Landtagswahl in Niederösterreich:

29 Prozent bei Sonntagsfrage: FPÖ baut Umfrage-Vorsprung aus

Der freiheitliche Höhenflug in den Umfragen dauert an. Rückte die FPÖ bereits vor einigen Wochen erstmals auf den ersten Platz in der Wählergunst, baut sie ihren Vorsprung nun beständig aus. Gleich zwei Umfragen sehen die Blauen an der 30-Prozent-Marke kratzen.
Julian Schernthaner
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9.12.2022
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4 Minuten Lesezeit
29 Prozent bei Sonntagsfrage: FPÖ baut Umfrage-Vorsprung aus
FPÖ-Chef Herbert Kickl nach seiner Wiederwahl beim Parteitag in St. Pölten. (c) Alois Endl

Wien. – Würde am kommenden Sonntag gewählt, würde die FPÖ das beste Ergebnis ihrer Geschichte einfahren und hätte sogar die rechnerische Möglichkeit, sich ihren Partner für eine Zweierkoalition auszusuchen. Dies geht aus einer Umfrage der „Paul-Lazarsfeld-Gesellschaft“ für die Tageszeitung Österreich unter 2.000 Bürgern sowie aus einer „Market“-Umfrage für den Standard mit 804 Befragten hervor.

FPÖ festigt ersten Platz in Umfragen

In der Lazarsfeld/Österreich-Umfrage ist der erste Platz der Freiheitlichen besonders unangefochten. Kommt die FPÖ auf 29 Prozent, stagniert die SPÖ weiter bei 25 Prozent, die ÖVP käme nur mehr auf 21 Prozent – um 16,5 Prozent weniger als bei der letzten Nationalratswahl im Herbst 2019. Die Grünen kämen mit 9 Prozent hinter den NEOS (10 Prozent) nur mehr auf den fünften Platz. Während die MFG nur mehr 1 Prozent der Bürger hinter sich vereint, zöge die Bierpartei (5 Prozent) ins Parlament ein.

Bei einem solchen Ergebnis hätte die Partei von Herbert Kickl sowohl mit der SPÖ als auch mit der ÖVP die rechnerische Möglichkeit, eine Zweierkoalition zu bilden. Eine blau-schwarze Neuauflage wurde zuletzt von FPOÖ-Chef Manfred Haimbuchner ins Spiel gebracht. Jede Regierungsvariante an der FPÖ vorbei bräuchte zusätzliche Partner. Die immer wieder durch die Medien geisternde Option einer Mitte-Links-Ampel hätte nicht einmal unter Einbeziehung der Bierpartei als vierter Kraft eine Mehrheit.

SPÖ auch beim Standard hinter FPÖ

Eine etwas andere Ausgangslage hatte die Standard/Market-Umfrage: Dort wurde die Bierpartei von Ex-Präsidentschaftskandidat und Rockmusiker Dominik Wlazny gar nicht erst abgefragt. So schneiden die übrigen Parteien links der Mitte marginal besser ab. Während die FPÖ hier ebenfalls auf 29 Prozent kommt und die ÖVP dieselben 21 Prozent erreichen würde, käme die SPÖ auf 27 Prozent. Die Grünen würden knapp ihre Zweistelligkeit (10 Prozent) wahren, lägen aber weiter hinter den NEOS (11 Prozent).

Ein derartiges Ergebnis würde folgende Kräfteverhältnisse im Nationalrat ergeben: FPÖ 55, SPÖ 51, ÖVP 39, NEOS 20, Grüne 18. Entsprechend hätten FPÖ und SPÖ eine deutliche Mehrheit (106 von 183 Sitzen) und eine knappe Mehrheit mit der ÖVP (94 von183). Die rot-grün-pinke Ampel (89 von 183) hätte ebenso wenig eine Mehrheit wie eine Neuauflage der einstigen „großen Koalition“ aus SPÖ und ÖVP (90 von 183). Die aktuelle ÖVP/Grünen-Koalition würde nicht einmal mehr ein Drittel der Mandate im Hohen Haus für sich beanspruchen (59 von 183 Sitzen) und hätte eine Verfassungsmehrheit gegen sich.

Große Verschiebungen über Monate hinweg

Gerade die Zahlen der Market/Standard-Umfrage zeigen die erdrutschartigen Verschiebungen über mehrere Monate hinweg. Denn im Vergleich zur letzten derartigen Umfrage dieses Instituts im August für jenes Medium legte die FPÖ um ganze 8 Prozent zu, während die SPÖ immerhin 3 Prozent verlor und auf dem Niveau der Nationalratswahlen 2013 und 2017 zu liegen käme. Außer den Freiheitlichen kann dort keine Partei in den letzten vier Monaten zulegen.

Die Verschiebungen dürften auch auf den harten Oppositionskurs von FPÖ-Chef Herbert Kickl zurückgehen. Denn bereits in der Vorwoche übernahm dieser in der „Kanzlerfrage“ – als der hypothetischen Situation, man könne das Regierungsoberhaupt direkt wählen – den alleinigen ersten Platz, nachdem er sich diesen zuvor noch mit ÖVP-Kanzler Karl Nehammer und SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner teilen musste. Letztere wäre hier nur mehr auf dem dritten Platz – der Abstieg der Genossen nahm mit einem schwachen Auftritt ihrer Parteichefin beim ORF-Sommergespräch im August ihren Ausgang.