Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Angreiferinnen und Angreifer! Auch wenn Sie glauben, unser Land mit militärischer Gewalt erobern zu wollen, müssen wir Ihnen höflich mitteilen, dass es uns aus Klimaschutzgründen bedauerlicherweise nicht möglich ist, an diesem Konflikt teilzunehmen. So oder so ähnlich könnte die Antwort der EU auf eine Kriegserklärung aussehen. Zumindest wenn es nach Organisationen wie „Amnesty International“, „Attac Österreich“, oder der TU Dortmund geht.
Von dort gibt es nämlich eine Studie, die vor Wettrüsten warnt und der im ORF breiter Raum geboten wurde. So heißt es etwa, dass die Krisen aller Art weltweit immer mehr würden. In diesem geopolitischen Klima investierten immer mehr Länder stark in ihr Militär, wobei immer öfter die Auswirkungen auf das meteorologische Klima vergessen würden. Vergangenen Sommer schon habe eine Studie ergeben, dass allein die geplante Aufstockung der NATO-Staaten in den nächsten zehn Jahren zusätzlich über 1 000 Millionen Tonnen klimaschädlicher Emissionen verursache. Krieg ist also klimaschädlich! Wer hätte das gedacht? Und vor allem, wer zahlt derartige Schwachsinnsstudien?
CO₂ statt Kanonen
Immerhin wissen wir jetzt, dass pro Flugstunde eines Eurofighter rund elf Tonnen CO2 ausgestoßen werden. Zum Vergleich: Ein Mensch in Österreich verbraucht rund sieben bis acht Tonnen pro Jahr. Das Militär zählt laut Bernd Sommer, Professor für Umweltsoziologie mit Schwerpunkt Transformationsforschung an der TU Dortmund, zu den emissionsintensiven Sektoren. Aber auch in Friedenszeiten, sozusagen beim Vorhalten dieser militärischen Kapazitäten, entstehen ja Emissionen, also durch Manöver, durch Verlagerung von Truppen.
Wäre das Militär ein Staat, wäre es der viertgrößte Emittent klimaschädlicher Gase hinter den USA, China und Indien, hat die Organisation Conflict and Environment Observatory im Auftrag der UNO errechnet. Militäremissionen sind schwer zu erfassen, da Armeen sie nicht offenlegen müssen. Vieles basiert daher auf Schätzungen, Modellrechnungen oder einzelnen Veröffentlichungen. Max Hollweg hat für die NGO Attac Österreich internationale Studien ausgewertet. Sein Fazit: Das Militär hat im vergangenen Jahr rund acht Prozent der weltweiten Emissionen verursacht.
Zudem tragen die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten dazu bei, dass die Verteidigungsausgaben derzeit steigen und damit auch die Emissionen. Wenn man das Militär insgesamt wieder vergrößert, mehr Soldaten gewinnen möchte, bedeutet das dann natürlich auch mehr Ausrüstung, mehr Kasernen und mehr Übungen und dementsprechend dann auch mehr Emissionen. Das Militär ist also ganz klar klimaschädlich! Das sagen zumindest die NGOs. Der Einsatz von Kampfjets, Panzern und Schiffen lässt sich einfach nicht dekarbonisieren und deswegen ist das Militär auch so überdurchschnittlich emissionsintensiv. Das waren noch Zeiten, in denen man mit klimaneutralen Segelschiffen, Pferden aus Freilandhaltung und Holzlanzen aus biologischem Anbau aufeinander losgegangen ist. Früher war halt doch vieles besser.
Abrüstung fürs Klima?
Da nicht davon auszugehen ist, dass sich Aggressoren angesichts dieser Studien reumütig darauf verständigen, nur mehr klimafreundliche Kriege zu führen, ist mit einem weiteren Anstieg klimaschädlicher Emissionen zu rechnen. Geht man von dem Wert aus, wäre das Militär nach Prognosen von Attac 2030 für über ein Viertel aller Emissionen verantwortlich. Das zeige laut Hollweg, der namens Attac Österreich einen Stopp des Wettrüstens fordert, dass sich das hinten und vorne nicht mit den Klimazielen ausgehe. Dass man versuche, die Kasernen etwa klimaneutraler zu gestalten, reiche nicht aus, so Hollweg.
Noch absurdere Gedanken hat nur Professor Bernd Sommer, der ein Projekt zur Transformation des Militärs während der Klimakrise leitet. Ja, das gibt es tatsächlich! Sommer betont, dass Verteidigung nicht zwangsläufig Aufrüstung bedeuten muss, vielmehr könne man Infrastruktur so anpassen, dass sie weniger angreifbar ist. Als Beispiel nennt er einen Windpark in der Nordsee, der militärisch natürlich ein ganz anderes Ziel für potenzielle Angreifer darstellt als ein einzelnes Kraftwerk, das man relativ schnell sozusagen ausschalten kann. Das sind sozusagen halt hunderte von Einzelzielen und das stärkt sozusagen auch die Resilienz in der Energieversorgung.
Der Angriff auf hunderte Einzelziele bedeutet allerdings auch hunderte Bomben auf diese. Ob das klimafreundlich ist, darf bezweifelt werden. Hier dürfte sich der Herr Professor ein wenig von der Realität verabschiedet haben. Der nächste Krieg wird also höchstwahrscheinlich nicht aus Klimaschutzgründen abgesagt.



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