Stuttgart. – In Baden-Württemberg ist eine Journalistenseminarreihe mit politischem Schwerpunkt in die Kritik geraten. Unter dem Titel „Fakten statt Fakes – Journalistische Strategien gegen Desinformation” bot die Journalistische Aus- und Berufsbildung Baden-Württemberg (JAB BW) im Dezember 2025 und damit im Vorfeld der anstehenden Landtagswahl im März mehrere kostenlose Schulungen für Mitglieder des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) an. Den Auftakt bildete am 17. und 18. Dezember in Stuttgart das Seminar „Über Rechte berichten“.
Seminar gegen „Rechts“
In der Einladung wurde ein klares Bedrohungsszenario gezeichnet: „Akteure der extremen Rechten nutzen Medienmechanismen sehr geschickt für ihre Zwecke: Sie provozieren, polarisieren und brechen Tabus“, hieß es darin. Redaktionen müssten sich fragen, wie sie „angemessen über Rechtspopulismus und Rechtsextremismus“ berichten könnten, ohne dabei unbeabsichtigt die PR der „Extremisten“ zu übernehmen. Das Ziel der Veranstaltung sei es gewesen, dass Teilnehmer „kenntnisreich und reflektiert über die Gefahren von Rechts berichten“ könnten.
Landesregierung finanzierte JAB BW
Die Seminarreihe wird vor allem durch die nun bekannt gewordene Finanzierung brisant. Erst durch eine parlamentarische Anfrage des AfD-Abgeordneten Emil Sänze wurde offengelegt, dass die Landesregierung die JAB BW umfangreich mit Steuermitteln unterstützt.
In der offiziellen Antwort des Staatsministeriums, welche FREILICH exklusiv vorliegt, wird eine Förderung von insgesamt 142.500 Euro für das Jahr 2025 genannt. Die Mittel flossen über die Landesanstalt für Kommunikation zur „Förderung der journalistischen Aus- und Fortbildung“. Das Staatsministerium bestätigt zudem ausdrücklich finanzielle oder geldwerte Zuwendungen an den DJV, den VSZV und die JAB BW sowie deren Unterorganisationen.
AfD sieht „Steuergeld für Hofberichterstattung“
Emil Sänze sieht in dieser Förderung eine problematische Vermischung von staatlicher Finanzierung und journalistischer Meinungsbildung. „Die Landesregierung bestätigt, dass sie mit Steuergeld Strukturen wie die JAB BW fördert, die daraufhin kostenlose Seminare anbieten, in denen angehende Journalisten ausdrücklich zur kritischen Auseinandersetzung mit der Opposition angeleitet werden“, erklärt er dazu in einer Stellungnahme gegenüber FREILICH.
Für Sänze ist dies Ausdruck eines grundsätzlichen Problems: „Wenn der Staat journalistische Nachwuchsarbeit fördert und zugleich politische Zielrichtungen vermittelt werden, ist die gebotene Distanz zwischen Journalismus und Politik aufgehoben.“ Besonders kritisch bewertet er die Rolle öffentlicher Mittel: „Wer kritisches Denken lehrt, darf nicht selektiv kritisieren lassen – schon gar nicht mit öffentlichen Mitteln.“
Landesregierung weist jede Einflussnahme zurück
Die Landesregierung bestreitet hingegen jede Form politischer Steuerung. In der Antwort des Staatsministeriums heißt es dazu: „Es wurden im Zusammenhang mit Förderungen oder Maßnahmen weder ‚Wunschvorstellungen‘ artikuliert noch Absprachen/Zusagen im Gegenzug für ‚erwünschte Verhaltensweisen‘ getroffen.“ Insbesondere habe es keine Wünsche an die inhaltliche Berichterstattung gegeben, was sich schon wegen der „grundgesetzlich geschützten Rundfunk- und Pressefreiheit“ verbiete.





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