FREILICH: Herr Guggenbichler, wie würden Sie jemandem, der noch nie beim Akademikerball war, in wenigen Sätzen erklären, was ihn erwartet?
Udo Guggenbichler: Es wird ein wunderschöner Ball mit einer beeindruckenden Schwarz-Weiß-Eröffnung sein, die von den Aktiven der WKR-Bünde dargeboten wird. Außerdem haben wir ein wunderbares künstlerisches Programm. Und es freut mich, sagen zu können, dass wir dieses Jahr wieder einen Verkaufsrekord erreichen werden.
Der Ball bzw. sein Vorgänger, der WKR-Ball, findet seit 1952 statt. Sie selbst organisieren ihn seit 1998. Was motiviert Sie, diese Aufgabe Jahr für Jahr zu übernehmen?
Der WKR- bzw. Akademikerball hatte verschiedene Phasen. In der ersten Phase wurde der Ball veranstaltet, als Wien noch in vier Besatzungszonen aufgeteilt war. Das war für alle Gäste natürlich eine besondere Herausforderung, zur Ballveranstaltung kommen zu können. Ein einschneidender Punkt war sicherlich auch die Entscheidung der Hofburg, dass der WKR-Ball nicht mehr stattfinden darf, sodass wir zum Akademikerball wurden, was natürlich schwierig war. Aufgrund der Proteste und der Namensänderung hatten wir Einbrüche bei den Besucherzahlen. Wenn ich jetzt aber sehe, dass wir in den letzten Jahren einen Besucherrekord nach dem anderen feiern, dann gibt mir das die Motivation, zu sehen, dass es sich ausgezahlt hat, auch in schlechteren Zeiten hinter der Veranstaltung zu stehen und die Organisation zu übernehmen.
Der Ball wird heute von der FPÖ veranstaltet, früher vom Wiener Korporationsring. Was hat sich dadurch organisatorisch verändert?
Der Ball wird vom Wiener Akademikerballausschuss in Zusammenarbeit mit vielen Organisationen des traditionellen Dritten Lagers in Österreich veranstaltet, darunter Burschenschaften und die Freiheitliche Partei. Organisatorisch hat sich nichts verändert: Der WKR-Ballausschuss, der nach wie vor als Verein besteht, ist personalidentisch mit dem Akademikerballausschuss.
Wer besucht den Akademikerball heute? Hat sich das Publikum im Laufe der Jahre im Vergleich zum früheren WKR-Ball verändert?
Früher wurde der WKR-Ball von den Korporationen des Wiener Korporationsrings und einer breiten Masse von Corpsstudenten aus Deutschland getragen. Dies hat sich insofern verändert, als dass der Ball heute österreichischer ist und vom gesamten Dritten Lager getragen wird.
Gibt es Programmpunkte oder Momente, auf die Sie sich jedes Jahr besonders freuen?
Ich freue mich natürlich auf die tollen künstlerischen Einlagen und die Eröffnung durch die Aktiven der WKR-Bünde. Am meisten freue ich mich jedoch, wenn um 5 Uhr morgens die „Alte Burschenherrlichkeit“ gesungen wird und man sieht, dass die Veranstaltung wieder gelungen ist.
Seit 2008 kommt es regelmäßig zu Demonstrationen gegen den Akademikerball, die teilweise sehr gewalttätig verlaufen sind. Mittlerweile hat sich die Lage wieder beruhigt. Wie erleben Sie diese Entwicklung als langjähriger Organisator?
Es gab ja nie wirklich einen richtigen Grund, gegen den WKR-Ball zu demonstrieren. Der tatsächliche Grund war, dass am Opernball die Linksextremen und Grünen selbst Teilnehmer waren und das alte Feindbild dadurch weggefallen ist. Mit dem WKR-Ball hat man sich ein neues Feindbild ausgesucht, gegen das man im linken Spektrum leicht mobilisieren konnte, und das ist traurig. Ich finde, es ist keine Heldentat, wenn man gewalttätig gegen Frauen im Ballkleid vorgeht.
