Die Flugabgabe entwickelt sich immer mehr zu einem hausgemachten Wettbewerbsnachteil für den Wirtschaftsstandort Österreich. Besonders betroffen ist Niederösterreich. Denn nur rund 55 Kilometer vom Flughafen Wien-Schwechat entfernt liegt mit Bratislava ein direkter Konkurrent, der Airlines und Passagieren deutlich günstigere Rahmenbedingungen bietet. Für LH-Stellvertreter und Verkehrslandesrat Udo Landbauer (FPÖ) ist deshalb klar: Die Flugabgabe muss weg.
FPÖ fordert Abschaffung der Flugabgabe
Im niederösterreichischen Landtag wurde am vergangenen Donnerstag mit einem Dringlichkeitsantrag zur Abschaffung der Flugabgabe der Druck auf die Bundesregierung weiter erhöht. Die Forderung ist eindeutig: Österreich soll aufhören, seinen eigenen Flughafen durch zusätzliche Belastungen künstlich zu verteuern und damit Passagiere, Airlines, Arbeitsplätze und Wertschöpfung ins Ausland zu treiben. „Wenn ein Flughafen nur 55 Kilometer entfernt um ein Drittel günstiger ist, dann braucht es keine weiteren Belastungen, sondern endlich eine vernünftige Standortpolitik“, kritisiert Landbauer. Die derzeitige Entwicklung sei ein Warnsignal für Österreich und insbesondere für die Flughafenregion. Während andere europäische Staaten ihre Flugabgaben teilweise wieder abgeschafft hätten, hält Österreich an einer Belastung von zumindest zwölf Euro pro Passagier fest, auf bestimmten Kurzstrecken sind es sogar bis zu 30 Euro.
Landbauer spricht deshalb von einem „Arbeitsplatzprogramm für Bratislava“. Denn wenn Airlines ihre Maschinen und Verbindungen dorthin verlagern, verschwänden nicht nur Starts und Landungen von Wien-Schwechat. Mit jedem Passagier, der über Bratislava fliegt, wandere auch Wertschöpfung ab. Hotels, Gastronomie, Handel, Verkehrsbetriebe und zahlreiche Zulieferunternehmen seien von einem starken Flughafenstandort abhängig.
Wien verliert Passagiere
Die Zahlen sind alarmierend. Der Flughafen Wien-Schwechat rechnet heuer mit rund zwei Millionen Passagieren weniger als im Vorjahr. In den ersten neun Monaten 2026 ging das Passagieraufkommen um 4,5 Prozent auf rund 23,48 Millionen Passagiere zurück. Gleichzeitig legte der Flughafen Bratislava beim Passagieraufkommen um beinahe 100 Prozent zu. Der kleinere Nachbarflughafen wird damit zunehmend zum Profiteur jener Standortpolitik, die Wien und Österreich schwächt. „Die Passagiere fliegen deshalb nicht weniger, sondern weichen einfach auf andere Flughäfen aus. Damit wird nicht das Klima gerettet, sondern Wertschöpfung aus Österreich vertrieben“, warnt Landbauer. Genau darin liege der Widerspruch der derzeitigen Politik. Wenn ein Passagier statt von Wien von Bratislava abfliege, werde kein Flug verhindert. Der wirtschaftliche Nutzen finde lediglich anderswo statt.
Auch der niederösterreichische FPÖ-Wirtschaftssprecher Dieter Dorner fordert deshalb die Abschaffung der Flugabgabe. „Es geht um Arbeitsplätze in NÖ, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes“, betont Dorner. Der Staat dürfe sich nicht ausschließlich fragen, wie viel eine Steuer kurzfristig einbringe. Entscheidend sei auch, welchen Schaden eine solche Belastung für den Wirtschaftsstandort verursache. Noch deutlicher formuliert es der niederösterreichische FPÖ-Verkehrssprecher Hubert Keyl mit Blick auf die am Flughafen Wien und in der Airport City rund 23.000 arbeitenden Menschen in mehr als 250 Unternehmen. „Hinter diesen Zahlen stehen Facharbeiter, Techniker, Angestellte und Familien. Für sie ist die Wettbewerbsfähigkeit dieses Standortes eine Frage ihrer Zukunft“, so Keyl.
Flughafen als wichtiger Wirtschaftsfaktor
Für Niederösterreich geht es daher um mehr als eine einzelne Steuer. Der Flughafen Wien-Schwechat gilt als wirtschaftliches Kraftzentrum für die gesamte Region. Ein konkurrenzfähiger Flughafen sichere Arbeitsplätze, internationale Verbindungen und Wertschöpfung. Landbauer verweist in diesem Zusammenhang auch auf die UVP-Einreichung für die B260, mit der die Verkehrsinfrastruktur in der Flughafenregion verbessert und ein zusätzlicher Impuls für die Wirtschaft gesetzt werden soll. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Bundesregierung. „Herr Marterbauer verwaltet das Geld der Bürger, aber es ist nicht sein Geld“, sagt Keyl. Eine notwendige Budgetsanierung dürfe kein Freibrief für jede neue Belastung sein. Denn ein ausgeglichenes Budget brauche auch eine Wirtschaft, die morgen noch genügend Einnahmen erwirtschafte.
Die Botschaft aus Niederösterreich ist damit eindeutig: Wer den Flughafen Wien künstlich verteuert, schwächt nicht nur einen Verkehrsknotenpunkt, sondern einen wichtigen Teil des Wirtschaftsstandortes. Die Flugabgabe sei deshalb kein wirksames Klimainstrument, sondern vor allem ein Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz unmittelbar hinter der Grenze. „Die Bundesregierung muss endlich aufwachen und die Flugabgabe ersatzlos streichen“, fordert Landbauer. Österreich brauche keine Strafabgaben, die den eigenen Standort ausbremsen. „NÖ braucht einen starken Flughafen. Österreich braucht eine wettbewerbsfähige Wirtschaft.“
Die FPÖ Niederösterreich will daher den Druck auf die Bundesregierung weiter erhöhen. Denn wenn Österreich seinen eigenen Flughafen belastet, während Bratislava wenige Kilometer hinter der Grenze massiv wächst, ist das aus Sicht der Freiheitlichen keine erfolgreiche Standortpolitik, sondern eine Einladung an Airlines, Passagiere und Wertschöpfung, künftig woanders abzuheben.






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