Die Stadt Groß-Gerau wird auf dem rund 14 Hektar großen Gelände „Im Lausböhl“ im Stadtteil Dornheim kein neues Rechenzentrum zulassen. Ausschlaggebend für die Ablehnung des Milliardenprojekts waren laut Medienberichten vor allem sicherheitsrelevante Risiken und die befürchtete Verschärfung der lokalen Hitzebelastung. „Die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung ist richtungsweisend für die zukünftige Entwicklung digitaler Infrastruktur, die Nutzung städtischer Ressourcen und die strategische Flächenentwicklung der Kreisstadt“, heißt es in einer Analyse der Stadtverwaltung.
Mit 18 zu 14 Stimmen wies die Stadtverordnetenversammlung das 2,5-Milliarden-Euro-Projekt des US-Unternehmens Vantage Data Centers zurück. Für das Vorhaben stimmten CDU und Kombi-FWG, dagegen votierten SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler und Linke.
Rechenzentrum als potenzielles Terrorziel
In der Bewertung der Stadt spielten Sicherheitsaspekte eine zentrale Rolle. Kritisch gesehen wurde insbesondere, dass ein Rechenzentrum dieser Größenordnung neue Gefahrenlagen schaffen könnte. Als besonderes Risiko galt, dass ein so großes Rechenzentrum potenziell angreifbar für Terrorismus, Cyberangriffe und hybride Bedrohungen sei und eine Belastung für die lokale Katastrophenvorsorge darstelle. Damit rückten nicht wirtschaftliche Versprechen, sondern Fragen der inneren Sicherheit und der kommunalen Vorsorge in den Mittelpunkt der Entscheidung.
Neben der Sicherheitslage wurden auch die klimatischen Auswirkungen als schwerwiegend eingestuft. Die geplanten Gebäudeblöcke mit einer Höhe von bis zu 30 Metern hätten laut Einschätzung der Verwaltung den natürlichen Luftaustausch beeinträchtigt und die Hitzebelastung im Stadtgebiet erhöht. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass die entstehende Abwärme nur dann sinnvoll genutzt werden kann, wenn die Stadt selbst zusätzliche Investitionen tätigt.
US-Unternehmen reagiert zurückhaltend
Gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärte Vantage Data Centers, man respektiere das Votum der Stadtverordnetenversammlung und werde nun das weitere Vorgehen prüfen. Das Unternehmen hatte das Gelände, das zuvor von der Automobilspedition ARS Altmann genutzt wurde, bereits erworben.
Die Metropolregion Frankfurt ist das größte Rechenzentrumscluster Deutschlands. Laut dem Branchenverband Bitkom sind hier mehr als ein Drittel aller Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von über 1.100 Megawatt angesiedelt (Stand: 2025).





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