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Kultur

„Deutsche Vita“: Die rätselhafte Band, die rechts für Furore sorgt

Mit ihrem ungewöhnlichen Retro-Stil und eingängigen Liedern sorgt „Deutsche Vita“ besonders in rechten Kreisen für Begeisterung, obwohl sich das geheimnisvolle Duo politisch bedeckt hält.

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Mit weißen Masken und Musik im Stil der Neuen Deutschen Welle sorgt das Duo „Deutsche Vita“ für Aufmerksamkeit – besonders in der rechten Szene.
Mit weißen Masken und Musik im Stil der Neuen Deutschen Welle sorgt das Duo „Deutsche Vita“ für Aufmerksamkeit – besonders in der rechten Szene. (Bild: Screenshot: YouTube)

Seit dem 1. Mai 2025 weiß es das Volk: „Alle müssen Tanzen – sogar die Fetten und die Transen“. So heißt es in dem bisher erfolgreichsten Lied der Band Deutsche Vita, das an jenem Datum das Licht der Welt erblickte. Es trägt den prägnanten Namen Krieg und zählt auf Spotify inzwischen über 300.000 Hörer und rund 200.000 Aufrufe auf YouTube.

Bei besagtem Lied handelt es sich um eines von inzwischen acht des maskierten Musikduos. Die weißen Masken passen bestens ins Schema – denn bisher ist kaum etwas über den Italiener Vito Legero und den Deutschen Dieter Schlaghofer, der von allen Björn genannt wird, bekannt. Was allerdings auffällig ist: Obwohl die Band sehr neu ist, noch keinen öffentlichen Auftritt hatte und sich bisher nicht politisch positioniert hat, kommt ihre Musik innerhalb der rechten Szene sehr gut an. So warben bereits populäre Aktivisten der Identitären Bewegung für ihre Musik und ihren Merchandise. Insbesondere das nach dem Bandnamen benannte Lied Deutsche Vita wurde bereits für zahlreiche Videos rechter Organisationen genutzt. Im patriotischen Kosmos erfreut sich die Gruppe somit inzwischen einer durchaus ansehnlichen Bekanntheit. Von knapp 50.000 monatlichen Hörern auf Spotify und hunderttausendfach geklickten Musikvideos können die meisten Musiker nach nur wenigen Monaten künstlerischen Schaffens nur träumen.

Keine Spur von Distanzeritis

Kaum ein Musiker würde sich in den heutigen Zeiten derartig lauten Applaus von rechts gefallen lassen. Doch Deutsche Vita scheint die Tatsache, dass rechte Kreise an ihrer Musik großen Gefallen finden, nicht zu stören. Im Gegenteil: Es ist durchaus auffällig, dass zahlreiche positive Kommentare auf Instagram und YouTube von Konten, die klar dem rechten Spektrum zuzuordnen sind, von der Band, für jedermann öffentlich einsehbar, mit einem Like versehen oder humoristisch beantwortet werden. Wo andere sich in Distanzeritis und vorauseilendem Gehorsam gegenüber der sogenannten Zivilgesellschaft üben würden, knickt Deutsche Vita nicht ein und nimmt die Unterstützung gerne an.

In die Texte der Gruppe lässt sich bisher allerdings keinerlei rechtes Gedankengut hineininterpretieren. Werfen wir beispielsweise mal einen Blick auf das erwähnte Lied Krieg. Natürlich bekommen woke Kulturkämpfer bei einem Wort wie „Transen“ Schnappatmungen, doch darüber hinaus findet sich nichts, was man als in irgendeiner Form „verdächtig“ bezeichnen könnte. Im Gegenteil: Es handelt sich um ein Antikriegslied, in dem davon gesprochen wird, dass die Menschheit nur ein „Ungeziefer auf dieser Welt – krabbelnd und ohne Sinn“ sei. Man wolle doch sowieso nur „bisschen im Garten chillen, bisschen Grillen“ und „paar Bierchen in der Sonne“ genießen. Das klingt nun nicht wirklich nach einer rechten Lebensphilosophie, sondern eher nach dem Traum des stereotypen Grill-Boomers.

Was ist bisher über die Band bekannt?

