Paris. – Seit Tagen halten gewaltsame Ausschreitungen in Frankreich die Polizei in Atem. Geschäfte werden geplündert, Schaufenster eingeschlagen und Einsatzkräfte angegriffen. Während die Sicherheitsbehörden versuchen, die Lage unter Kontrolle zu bringen, wird über die Ursachen der Gewalt gestritten. Ein Spiegel-Korrespondent weist einen Zusammenhang mit der Herkunft vieler Beteiligter als rassistisch zurück. Andere Stimmen ziehen Parallelen zur Französischen Revolution oder verweisen sogar auf eine mögliche Einflussnahme Russlands.
Spiegel-Korrespondent spricht von „purem Rassismus“
In seinem Kommentar beschäftigt sich Spiegel-Korrespondent Leo Klimm mit den Hintergründen der Ausschreitungen. Als mögliche Ursachen nennt er vor allem Probleme im französischen Bildungssystem, mangelnde berufliche Perspektiven sowie das angespannte Verhältnis zwischen Jugendlichen und Polizei. Dass auch die Einwanderungsgeschichte zahlreicher Beteiligter bei der Entstehung gewaltbereiter Milieus eine Rolle spielen könnte, weist Klimm hingegen zurück. Er bezeichnet entsprechende Erklärungsversuche als „rassistische Lüge“. Wer die Ausschreitungen mit „migrantischer Gewalt“ in Verbindung bringe, bediene sich demnach „purem Rassismus“. Die Ursachen der Unruhen verortet Klimm ausschließlich innerhalb der französischen Gesellschaft. Es handele sich um ein „zu 100 Prozent hausgemachtes Problem“.
Zur Einordnung der aktuellen Ausschreitungen verweist Klimm auf frühere Protestbewegungen in Frankreich. Neben den „Gelbwesten“ führt er auch die „überaus biofranzösischen“ Revolutionäre des Jahres 1789 an. Eine ähnliche Argumentation vertritt Holger Onken, Co-Landesvorsitzender des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in Niedersachsen. Auf X schreibt er: „Rassisten versuchen, die Proteste in Frankreich zu ethnisieren. Das sind aber ähnliche Bilder wie bei der Revolution 1789, nur mit Internet. Was war damals die ethnische Komponente? Genau. Die spielt auch heute keine Rolle.“
Plünderungen und Palästina-Parolen
Ein weiterer Streitpunkt sind die politischen Botschaften, die während der Ausschreitungen verbreitet werden. Klimm misst pro-palästinensischen Parolen keine größere Bedeutung für die Ursachen der Gewalt bei. Seiner Darstellung zufolge stehen bei zahlreichen Beteiligten vielmehr materielle Interessen im Vordergrund.
Eine weitere Erklärung bringt der FAZ-Redakteur Reinhard Bingerer ins Spiel. Auf X verweist er auf russische Einflussoperationen, die seiner Darstellung zufolge unterschiedliche politische Lager gleichermaßen betreffen. „Es ist übrigens nachgewiesen, dass der Kreml nicht nur rechte Islamhasser fördert, sondern auch linke, migrantische Israelfeinde unterstützt. Hybride Akteure nutzen beide Seiten, um maximale Destabilisierung zu erreichen. Just saying.“
Unterdessen räumte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez im Zusammenhang mit den schweren Ausschreitungen vom Wochenende einen „Kontrollverlust“ ein und bot Präsident Emmanuel Macron seinen Rücktritt an. Macron lehnte jedoch ab und verwies auf die „notwendige Kontinuität bei der Führung der Sicherheitskräfte“. Zugleich kritisierte Macron „Versäumnisse“ bei der Vorbereitung der Polizeieinsätze und der Informationsbeschaffung. Nuñez soll nun rasch neue Maßnahmen gegen Plünderungen ausarbeiten. Im Zuge der landesweiten Unruhen wurden Tausende Menschen festgenommen.







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