Gab es auch Anfeindungen gegen Sie persönlich?
Ja, natürlich gab es auch Anfeindungen gegen meine Person. Ich habe mehrere Morddrohungen erhalten und hatte aufgrund der international gewalttätigen Linksextremisten über einige Jahre hinweg persönlichen Polizeischutz in den Wochen vor und nach dem Ball. Das wünsche ich niemandem.
Seit den Protesten und mehreren linken Kampagnen hat der Ball in der medialen Öffentlichkeit den Stempel „rechtsextrem“ aufgedrückt bekommen. Welche Verantwortung tragen die Medien Ihrer Meinung nach für die Eskalation rund um den Ball?
Nun, die Bezeichnung „rechtsextrem“ wird mittlerweile ziemlich inflationär verwendet. Das hat man auch während der Coronaproteste gemerkt, als eigentlich ausgewiesene Linke plötzlich in die rechtsextreme Ecke gestellt wurden. Die Medien haben natürlich auch einen gewissen Anteil daran. Wenn es zum Beispiel bei den gewalttätigen Demonstrationen zu Ausschreitungen kam, titelten sie mit „Gewalt am Ball“ etc. Fakt ist: Am Ball selbst hat es noch nie Gewalt oder Gesetzesübertretungen gegeben. Ich würde mir schon wünschen, dass die Medien hier etwas ausgewogener und objektiver berichten.
Ist es möglich, dass sich das öffentliche Bild des Akademikerballs wieder normalisiert?
Ich glaube, da ist schon sehr viel passiert. Die Linken haben sich da mittlerweile leergelaufen. Natürlich versuchen sie jedes Jahr, unter einem anderen Motto gegen den Ball zu mobilisieren. Zuerst waren es die Burschenschaften, dann Männerbünde allgemein, dann der Kapitalismus und jetzt, glaube ich, der Rechtsruck in Europa. Daran sieht man, wie fadenscheinig hier agiert wird. Letztlich ist es aber ein kleines, versprengtes Grüppchen, das das Ansehen des Balls nicht gefährden kann.
Wie sieht es heuer mit Protesten aus? Was sagt die Polizei? Womit ist zu rechnen?
Heuer soll mit keiner großen Gefährdungslage zu rechnen sein. Es ist eine Demonstration der Sozialistischen Jugend bei der Universität Wien angemeldet, die wohl nicht besonders groß werden dürfte.
Wie läuft der Vorverkauf in diesem Jahr? Mit wie vielen Gästen rechnen Sie heuer ungefähr?
Zu den Verkaufszahlen kann ich sagen, dass wir in den nächsten Tagen sicher wieder verkünden können werden, dass der Ball ausverkauft ist. Es läuft also sehr gut. Wir waren heuer das erste Mal im Juni mit den Logen im Festsaal ausverkauft, und das zieht sich natürlich in die weiteren Säle nach hinten. Es ist wirklich schön, dass wir auch eine wirtschaftlich erfolgreiche Veranstaltung darbieten können.
Was würden Sie Menschen sagen, die überlegen, den Akademikerball erstmals zu besuchen, aber noch zögern?
Den Menschen – vor allem natürlich den Korporierten – die noch überlegen, zum Akademikerball zu kommen, kann ich nur sagen: Schaut bitte vorbei! Es ist ein wunderschönes Ballerlebnis. Ihr habt hier die Möglichkeit, eure Konaktiven und ihre Familien wiederzutreffen, was in der heutigen Zeit ja immer schwieriger wird. Außerdem tragt ihr damit zum Erfolg und Erhalt eines korporativen Kulturguts bei. Und ich glaube, das ist auch die Aufgabe von Couleur- und Waffenstudenten: Hier unsere Traditionen aufrechtzuerhalten.
Zur Person:
Udo Guggenbichler ist FPÖ-Abgeordneter zum Wiener Landtag und seit 2012 Obmann des Ballausschusses des Wiener Akademikerballs sowie Vorsitzender des Österreichischen Pennäler Rings. Er organisiert den Wiener Akademikerball bereits seit über 20 Jahren.




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