Logo von FREILICH Magazin
Politik

Söders 10-Milliarden-Versprechen aus den Emiraten: Nur heiße Luft?

Große Hoffnungen, aber noch keine verbindlichen Zusagen: Die angekündigten Milliardeninvestitionen aus den Emiraten stehen bislang nur auf dem Papier. Welche Unternehmen profitieren und wann konkrete Projekte starten könnten, bleibt unklar.

Von
Markus Söder setzt große Hoffnungen in die angekündigten Milliardeninvestitionen aus den Emiraten.
Markus Söder setzt große Hoffnungen in die angekündigten Milliardeninvestitionen aus den Emiraten. (Bild: IMAGO / Sven Simon)

München. – Zehn Milliarden Euro aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sollen der bayerischen Wirtschaft zugutekommen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verspricht sich davon neue Aufträge und wirtschaftlichen Aufschwung. Doch bislang stehen hinter der Milliardenankündigung vor allem Absichtserklärungen. Ob das Geld tatsächlich fließt, ist laut Medienberichten noch offen.

Wie BR24 berichtet, wurde beim Deutsch-Emiratischen Wirtschaftsforum im Münchner Hotel Bayerischer Hof eine umfangreiche Investitionsoffensive angekündigt. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen insgesamt 40 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Davon soll ein Viertel auf Bayern entfallen.

Bislang nur eine Absichtserklärung

Die Grundlage für die angekündigten Milliardeninvestitionen ist eine Vereinbarung, die Wolfram Hatz, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), mit einem Vertreter der Emirate unterzeichnete. Medienvertreter waren bei der Unterzeichnung nicht zugelassen. Eine verbindliche Investitionszusage ist damit allerdings noch nicht verbunden. Es handelt sich vielmehr um eine Absichtserklärung, mit der die Emirate ihr grundsätzliches Interesse an Beteiligungen in Bayern bekunden.

Laut Hatz bedeutet die Vereinbarung, dass die VAE vorhaben, sich an Unternehmen, kleinen Unternehmen, KMU und Start-ups zu beteiligen. Welche Unternehmen konkret von den angekündigten zehn Milliarden Euro profitieren könnten und wann die ersten Gelder tatsächlich bereitgestellt werden, blieb zunächst unklar. Auch zur Aufteilung der Investitionssumme auf die einzelnen Branchen wurden keine verbindlichen Angaben gemacht.

KI-Rechenzentren und Rüstungsindustrie im Fokus

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach im Anschluss an das Wirtschaftsforum von insgesamt 30 Absichtserklärungen zwischen deutschen und emiratischen Partnern. Neben Unternehmensbeteiligungen würden demnach auch größere Industrievorhaben diskutiert. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz in Bayern. Die dort ansässigen Industrieunternehmen verfügen über große Datenmengen, die künftig verstärkt für automatisierte Produktionsprozesse und KI-Anwendungen genutzt werden könnten. „Hier liegt eine große Chance“, erklärte Reiche.

Zu den weiteren möglichen Investitionsfeldern zählen die Energieversorgung, die chemische Industrie, die Luft- und Raumfahrt sowie die Verteidigungswirtschaft. Konkrete Finanzierungsvereinbarungen für diese Projekte wurden bei dem Treffen allerdings nicht bekannt gegeben. Aus Sicht der Bundesregierung könnte eine Zusammenarbeit beiden Seiten Vorteile bringen. Deutschland verfügt über etablierte Industriebetriebe, Forschungseinrichtungen und junge Technologieunternehmen, die Emirate über erhebliche finanzielle Mittel und wirtschaftliche Verbindungen zu zahlreichen außereuropäischen Märkten.

Söder erwartet Aufträge und Wirtschaftswachstum

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder begrüßte die angekündigte Kapitaloffensive. Angesichts der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage setzt der CSU-Chef auf zusätzliche Investitionen aus dem Ausland. „Das bringt Cash, das bringt Aufträge und das bringt natürlich auch wirtschaftliches Wachstum“, sagte Söder zu den Plänen. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, hängt jedoch davon ab, welche der bislang angekündigten Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden. Die Unterzeichnung einer Absichtserklärung garantiert weder die Bereitstellung der genannten Milliardenbeträge noch die Vergabe konkreter Aufträge an bayerische Unternehmen.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Bayern und den Emiraten sind bereits eng. Mit einem bilateralen Handelsvolumen von rund 1,65 Milliarden Euro im Jahr 2025 sind die VAE der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Freistaats im Nahen und Mittleren Osten. Zu den wichtigsten Exportgütern Bayerns gehören Automobile, Maschinen und elektrotechnische Erzeugnisse.

Auch auf Bundesebene hat der Handel mit dem Golfstaat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Für das Jahr 2025 wird das deutsch-emiratische Handelsvolumen auf rund 13,5 Milliarden Euro beziffert. Seit 2020 sind die deutschen Ausfuhren in die Emirate laut Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums um 66 Prozent gestiegen.

Kommentare

Sei der Erste, der einen Kommentar hinterlässt!

Kommentare werden geladen...

DER FREILICH-NEWSLETTER

FREILICH.
Direkt ins Postfach.

Aktuelle Beiträge, neue Ausgaben und ausgewählte Einblicke – direkt per E-Mail.

Freiwillig. Jederzeit über den Abmeldelink im Newsletter oder im Profil widerrufbar. Datenschutz

Anmeldung wird vorbereitet …