Der YouTube-Kanal der Band wurde am 14. Dezember 2024 erstellt. Das Musikvideo zu ihrem ersten Lied Nächste Woche erschien dort am 14. März 2025. Dieses wurde mit ihrem ersten Beitrag auf Instagram – einem kurzen Teaser für das Musikvideo – am 1. März beworben. In ihrer Kanalbeschreibung auf YouTube steht: „Retrospektiver YouTube-Kanal des Musikprojektes Deutsche Vita (1983–1992).“

Der Retro-Stil ist, neben den Masken, quasi das Markenzeichen der Band. Sie präsentiert sich als Projekt, das in der Vergangenheit existierte, von dem nun nach und nach alte Aufnahmen veröffentlicht werden. Die Lieder erinnern an den Stil der Neuen Deutschen Welle. Doch die Welt von Deutsche Vita ist nicht nur auf Musik beschränkt. Die Band veröffentlicht in den Sozialen Medien immer wieder Ausschnitte eines Dokumentationsfilms, der im Jahr 1983 von der britischen Musikjournalistin Lucy Bradford produziert worden sein soll, und Deutsche Vitas „Alltag am Berliner Stadtrand und ihren letztlich vergeblichen Kampf um Ruhm“ zeigt. Ein durchaus kreatives und amüsantes Konzept.

Auf Instagram folgt die Band genau einem Konto: Gabriele Stranuzzo, in dessen Biografie unter anderem „Manager of Deutsche Vita“ und „Do not follow me“ steht. Das Konto ist privat, sodass man die sechs bisher veröffentlichten Beiträge nicht sehen kann. Deutsche Vita ist der einzige Follower. Vielleicht wird Stranuzzo ja auch noch Teil der Lucy-Bradfordschen Dokureihe. Man darf gespannt bleiben.

Ein Wikipedia-Artikel über die Band existierte nur sehr kurz. Ein Benutzer namens „Hyperdieter“ bezeichnete den Eintrag als „verzweifelten Artikelversuch“ und ließ ihn Anfang September 2025 löschen. Doch sollten Dieter und Vito weiterhin Musik mit Ohrwurmpotenzial veröffentlichen, wird sich das mit Sicherheit bald ändern.

Die Bedeutung für die Rechte

Es stellt sich nun natürlich die Frage, wer hinter Deutsche Vita steckt. Der Fakt, dass bekannte rechte Akteure die Gruppe so früh entdeckt haben und nach wie vor mithelfen, sie zu einer Szenegröße zu machen, lässt die Vermutung zu, dass den Personen hinter den Masken die Neue Rechte nicht fremd ist und sie schon vor Gründung der Band über gewisse Kontakte verfügten. Final beweisen lässt sich das zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht. Und das ist auch gar nicht nötig. Die politische Rechte sollte auf keinen Fall versuchen, Deutsche Vita dazu zu zwingen, sich zu positionieren. Es wird gewiss nicht an dem Duo vorbeigegangen sein, dass es der Neuen Rechten einen erheblichen Teil ihres Erfolges zu verdanken hat – vorige Kontakte hin oder her. Dass sie sich trotzdem nicht von ihrer Hörerschaft distanzieren, sondern einfach weiter ihren Weg gehen, reicht völlig aus.

Die Musiklandschaft ist in der gesamten westlichen Welt links geprägt. Selbst grundsätzlich unpolitische Bands oder auch Akteure, deren Fangemeinde früher als eher rechts angehaucht galt, sind heutzutage ganz besessen davon, sich gegen die AfD auszusprechen und Migranten den roten Teppich auszurollen. Dadurch erfüllen sie eine Art Scharnierfunktion. Wer Herbert Grönemeyer hört, der hat gegen rechts aufzustehen, weil der dicke Opa das nun mal so von der Bühne brüllt. Taylor Swifts Fans wählen in den USA nun mal eher die Demokraten, da Tay Tay „Fuck the patriarchy!“ singt. Fangemeinden tendieren dazu, ihren Idolen in vielen Fragen zu folgen.

Sollte Deutsche Vita nun weiterhin wachsen und durch ihr unpolitisches Auftreten ebenso eher unpolitische Hörer gewinnen können, die dann über kurz oder lang mit der eingefleischteren Fangemeinde der Band in Kontakt kommen, könnten auch sie eine Scharnierfunktion erfüllen – nur eben in die andere Richtung und ein wenig eleganter. Würde Deutsche Vita dezidiert rechts auftreten, wären sie sofort zu einem Nischendasein gezwungen. Eine Band, die in rechten Kreisen gehört wird, sich nicht abgrenzt und trotzdem massentauglich ist, klingt nach einem durchaus sinnvollen Konzept. Denn Künstler schaffen Kultur und Kultur ist der vorpolitische Bereich schlechthin.

Dieser Text wurde zuerst in der FREILICH-Ausgabe Nr. 37 „Vier gegen Brüssel“ abgedruckt.

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