Eine von drei Psychologen aus Norwegen und Kanada in der Fachzeitschrift Politics and the Life Sciences veröffentlichte Studie sorgt mit einer ungewöhnlichen These für Aufsehen. Demnach könnte es notwendig werden, Frauen stärker dabei zu unterstützen, Kinder auch ohne festen Partner zu bekommen, um den Geburtenrückgang in westlichen Gesellschaften zu stoppen. Die Autoren argumentieren, dass klassische Maßnahmen zur Steigerung der Geburtenrate bislang kaum Wirkung gezeigt hätten. Gleichzeitig sei die Zahl dauerhafter Partnerschaften in vielen Industrieländern stark zurückgegangen, während die Kinderzahlen parallel dazu gesunken seien.
Frauenemanzipation gleich niedrige Geburtenrate?
Den Forschern zufolge besteht weltweit ein auffallend enger Zusammenhang zwischen hoher Gleichstellung der Geschlechter und niedrigen Geburtenraten. Die Autoren führen dies auf tiefgreifende Veränderungen bei der Partnerwahl, der Verhütung und der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Frauen seit den 1960er-Jahren zurück. In wohlhabenden Gesellschaften seien Frauen heute weniger auf einen Partner als Versorger angewiesen. Dadurch würden höhere Anforderungen an potenzielle Partner gestellt, so die Autoren. Laut der Studie führe dies dazu, dass Beziehungen weniger stabil sind und mehr Menschen dauerhaft allein bleiben.
Besonders kontrovers sind die Auswertungen amerikanischer Daten. Demnach entfällt ein großer Teil der Sexualkontakte von Frauen auf einen vergleichsweise kleinen Anteil besonders begehrter Männer. Die Forscher sehen darin einen Hinweis auf eine zunehmende Konzentration von Partnerschaften und sexuellen Beziehungen. Gleichzeitig entstünden daraus jedoch oft keine langfristigen Bindungen und keine Familien. Die Autoren verweisen zudem auf Untersuchungen, denen zufolge viele Frauen mehr Kinder haben möchten, als sie letztlich bekommen. Als häufiges Hindernis wird das Fehlen eines geeigneten langfristigen Partners genannt.
Der radikale Lösungsvorschlag
Aus diesen Beobachtungen leiten die Wissenschaftler einen weitreichenden politischen Vorschlag ab. Demnach sollten Staaten prüfen, welche finanziellen und sozialen Hilfen notwendig wären, damit sich Frauen häufiger bewusst für eine Mutterschaft ohne Partner entscheiden. Diskutiert werden unter anderem umfangreichere finanzielle Leistungen sowie Wohn- und Betreuungsmodelle speziell für Alleinerziehende. Laut den Autoren könnte eine solche Strategie die Geburtenzahlen wirksamer erhöhen als der Versuch, mehr dauerhafte Paarbeziehungen zu schaffen.
In der Studie wird eingeräumt, dass ein solcher Weg die gesellschaftliche Stellung vieler Männer weiter schwächen könnte. Die Forscher sprechen von einer zunehmenden Ausgrenzung jener Männer, die auf dem Partnermarkt weniger gefragt sind. Gleichzeitig halten sie die demografischen Folgen dauerhaft niedriger Geburtenraten für so gravierend, dass auch drastische Maßnahmen diskutiert werden müssten.







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