Am 18. Juni 2026 verstarb ein herausragender Vertreter des waffenstudentischen (Dritten) Lagers in Österreich: Herwig Nachtmann. Als drittes von sieben Kindern eines Apothekers am 4. August 1940 in Innsbruck geboren waren seine Kindheit und Jugend von Entbehrungen und Arbeit geprägt. Denn sein Vater verlor nach dem Krieg sein Vermögen und damit auch seine Existenz. Das bedeutete für den jungen Herwig bereits mit zwölf Jahren Ferialarbeit als Kuhhirte, sodann als Tellerwäscher und Bauhilfsarbeiter. Schließlich fuhr er sogar zur See, um Geld zu verdienen.
Frühe Prägung durch das Korporationswesen
Schon als Schüler der Handelsakademie stieß er zu einer Korporation, nämlich zur Jungburschenschaft Grenzmark, deren Gründungsfux er wurde. Als Student trat er der Innsbrucker akademischen Burschenschaft Brixia bei, der schon sein Vater und Onkel angehörten. Sein Studium schloss er mit dem akademischen Grad eines Diplom-Volkswirts ab.
Als Kommilitone in Innsbruck erlebte er hautnah den Freiheitskampf der Südtiroler mit, die sich Anfang der 1960er-Jahre gegen die Italianisierung an Etsch und Eisack wandten. Der junge Herwig wollte da nicht abseits stehen und half seinen Landsleuten südlich des Brenners mit Rat und Tat. Als Mitglied des „Befreiungsausschuss Südtirol“ (BAS) um Norbert Burger musste er sich mit mehreren Kameraden in Graz vor einem Schwurgericht verantworten. Die Geschworenen sprachen jedoch alle Angeklagte aufgrund eines rechtfertigenden Notstandes in Bezug auf das Geschehen in Südtirol frei. 1970 wurde Herwig Nachtmann von einem Florentiner Gericht in Abwesenheit verurteilt. Aus Angst vor einer Auslieferung an Italien durch die Republik Österreich bzw. Repressionen durch sein Heimatland verbrachte er zwei Jahre in der Bundesrepublik Deutschland.
Verleger und streitbarer Kulturkämpfer
Ab der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre war Nachtmann in Graz ansässig, wo er die Geschäftsführung des Aula-Verlages übernahm. Diese Tätigkeit übte er bis zu seiner Pensionierung im Sommer 2004 aus. Dabei hatte er zeitweilig auch die Schriftleitung der Monatsschrift Die Aula inne. Erste Aufmerksamkeit in der regionalen Presse und darüber hinaus erregte er als Vorsitzender der Grazer „Bürgerinitiative gegen Religionsverhöhnung, öffentliche Perversität und Steuergeldverschwendung“. So protestierte er 1981 gegen eine von der öffentlichen Hand finanzierte Ausstellung des Aktionisten Hermann Nitsch in Grazer Kulturhaus. Darin wurden etwa als Kunst gebrauchte Damenbindungen zur Schau gestellt, mit denen goldene Monstranzen umgeben waren. Außerdem wurde der Papst verhöhnt und Jesus zum Schwulen stilisiert. Kurzerhand kippte Herwig Nachtmann mit einem Traktor eine Fuhre Mist vor das Kunsthaus, um dagegen öffentlichkeitswirksam zu protestieren.
Eine weitere Aktion des leidenschaftlichen Kulturkämpfers war das 1983 durch ihn veranlasste Verbot des blasphemischen Films von Herbert Achternbusch mit dem Titel „Das Gespenst“, in dem Jesus als hurender Barmixer verunglimpft wurde.
Volkstumsarbeit, Publizistik und politische Kontroversen
Nachtmann war aber auch in der Volkstumsarbeit engagiert und beteiligte sich an zahlreichen Hilfsaktionen für deutsche Minderheiten in Europa, so zum Beispiel im Banat und in Siebenbürgen. Den Aufstieg Jörg Haiders verfolgte er nach anfänglicher Euphorie mit kritischer Distanz. Denn für den überzeugten Deutschnationalen war Haiders Abschied von der „Deutschtümelei“ ein Sündenfall.
Nach seiner Pensionierung 2004 blieb Nachtmann der Publizistik erhalten. Er übernahm 2005 die Schriftleitung der Burschenschaftlichen Blätter, die er bis 2008 innehatte. Zeitlebens litt er darunter, nicht ins südliche Tirol reisen zu können, da ihm, dem die Landeseinheit von Kufstein bis Salurn am Herzen lag, aufgrund seiner Verurteilung als Südtirol-Aktivist 1970 sonst die Verhaftung gedroht hätte. 2009 nahm er, der mit seiner hohen Stirn und dem grauen Vollbart an den Freiheitshelden Andreas Hofer erinnerte, am Landesfestumzug in Innsbruck teil. Dabei trug er ein Transparent mit der Aufschrift „Wir Tiroler fordern LANDESEINHEIT. LOS VON ROM“. Der Südtiroler Heimatbund (SHB) würdigte Nachtmann in einem im Juni erschienenen Nachruf als Freiheitskämpfer.
Ein Leben im Dienst der Korporation
Herwig Nachtmann war leidenschaftlicher Korporierter. Neben seiner Mitgliedschaft bei seiner Brixia war er Inhaber von sechs pennalen Bändern (JB! Grenzmark Innsbruck, p.B! Anton Wallner Saalfelden, p.c.B! Allemannia et Nibelungia Graz, p.c.B! Hans Steinacher Völkermarkt, Eisenstädter B! Markomannia, p.c.V! Vandalia Innsbruck) sowie Ehrenbandträger des Österreichischen Pennäler Rings (ÖPR).
Der Verstorbene hinterlässt vier Kinder und zahlreiche Enkelkinder. Seinen Verwandten, Freunden, Bundes- und Waffenbrüdern bleibt Herwig Nachtmann als geradliniger Zeitgenosse in Erinnerung, dem Leisetreterei, Opportunismus und Taktiererei fremd waren und der sich stets als überzeugter Deutschnationaler empfand.
Fiducit!



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