwendig, sich vor Augen zu halten, dass Professoren (und insbesondere solche in leitender Funktion wie die Rektorin Anja Steinbeck) zu einem gewissen Anteil Politiker sind. Nicht umsonst werden Dekane und Rektoren gewählt – wer das politische Parkett von Senat, Hochschul- und Fachbereichsrat nicht adäquat im Sinne von kluger Netzwerk- und Überzeugungsarbeit bespielen kann, hat demnach keine Chancen auf Erfolg. Allein deshalb ist die öffentliche Unterstützung Bayens durch Steinbeck ein Politikum: Erstmals erhalten von der linken Hegemonie abweichende Meinungen die institutionelle Unterstützung einer Universität.
Ist das nun der Anfang vom Ende der linken Universität? Das wäre zu hoch gegriffen. Das Beispiel von Ute Bayen und Anja Steinbeck ist schließlich zumindest nach meinem Kenntnisstand ohne Vorbild; und nach wie vor ist fast jedes gewichtige Hochschulgremium durchsetzt mit linken Ideologen. Dennoch ist die Überraschung für mich, der die deutsche Hochschullandschaft nunmehr seit vielen Jahren beobachtet, sehr erfrischend. Mal sehen, wie es weiter geht an der Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf!

Kommentare
Sei der Erste, der einen Kommentar hinterlässt!