Wenn man in die Jahre kommt, so verleiten runde Geburtstage in erster Linie zur nostalgischen Rückschau. Dafür ist es bei der Jungen Freiheit noch zu früh: Mit 40 steht sie im besten Alter, und ist gefragter und notwendiger denn je. Sie hat sich von ihren Ursprüngen weit entfernt und ist sich doch treu geblieben. Als eine Art von Jugendstreich 1986 im „vorderösterreichischen“ Breisgau, ganz im Südwesten der alten Bundesrepublik gegründet, ist sie nach der Wiedervereinigung auf dem Weg über Potsdam – mit seinen historischen Bezügen und seinen aktuellen Widerspenstigkeiten – in der Hauptstadt Berlin gelandet. In der JF schrieben so manche Journalisten, die sich von ihren alten Medien getrennt hatten (wie z. B. Günther Zehm); es gibt „Edelfedern“ wie Thorsten Hinz und Karlheinz Weissmann mit regelmäßigen Beiträgen. Doch die Geburtstagswünsche gelten doch vor allem Dieter Stein. Er hat die Zeitung nicht nur aus der Taufe gehoben, er hat sie zum dem gemacht, was sie heute ist: Die respektable Stimme der deutschen Rechten.
Vielleicht war Stein für diese Rolle deshalb so prädestiniert, weil er von seinem Temperament her gerade nicht dem Muster entspricht, wie man es in den Reihen der europäischen Rechten so oft antrifft: Schräge Vögel, zuweilen grenzgenial, aber unberechenbar, mit Unterhaltungswert, doch kein Fettnäpfchen auslassend, stets an der Kippe vom Überzeugungstäter zum agent provocateur. Stein hingegen, als ein ruhiger, überlegter Planer und Rechner könnte vom Habitus her durchaus bei der FAZ sein – wenn die FAZ denn noch das wäre, was sie einmal war. Die JF wäre ohne Stein wohl längst auf eine der vielen Klippen aufgelaufen, die auf ein Blatt ihres Zuschnitts lauern. Seine Leitartikel, die so oft ins Schwarze treffen, sind bloß die Spitze des Eisbergs. Seine Managementfähigkeiten und das geduldige Knüpfen von Verbindungen bleiben dem Leser verborgen und sind dennoch unerlässlich.
Mehr als ein Milieublatt
Es gibt in der JF eine Kolumne, der es selten an Material fehlt: Die „Zeitschriftenkritik“, gerade auch von Blättern, die im großen und ganzen im selben Milieu angesiedelt sind. Viele davon sind durchaus ambitioniert, aber zuweilen doch stark sektiererisch, als Gralshüter der reinen Lehre mit hohen normativen Erwartungen und wenig journalistischer Recherche. Das Spezifikum der JF ist, dass sie es geschafft hat, über dieses Niveau hinauszuwachsen: Man erfährt, wenn man JF liest, auch tatsächlich etwas darüber, was in der vergangenen Woche in der Welt passiert ist – und nicht bloß die ewig gleiche Litanei der ewig gleichen Kommentatoren. Die JF leistet sich den Luxus eigener Recherchen, in Krisengebieten in Übersee wie – oft noch viel gefährlicher – in gewissen heimischen Brennpunkt-Vierteln. Sie hat ihre philosophischen Köpfe, aber sie verzichtet nicht auf einen soliden Wirtschaftsteil – was angesichts der Kapitulation der vermeintlichen Wirtschaftsparteien vor dem Green Deal und seinen Metastasen nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
Die JF wird mit dem Wählerpotential der AfD assoziiert, das inzwischen gut ein Viertel der Deutschen umfaßt. Sie ist deshalb aber nicht zum Sprachrohr der Partei degeneriert, sondern bewahrt ihre Distanz und füllt die Lücke aus, die sich zwischen den Mitte-Parteien und der AfD aufgetan hat. Sie ist ein Blatt, das auch traditionelle FDP-, CDU- und CSU-Politiker nicht einfach rechts liegen lassen können oder wollen. Anders ausgedrückt: Die JF ist genau dort zu finden, wo andere gerne Brandmauern aufbauen oder zumindest verbrannte Erde sehen würden. Das ist mit ein Grund, warum sie manchen Verteidigern des status quo, die konservativ mit der Fortschreibung von Rot-Grün verwechseln, viel mehr ein Dorn im Auge ist als irgendwelche Samisdat-Blättchen, die sich als Beleg für den angeblichen Extremismus der Opposition eignen.
40 Jahre Forum der Rechten
Diese Rolle auszufüllen ist keine leichte Aufgabe, gerade für eine Zeitung, die nicht bloß vermeintlichen Sensationen hinterherläuft, sondern Grundsätzliches zur Diskussion stellen will: Denn die Rechte ist von einer Vielfalt geprägt, die tatsächlich viel bunter ist als das multirassische Einheitsgrau des Zeitgeistes, der dieses Vokabel so gern im Mund führt. Diese Vielfalt sorgt für lebendige Diskussionen – und doch lehrt die Erfahrung, dass sich hinter diesem Euphemismus allerlei Grabenkämpfe verbergen, die zuweilen an Henry Kissingers klassischen Ausspruch erinnern: Akademische Konflikte sind so bitter, weil es um so wenig geht.
Im Umfeld der JF tummeln sich „Paläoliberale“ (die gegen die Sozialisten in allen Parteien antreten, auch den eigenen), kämpferische Katholiken (die über den schnöden Mammon die Nase rümpfen), etatistische Konservative (die mit Preußentum und Sozialismus kokettieren) und nostalgische Nationale (die einen Nachholbedarf an Opferstatus für Deutsche orten und mit den Rechten in der europäischen Nachbarschaft deshalb zuweilen recht ruppig verfahren). Sie alle zu Wort kommen zu lassen, ohne dass sie einander sofort in Acht und Bann tun, ist keine geringe Herausforderung. Jeder von uns wird sich schon einmal über diesen oder jenen Beitrag gegiftet haben – aber Nonstop Konsens wäre eben auch allzu langweilig.
In diesem Sinne: Ein Vivat, crescat, floreat für die nächsten vierzig Jahre!







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